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Altmaier bei BILD im TV - „Merkel hat geschafft, dass man Deutschland liebt“

Nach 16 Jahren Kanzlerschaft tritt Angela Merkel (67, CDU) ab. Am Mittwoch soll ihr Nachfolger Olaf Scholz (63, SPD) offiziell zum Kanzler gewählt werden.

► Was bleibt von der Kanzlerin? Wie fällt das Merkel-Zeugnis aus?

Über diese Fragen diskutierte BILD-Moderator Kai Weise am Sonntagabend in „Die richtigen Fragen“ mit Noch-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (48, CDU), dem Merkel-Vertrauten und Noch-Wirtschaftsminister Peter Altmaier (63, CDU), Schauspielerin Uschi Glas (77), dem letzten DDR-Innenminister und Ex-CDU-Mann Peter-Michael Diestel (69) und dem langjährigen CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsident Edmund Stoiber (80).

Die Merkel-Kanzlerschaft bewerten die Gäste kontrovers: Altmaier sieht die Noch-Kanzlerin „in der Reihe der ganz Großen“: Willy Brandt, Konrad Adenauer, Helmut Kohl. Zustimmung von Julia Klöckner. CSU-Urgestein Stoiber ist skeptisch: „Ehrlicherweise kann man das heute nicht sagen.“ Merkel-Fan Uschi Glas nennt die Kanzlerin eine „tolle Frau“: „Und ich lasse sie mir von niemandem kleinreden.“

Peter-Michael Diestel, der letzte DDR-Innenminister kennt Merkel als stellvertretende DDR-Regierungssprecherin, war mit ihr gemeinsam Mitglied in der Deutschen Sozialen Union (DSU). Er nennt den Tag der Verabschiedung Merkels einen „Tag der Befreiung“, findet: „Es ist Zeit, dass andere Gesichter, andere Politik und andere Grundsätze wieder ins Auge gefasst werden.“

► Diestel bemängelt Merkels Umgang mit Ostdeutschland: „Wir haben eine fast vollständige Ausgrenzung ostdeutsche Menschen.“ Es seien viel zu wenig Ostdeutsche in wichtigen politischen Ämtern vertreten.

BILD-Moderator Kai Weise stellt die zentrale Frage: Was hat Merkel erreicht?

Klöckner: „Sie hat stabilisiert.“ Besonders in den verschiedenen Krisen ihrer Amtszeit habe es Merkel geschafft, Deutschland zusammenzuhalten.

Peter Altmaier geht noch einen Schritt weiter, ist überzeugt: „Sie hat geschafft, dass man man Deutschland liebt.“ Deutschland habe heute eine so hohe internationale Anerkennung wie nie zuvor in seiner Geschichte.

Uschi Glas lobt Merkels Umgang mit anderen, teils autoritären Staatsoberhäuptern: „Diese Diplomatin, all over the world, mit diesen verrückten Männern. Ich bin ihr sehr dankbar.“ Glas: „Sie hat die Buben in Schach gehalten.“

Stoiber über Merkels Politik: „Sie war immer sehr, sehr stark auf Konsens ausgerichtet, einzubinden, lange abzuwarten.“ Sie sei nicht immer vorangegangen, habe abgewartet, wie sich Meinungen entwickelten und dann entschieden.

Sie habe Deutschland gut durch verschiedene Krisen geführt, aber: „Es gab Momente, wo sie ganz anders war, als man sie eingeschätzt hat“, etwa „Fukushima, der schnelle Ausstieg aus der Kernenergie“ oder die Flüchtlingskrise, zu der man keine europäische Lösung gefunden habe.

Ein kritisches Fazit zieht Peter-Michael Diestel (69): Merkel hinterlasse ein „schwer gespaltenes Land, nicht nur durch die Corona-Frage, auch die Migration ist nach meinem Dafürhalten völlig dilettantisch umgesetzt.“

Eine Spaltung in der Gesellschaft stellen zwar auch Altmaier und Klöckner fest, doch Altmaier verweist auf noch größere Radikalisierungen in Frankreich, Italien und Großbritannien, Klöckner gibt sozialen Medien eine Mitschuld.

▶︎ Stoiber sagt, die Flüchtlingskrise habe Deutschland und Europa gespalten, macht Merkel mitverantwortlich für den Brexit: „Boris Johnson hätte den Brexit nie erreicht ohne die Bilder im deutschen Fernsehen, die er in England gezeigt, wo Hunderttausende nach Deutschland gekommen sind.“

Diestel sieht eine Linksverschiebung der CDU, die Merkel zu verantworten habe und mit der sie die AfD stark gemacht habe: „Wenn man Inhalte der Partei aufgibt und sie über Bord wirft, kann man anderen nicht vorwerfen, wenn die sie aufheben. Wenn es keine bürgerliche Politik mehr gibt, dann muss natürlich derjenige, der diese Partei geführt hat, dafür Verantwortung tragen.“

Uschi Glas entgegnet: „Das ist mir zu einfach. Man kann nicht sagen, das ist die Politik von Frau Merkel und deshalb sind die Leute so ausgeflippt.“

Zur Merkels Persönlichkeit sagt Diestel: „Ich habe eine stille, bescheidene, sehr, sehr ruhige Frau erlebt damals.“ Er nennt Merkel „starke Frau“ mit „unvorstellbarer Physis, ganz starker Psyche, hoher Intelligenz“.

Klöckner lobt Merkel für ihren ruhigen Charakter: „Je hitziger es wurde, umso ruhiger war sie. Es war nicht der Stil von Angela Merkel, auszurasten. Es ist ihr Stil, in der Sache dranzubleiben.“

Stoiber zieht den Zapfenstreich als Beispiel für Merkels Charakterzüge heran: „Sie war so wie sie immer ist, sehr zurückhaltend, nicht sehr stark emotional. Sie macht alles rational, lässt relativ wenig emotional zu.“ Merkel habe sich nie in den Vordergrund gedrängt, sondern stets „der Sache und dem Land dienen“ wollen.

Merkel-Vertrauter Altmaier: „Ich habe Angela Merkel nie laut erlebt, sie hat auch nie auf den Tisch gehauen.“

Altmaier verweist auf Merkels hohe Beliebtheitswerte: „Ich kann mich an keinen Bundeskanzler erinnern, der zum Ende seiner Amtszeit die Zustimmung von mehr als zwei Dritteln der Menschen in Deutschland hatte und auch während seiner Amtszeit hatte.“

Das Fazit von Schauspielerin Uschi Glas: „Wir vermissen sie heute vielleicht noch nicht, aber wir werden sie schwer vermissen.“