Germany

Autor Gunther Geltinger: „Jeder Ort in Köln kann literarisch interessant sein“

Köln -

Herr Geltinger, Köln spielt in ihren Werken wie „Mensch Engel“ oder „Benzin“ immer wieder eine Rolle. In Ihrer Erzählung „Brücke für R.“, die bei der Kölner Literaturnacht inszeniert wird, geht es um die Mülheimer Brücke. Warum gerade dieser Ort?

Gunther Geltinger: Der Text ist im Rahmen einer Anthologie entstanden, in der sich Autorinnen und Autoren schreibend verschiedenen Orten in NRW genähert haben – in meinem Fall war das die Mülheimer Brücke. Ich habe dabei semi-autofiktional gearbeitet: Ich lebe in Mülheim und der Rhein spielt in meiner Literatur immer wieder eine Rolle. „Brücke für R.“ ist ein Text über einen Menschen, der sich an diesem Ort das Leben nimmt. Es ist eine Mischung aus einem Nachruf und einem Ortsporträt.

Welche Orte in Köln haben das Potenzial, ein solcher literarischer Ort zu sein?

Geltinger: Jeder Ort, an dem sich das Leben ereignet, der den Menschen dazu bewegt, etwas zu schreiben, sind per se literarische Orte. Das kann ein Café, eine Brücke oder der Kölner Dom sein. Jeder Ort wäre damit interessant, wenn sich dort Erfahrungslinien und Erinnerungen kreuzen. In „Mensch Engel“ waren es meistens Orte am Rhein – ich habe eine literarische Passion für Wasser.

In „Benzin“ heißt es an einer Stelle: Ohne den Rhein wäre Köln ein provinzielles Loch. Ein literarischer Ort kann jedoch auch einer sein, den ich über die Literatur neu erfahre. Rolf-Dieter Brinkmann ist ein großes Idol von mir. Seitdem ich ihn gelesen habe, kann ich nicht mehr über die Engelbertstraße laufen, ohne an ihn zu denken.

Gibt es dann auch so etwas wie literarische Unorte?

Geltinger: Die interessanten Orte sind doch die Unorte. Die Mülheimer Brücke ist für viele Außenstehende sicher auch uninteressanter als die schönen Ecken in der Kölner Altstadt. Poetisch gedacht sind die Unorte aber viel attraktiver: sie sind hässlich, voller Widersprüche, haben etwas, das einen stört. Der Ebertplatz war zum Beispiel lange ein „Unort“ – und doch sind hier unfassbar viele Dinge ablesbar, die in der Gesellschaft und der Stadt passieren.

Die Kölner Literaturnacht findet nun im zweiten Jahr statt. Wie wichtig ist diese Veranstaltung für die Kölner Literaturszene?

Geltinger: In den vergangenen zehn Jahren ist in der Kölner Literaturszene viel passiert. Der Ruf, dass die Literatur in Köln stiefmütterlich behandelt wird, hinkt der Realität hinterher. Das Kölner Literaturhaus rund um Bettina Fischer ist sehr umtriebig, so wie kaum wo sonst. Der Verein Literaturszene Köln hat zudem eine Infrastruktur geschaffen, in der die Autorinnen und Autoren erstmals zusammen kommen – normalerweise arbeitet ja jeder eher für sich.

Die Literaturnacht ist die Veranstaltung, die präsentieren soll, was und wo in Köln geschrieben wird. Deshalb sind die Veranstaltungsorte auch so unterschiedlich. Es ist ziemlich einmalig, das hier versucht wird abzubilden, was in der Stadt literarisch passiert. Es ist mehr als ein Lesefestival.

Football news:

PSG sieht in Adeyemi einen Ersatz für Mbappé. Der 19-Jährige ist auch für Bayern, Real und Liverpool Interessant, Salzburg-Stürmer Karim Adeyemi hat die Aufmerksamkeit eines weiteren Top-Klubs auf sich gezogen
Tuchel über den Ligapokal: Jedes Turnier ist wichtig, wir priorisieren nicht. Chelsea spielt immer auf Sieg
Miranchuk sieht aus wie ein Fremdkörper. Es wäre besser, ihn zurück nach Russland zu lassen. Der italienische Journalist über den Mittelfeldspieler von Atalanta
Die Priorität von Barcelona ist die Ernennung von Klopp. Sein Vertrag beim FC Liverpool läuft noch bis 2024, Liverpool-Trainer Jürgen Klopp macht noch immer auf den FC Barcelona aufmerksam, der sich von Ronald Koeman trennen könnte
Milan ist bereit, das Gehalt von Theo um mehr als die Hälfte zu erhöhen — auf 3,5 Millionen Euro pro Jahr
Al-Sadd Javi hat 34 Spiele in der Qatar League nicht verloren - das ist Vereinsrekord. Liga-Rekord - 41 Spiele
Nagelsmann über Hernandez: Er hat gute Laune, kein Gefühl, dass er sich wegen des Gefängnisses Sorgen macht