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Bad Kissingen: Dachschaden beschert Hallenbad das Aus

Was sich schon länger abzeichnete, ist jetzt Gewissheit. Im städtischen Hallenbad wird nie mehr Badebetrieb einziehen. Maik Schmeller von der Bauverwaltung und Statikerin Tanja Tögel (Maßbach) stellten vor der Entscheidung des  Stadtrates dem Zustand des Daches ein vernichtendes Urteil aus.

Die Augen für den bedrohlichen Zustand des Gebäudes hatte eine Routineuntersuchung geöffnet. Weil in der Vergangenheit mehrfach Korrosionsschäden in der Decke auffielen, waren im Frühsommer erneut Bohrkerne aus der Decke gezogen worden. Ihre Untersuchung im Labor habe ergeben, "dass der Bauzustand als hochgradig risikobehaftet einzustufen ist", so Maik Schmeller.        

Chlor setzt der Statik zu

Auslöser ist nach Einschätzung der Chlorgehalt der Luft, der dem spröden Stahl in den Spannbetondecken zusetzte. Zuletzt habe sich der Zustand des Daches dramatisch verschlechtert.       

Es hätte komplett erneuert werden müssen, führte Schmeller aus. Doch auch eine Ertüchtigung der in die Jahre gekommen Tragwände wäre wohl erforderlich geworden. Den Aufwand dafür schätzte der Baufachmann auf 800 000 Euro. Plus weiterer unkalkulierbarer Kosten, die das Alter des Bades mit sich bringen würden.    

Hoffnung auf Neubau an der Therme

Alles in allem sei das Vorhaben auch im Blick auf den angepeilten Hallenbad-Neubau an der KisSalis-Therme nicht vertretbar. Zumal mit einer Wiederinbetriebnahme realistisch erst mit der Saison 2023/24 zu rechnen sei. 

Der Stadtrat schloss sich dieser Argumentation an. Das Bad soll nicht mehr geöffnet werden. Zugleich bekommt die Verwaltung den Auftrag, das Grundstück in die weitere städtebauliche Planung einzubeziehen. "Bei dem Grundstück handelt es sich um einen der wenigen Entwicklungsbereiche im Innenstadtgebiet", so Maik Schmeller. Die Bewerbung zur Landesgartenschau um das Jahr 2030 weist es "vertieftes Planungsgebiet" aus. Denkbar wäre hier auch ohne die Schau ein ökologisch orientiertes, nachhaltiges Wohnquartier. 

Oberbürgermeister Dirk Vogel zeigte Verständnis für die Trauer früherer Badegäste über das Aus der Schwimmgelegenheit. "Viele verbinden über Jahrzehnte Einiges mit dem Bad", sagte er.      

Terassenschwimmbad pausiert erst 2024 

Um die schwimmbadlose Zeit in der Stadt zu verkürzen, werde die Stadt die vorübergehende Betriebspause des Terrassenschwimmbades verschieben. Es sollte ursprünglich 2023 zur weiteren Sanierung dicht bleiben. Diese angepeilte Schließung erfolge nun erst im Jahr 2024.  Das sei zwischenzeitlich so mit den Gebern der Fördermittel abgestimmt.    

Gleichzeitig mahnte Vogel dazu, die Situation für Schwimmer in der Stadt nicht allzu pessimistisch zu sehen. Durch Unterstützung von Kliniken und dem Hotel Sonnenhügel gebe es inzwischen mehr Schwimmunterricht für Vereine und Grundschüler, als vorher mit dem Hallenbad.   

Perspektiven für neues Hallenbad unklar 

Schwieriger sei die Situation für die bisher täglich 40 bis 60 Hallenbadbesucher und die Lernenden an weiterführenden Schulen, räumte Vogel ein. Unklar sei, ob das neue Hallenbad bei allen Anstrengungen bis zum Jahr 2023/24 fertig werde.       

Erneut keimte im Stadtrat eine alte Diskussion auf: Ob zur weiteren Sanierung des Terrassenbades jetzt dann 2024 das ganze Bad geschlossen werden solle, oder der Nichtschwimmerbereich offen gehalten werden sollte, um über den Sommer eine Bademöglichkeit zu garantieren.     

Bauverzögerungen vermeiden

Davor warnte Christine Schwind von der Bauverwaltung. Dies könnte zu Problemen bei der Sicherheit, zu Bauverzögerungen und zur Unzufriedenheit bei Badegästen durch das geschmälerte Angebot führen. Unklarheiten drohten in diesem Fall zudem bei den Eintrittsgeldern.

Auch eine Verzögerung des Baufortschrittes um ein weiteres Jahr sei nicht ausgeschlossen, was dann eventuell die Fördergelder gefährde. Der Stadtrat solle bei der bereits beschlossenen kompletten Schließung bleiben. So sah es auch die Mehrheit. Es gab aber auch die Anregung, diesen Teil des Themas erst in zwei Jahren komplett auszudiskutieren.