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AELF fordert mehr Wild-Abschüsse im Süd-Landkreis - Verbiss behindere Mischwald

Von: Christian Masengarb

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Einen gemischten Bergwald wie in diesem Bild wünscht sich Christian Webert, Leiter des AELF Holzkirchen, für den Landkreis-Süden. Weil Wild dort viele junge Mischbäume wegfresse, sei das Ziel in Gefahr.
Einen gemischten Bergwald wie in diesem Bild wünscht sich Christian Webert, Leiter des AELF Holzkirchen, für den Landkreis-Süden. Weil Wild dort viele junge Mischbäume wegfresse, sei das Ziel in Gefahr. ©  AELF

Der Landkreis-Süden hinkt dem Norden auf dem Weg zu zukunftssicheren Wäldern hinterher, kritisiert das AELF Holzkirchen. Verantwortlich dafür seien zu wenige Abschüsse von Schalenwildarten.

Landkreis - Der Landkreis-Süden hinkt dem Norden auf dem Weg zu zukunftssicheren Wäldern hinterher, kritisiert das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) Holzkirchen. Verantwortlich dafür seien zu wenige Abschüsse von Schalenwildarten. Während in den Jagdrevieren der drei nördlichen Hegegemeinschaften Holzkirchen, Mangfall-West und Mangfall-Ost „waldverträgliche Wildbestände“ zu wenig Wildverbiss führten und sich der Mischwald dort fast ungehindert entwickeln könne, sorge sich das AELF um die vielen Verbiss-Schäden in der im südlichen Landkreis liegenden Hochwild-Hegegemeinschaft Miesbach, sagt Stefan Kramer, Abteilungsleiter Forsten am AELF. Gemeinsam mit Behördenleiter Christian Webert fordert er nun mehr Wild-Abschüsse.

Christian Webert, Leiter des AELF Holzkirchen
Christian Webert, Leiter des AELF Holzkirchen © Thomas Plettenberg

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Grundlage der Kritik ist das alle drei Jahre vorgestellte Forstliche Gutachten des Freistaats, eine Art TÜV für Wälder. Ein wichtiges Kriterium für deren Zukunftsfähigkeit ist darin der Wildverbiss. Es bringe wenig, neue Arten wie Tanne und Eiche anzupflanzen, wenn die jungen Bäume von Rehwild, Rotwild und Gams weggefressen werden, erklärt Webert. Mischbäume müssten die nächste Generation erleben und überleben, und dafür müsse die Bejagung angepasst werden. Sonst bliebe trotz Anpflanzungen in einigen Jahren wieder ein überforderter reiner Fichtenwald.

Dass die Jäger im Süden nicht mehr Wild schießen, liegt teils an Schwierigkeiten des Gebiets, sagt Webert. Gebirgiges Gelände, viele Ausflügler, auch Rot- und Gamswild statt ausschließlich Rehwild wie im Norden – all das erschwere Jagd und Planung. Nur, die Rahmenbedingungen seien eben, wie sie seien. „Es muss trotzdem klappen“. betont Webert. Verbissschäden seien aber ein „Dauerthema“; Verbesserungen dauerten zu lange. Wollen die Waldeigentümer künftigen Generationen einen zukunftsfähigen Wald hinterlassen, müssten sie die Herausforderung gemeinsam mit den Jägern lösen – und zwar bald.

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Dies sei gerade im Süden wichtig, weil der Wald dort Häuser und Straßen vor Hochwasser, Steinschlag, Muren und Lawinen schütze, sagt Forst-Abteilungsleiter Kramer. Ohne Bäume seien die meisten Talräume unbesiedelbar. Gerade die Zukunft dieser wichtigen Wälder stehe nun infrage. „Insbesondere der starke Verbiss an den meisten Laubbaum-Arten sowie der Tanne, die als Pfahlwurzler der Stabilisierungsanker des Bergwaldes ist, führt zu einer Entmischung der Bergwälder“, weiß Kramer.

Die laut Webert „seit vielen Jahren gute Situation im Norden“ lässt ihn hoffen, dass der Süden seine Probleme lösen kann. Auch dass die Abschussplanung in manchen Süd-Revieren inzwischen bereits besser klappt, zeige, dass Jäger und Waldeigentümer gemeinsam die Situation verbessern können. „Wir können mit der Jagd einiges bewegen, damit die nächste Generation einen zukunftsfähigen Wald bekommt“, sagt Webert. Der Landkreis-Süden ist mit seinen Problemen derweil nicht allein. Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) bemängelte bei der Vorstellung des Forstlichen Gutachtens vergangene Woche im Landtag, dass rund die Hälfte von Bayerns Wäldern unter zu starkem Wildverbiss leide.

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