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Arzt will Knöllchen nicht akzeptieren und rastet vor Gericht aus

Der Prozess war schon längst zu Ende, da zitterte die Mitarbeiterin des Recklinghäuser Ordnungsamtes noch immer. Erst als der Angeklagte in sein Auto gestiegen und abgefahren war, traute sie sich, das Amtsgericht in Recklinghausen zu verlassen. Dabei war sie selbst gar nicht betroffen.

Es war ihr Kollege, der im vergangenen Januar auf der Waldstraße in Recklinghausen einen Arzt aus Bochum geblitzt hatte. Der Angeklagte war mit Tempo 40 in einer 30er-Zone unterwegs und in die Radarfalle getappt. Wahrscheinlich hätte das Knöllchen nur ein paar Euro gekostet, doch darum ging es am Ende gar nicht mehr.

Sofort das Auto verschlossen

Der Arzt hatte direkt neben dem Radarwagen angehalten und soll den Ordnungsamtsmitarbeiter durch die geöffneten Seitenfenster beleidigt haben. Dann fummelte er angeblich sekundenlang im Handschuhfach herum. Und das blieb nicht ohne Wirkung.

„Als ich das gesehen habe, bekam ich es mit der Angst zu tun“, so der städtische Bedienstete bei seiner Zeugenaussage. „Ich habe sofort mein Fenster hochgemacht und den Wagen von innen verschlossen.“ Man wisse ja nie...

Wegfahren konnte er nach eigenen Angaben nicht. Der Angeklagte soll ihn zugeparkt und anschließend auf der Straße andere Autofahrer auf die Radarfalle aufmerksam gemacht haben.

Situation zu gefährlich

„Wegen der Beleidigung hätte ich gar keine Anzeige erstattet“, so der langjährige Mitarbeiter des Ordnungsamts am Freitag. „Das passiert ständig.“ Die Polizei habe er nur gerufen, weil er nicht wegfahren konnte und ihm die ganze Situation zu brenzlich geworden sei.

Der Angeklagte selbst hatte sowohl die angeklagte Beleidigung als auch die mutmaßliche Nötigung vehement bestritten. Und nicht nur das: Selbst im Gerichtssaal beschimpfte er den städtischen Bediensteten immer wieder aufs Neue. „Der Mann ist gefährlich“, sagte er der Richterin. „Der lügt. Der muss aus seinem Job entfernt werden.“ Er selbst sei unschuldig, habe nichts getan. „Ich bin hier, um mein Recht zu bekommen.“

Angst nach Prozessende

Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren ursprünglich ohne öffentlichen Prozess vom Tisch bekommen wollen und dem Angeklagten einen Strafbefehl über 1200 Euro (40 Tagessätze) schicken lassen. Weil der Bochumer jedoch Einspruch eingelegt hatte, war es am Donnerstag doch zum Prozess gekommen.

Erst als ihm bewusst wurde, dass die Chancen auf einen Freispruch verschwindend gering waren, akzeptierte er die 1200 Euro Strafe wegen Beleidigung doch noch.

„Der darf auf keinen Fall sehen, mit welchem Auto wir hier bin“, sagte die Ordnungsamts-Mitarbeiterin, die ihren Kollegen begleitet hatte, nach Prozessende. „Sonst verfolgt der uns noch.“

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