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Ärger um Skater in Sülz: Stadt Köln will Treffpunkt für Jugendliche nicht begrünen

Auf den Platz der Kinderrechte findet ein Bombenangriff statt. Das glauben die Kollegen von Stephan Nowotnicks Frau, wenn sie an einer Zoomkonferenz teilnimmt. So laut sind die knallenden Geräusche vor ihrer Haustür. Der Grund sind die Skateboardfahrer, die dort Sprünge üben. Der Bürger schilderte in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung Lindenthal das Lärmproblem: Der Platz sei zu einem Skaterparadies für nah und fern wohnende junge Menschen mutiert, so der Mann. Oft bleibe ihnen nur noch die Flucht in ein Hotel, um einmal in Ruhe Mails zu schreiben. Der soziale Frieden sei zerstört.

Nowotnick schilderte dramatische Szenen, berichtete von älteren Menschen, die weinend die Kinder beten, einmal mit dem Skaten aufzuhören, weil die Belastung für ihre Nerven zu groß wird. An den ausgehandelten Kompromiss, dort nur drei Stunden täglich ihre Skatebretter auszupacken und sonntags nicht, würden die Kinder und Jugendlichen sich nicht halten. Deswegen wünschte der Bürger sich eines: Dass die Politik ein Skateverbot auf dem Platz der Kinderrechte beschließt, und zwar gesichert durch bauliche Maßnahmen.

Bezirksvertretung will Platz entsiegeln

Nowotnicks Wunsch nach einer lärmmindernden Umgestaltung des Platzes wurde von vier Bürgern mit weiteren Einwendungen unterstützt – und von der Bezirkspolitik. Lothar Müller (Linke) ärgerte sich darüber, dass es so weit gekommen ist: „Die Verwaltung hat diesen Platz versiegelt“, sagte er, „wissend, welche Konsequenzen das hat. Wir haben sie schon öfters dringlich aufgefordert, diesen Zustand rückgängig zu machen.“ Die Bezirksvertretung beschloss daher einstimmig, das Areal zu entsiegeln und auf der als Skaterrampe benutzten Mauer Sitzangelegenheiten anzubringen – so wie es zwei Bürgerinnen mit ihren Einwendungen vorgeschlagen hatten. Ebenso war die Platzfläche auch ursprünglich einmal geplant.

In der gemeinsamen Entwurfsidee der Luczak- und der FSW Landschaftsarchitekten heißt es dazu: „Die Oberfläche des Platzes kann als vielseitig nutzbare ungebundene Decke ausgebildet werden, auf der sich Eiben und blühende Hortensien gruppieren, um dem Platzraum einen intimen Vorgartencharakter zu geben.“

Feuerwehr und Müllabfuhr spielen auch eine Rolle

Dennoch will die Stadtverwaltung den Platz der Kinderrechte nicht umgestalten: Die Pläne seien „in einem sehr intensiven Dialog mit den Planenden, den Anwohnerinnen und Anwohnern, der Politik und der Verwaltung entstanden“, so schreibt Stadtsprecher Robert Baumanns. Der Fokus habe auf einer „Durchgrünung“ des neuen Quartiers gelegen. Dabei sei aber berücksichtigt worden, dass Zufahrten für die Feuerwehr und die Müllabfuhr gewährleistet werden müssen und dass es sich um eine öffentliche Verkehrsfläche für Fußgänger und Fußgängerinnen sowie Radfahrer und Radfahrerinnen handelt. Das habe bei der Auswahl des Bodenmaterials eine große Rolle gespielt.

„Die Situation vor Ort ist das Ergebnis dieses partizipatorischen Prozesses und der Abwägung der beschriebenen sonstigen Vorgaben“, so Baumanns. „Die Verwaltung sieht deshalb keinen Spielraum für eine weitere Entsiegelung und den Austausch des Plattenbelages.“

Anwohnerin Kathy Ziegler widersprach der Darstellung: „Der von der Verwaltung genannte Dialog war undemokratisch“, betont sie. „Der Platz ist gegen unseren Wunsch versiegelt worden.“ Nun hätten die Anwohner mit den Folgen zu kämpfen: „Wir haben auf dem Platz eine starke Hitzeentwicklung“, so Ziegler. „An heißen Sommertagen kann man sich dort nicht aufhalten. Wir haben eine starke Lärmbelastung, weil der Schall zwischen den glatten Flächen immer wieder hin und her reflektiert wird. Sogar leise Gespräche sind bis in die obersten Stockwerke zu hören sind“, schilderte Ziegler.

Eine Entsiegelung der Fläche hat ihrer Ansicht nach vielerlei Vorteile: Sie würde einen Beitrag zur Klimaanpassung leisten. Auf der entsiegelten Fläche könnte also Starkregen/Regenwasser versickern, die Hitzeentwicklung würde stark reduziert. „Wenn man dann zusätzlich auf der entsiegelten Fläche Hecken und Laubbäume anpflanzt, kann das bis zu zehn Grad Hitze reduzieren“, führte die Bürgerin aus.

Mehr Insekten und Vögel

Die Entsiegelung und Bepflanzung hätten gleichzeitig auch den Vorteil, dass der Lärm absorbiert würde. Zudem würde die Biodiversität gefördert: „Wir würden mehr Pflanzenraum schaffen, der wiederum Lebensraum für Insekten ist, die wiederum Nahrungsquelle für Vögel sind“, so Ziegler. Es könnte ein Trittstein zwischen dem Beethovenpark und weiteren grünen Inseln im Stadtviertel sein.

Die Bezirkspolitik besteht darauf, dass ihr Beschluss umgesetzt und das Gelände entsiegelt wird: „Die Argumentation der Verwaltung ist nicht plausibel“, kritisiert Marliese Berthmann (CDU). „Der Platz kann so entsiegelt werden, dass Feuerwehr und andere problemlos Zugang haben. Lärmschutz ist ein sehr wichtiges Argument. Hier hat die Verwaltung unbedingt beweglich zu sein, und sich mit eigenen Vorstellungen dem berechtigten Wunsch der Bürger/Anwohner zu nähern.“ Auch Friedhelm Hilgers, Vorsitzender der SPD-Fraktion, pflichtet ihr bei: „Wir sollten hier nicht lockerlassen.“