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Absturz in der Seenplatte: Eurofighter-Unglück wirkt auch zwei Jahre später nach

„Wenn die Tiefflieger kommen ist das so laut, dann versteht man sein eigenes Wort nicht mehr”, sagt Hartwig Kurth. Doch der Betreiber eines Agrar- und Bauhandels in Nossentiner Hütte (Mecklenburgische Seenplatte) will nicht ständig schimpfen. Er ist wie seine Frau Birgit Kurth, die Amtsleiterin und Bürgermeisterin ist, auch Praktiker: Irgendwo müsse die Luftwaffe üben und schließlich war der Lärm der russischen MIGs zu DDR-Zeiten noch viel stärker. Trotzdem erinnern sich in diesen Tagen etliche Einwohner nur mit viel Unbehagen an den 24. Juni 2019.

Bei strahlendem Sommerwetter stürzten damals zwei Eurofighter ab, die eine Luftkampfübung absolvierten. Es gilt als das schwerste Unglück der Luftwaffe mit den Kampfflugzeugen. Eine der Maschinen stürzte ein paar Hundert Meter hinter dem größten Mehrfamilienhaus und dem Kindergarten von Nossentiner Hütte auf ein Feld. Der erfahrene Pilot konnte sich per Fallschirm retten. Die zweite Maschine zerschellte weiter östlich in einem Waldstück bei Silz. Ihr 27 Jahre alter Pilot starb.

Heute erinnert so gut wie nichts mehr an den bewegten Tag und als die Bundeswehr die Region danach abriegelte. „Der Alltag hat das schon überlagert, die Corona-Krise kam noch dazu”, sagt Almuth Köhler (CDU), Bürgermeisterin in Silz, wo die Bundeswehr ihr Lager hatte. Wochenlang war die Region damals gesperrt gewesen. Mehr als ein Jahr lang hatten Bewohner, Bundeswehrkräfte, Touristen oder Landwirte noch Teile der Unglücksmaschinen gefunden und in bereitgestellte Container geworfen. „Das passiert jetzt sogar manchmal noch”, sagt Andreas Schaade. Er leitet einen Agrarbetrieb, auf dessen Flächen ein brennendes Flugzeugwrack gestürzt war.

„Von dem Brand merken wir aber jetzt nichts mehr”, sagt Schaade. Der Betrieb hatte Entschädigung bekommen. Auf dem Acker war auf einer größeren Fläche der Boden ausgetauscht worden. Inzwischen wogt der Roggen hin und her und an den Pflanzen ist kein Unterschied erkennbar. Der Weg zur Unfallstelle ist umgepflügt, dort steht auch Roggen.

Anders sieht es an der Absturzstelle bei Silz aus. Dort musste ein ganzes Waldstück gerodet werden. Ein Wildzaun steht neben dem stark befahrenen Radweg und der Straße zum Heilbad Waren an der Müritz. Kein Zeichen weist darauf hin, dass hier ein Mensch gestorben ist. Die neu gepflanzten Bäume wachsen nur sehr langsam, auch wegen der zeitweise trockenen Witterung. Nur wenige Meter weiter steht aber ein Militär-Denkmal, das allerdings an eine Schlacht von 1806 erinnert.

„Wir gedenken der Toten, die im Dienst ums Leben kamen, mit Namen und Datum bei uns im Fliegerhorst”, sagt Matthias Ackermann, Sprecher des Eurofighter-Geschwaders 73 Steinhoff in Laage (Landkreis Rostock), wo 27 Maschinen stationiert sind. Die Staatsanwaltschaft hatte nach dem Unglück Ermittlungen aufgenommen. Inzwischen ist aber klar, so hieß es von der Behörde, dass ein Pilotenfehler des 27-Jährigen den tragischen Zusammenstoß in der Luft über dem Fleesensee ausgelöst hatte. Die Ermittlungen wurden Ende 2020 eingestellt.

Jetzt hat der Kreisverband der Linken den Vorfall nochmal zum Anlass genommen, ein generelles Ende solcher Tiefflugübungen zu fordern. Im Kreistag fand sich dafür aber keine Mehrheit. „Das wäre, als wenn wir beschließen, China soll aus der UNO austreten”, hieß es von Abgeordneten ablehnend. „Ein Ende solcher Tiefflüge wäre sehr wichtig, auch für den Tourismus”, schlägt Rene Putzar (parteilos) als Bürgermeister der nächsten größeren Stadt Malchoiw in die gleiche Bresche. Man habe schon damals kurz nach dem Unglück diese Forderung aufgestellt, sei damit aber bisher nicht durchgekommen.

Da gibt es auch jetzt wenig Hoffnung, schätzt Amtsleiterin Kurth ein. „Diese Energie kann man sich sparen.” Das sieht auch der Geschwader-Sprecher wohl so. Die Eurofighter steigen jeden Tag auf und fliegen immer in den vorgegebenen Regionen, vor allem zwischen Berlin und der Ostsee, beschreibt Ackermann. Dabei werde auch die Luftkampfübung trainiert, bei der damals der Unfall passierte.

In Silz will man auch nicht an die bewegten Tage von damals erinnern. Der Ort hat andere Pläne: Auf dem Sportplatz, wo damals die Bundeswehr ihr Hauptquartier hatte, sollen in Kürze Spielgeräte aufgestellt werden. Durch den Ort kommen viele Touristen und auch sonst leben Familien mit Kindern gern hier – und besuchen den Kindergarten in Nossentiner Hütte.

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