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Baldwin schoss mit echter Waffe: Polizei findet wohl weitere scharfe Munition

Bei Dreharbeiten für einen Western erschießt US-Schauspieler Baldwin die Kamerafrau Hutchins. Wie es dazu kommt, versucht die Polizei zu ermitteln. Nun teilt sie neue Details mit: Die Ermittler finden am Set über 500 Kugeln und sprechen von einer "Mischung" aus scharfer Munition und Platzpatronen.

Die Waffe, die der Schauspieler Alec Baldwin am Set des Westerns "Rust" benutzt hat, enthielt nach Angaben der Polizei scharfe Munition. Dies gaben die Ermittler bei einer Pressekonferenz in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico bekannt. Das abgegebene Projektil konnte sichergestellt werden, sagte Sheriff Adan Mendoza. Es gebe Hinweise, dass sich noch mehr scharfe Munition am Set befand. Dazu seien aber weitere Untersuchungen in einem Waffenlabor nötig.

Der zuständige Sheriff Mendoza sagte, in dem Revolver vom Kaliber .45 habe sich offenbar eine echte Kugel befunden. Das abgegebene Projektil habe in der Schulter des verletzten Regisseurs Joel Souza gesteckt. Dasselbe Geschoss habe zuvor die Kamerafrau Halyna Hutchins getötet. In dem Revolver wurden nach Angaben des Sheriffs auch weitere Kugeln gefunden. Dabei handelte es sich aber vermutlich nicht um echte Kugeln. Unklar ist, wie scharfe Munition in den Revolver gelangen konnte.

Insgesamt hätten die Ermittler bei der Durchsuchung des Drehorts 600 Beweismittel-Stücke sichergestellt. Darunter hätten sich drei Waffen und rund 500 Kugeln befunden. Eine der Waffen wurden als ungefährlicher Plastikrevolver beschrieben. Die Munition sei eine "Mischung" aus Platzpatronen, Patronenattrappen und vermutlich auch echten Kugeln, wie Sheriff Mendoza sagte. "Wir werden feststellen, wie sie (die echten Kugeln) dort hingekommen sind, warum sie da waren, denn sie hätten nicht dort sein sollen."

Alle Beteiligten kooperieren mit der Polizei

Die Untersuchungen dauerten an, sagte Bezirksstaatsanwältin Mary Carmack-Altwies. Ein Strafverfahren gegen Baldwin wollte sie nicht ausschliessen. "Alle Optionen liegen derzeit auf dem Tisch", sagte Carmack-Altwies. Eine Entscheidung über eine mögliche Anklageerhebung werde aber erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, sagte Carmack-Altwies. Dies betreffe nicht nur Baldwin: "Zum jetzigen Zeitpunkt schließen wir niemanden aus", betonte die Staatsanwältin. Es sei jedoch zu früh, um über eine mögliche Anklage zu entscheiden. Alle Beteiligten, darunter Baldwin, würden mit der Polizei kooperieren.

Bei dem Vorfall während der Dreharbeiten auf einer Filmranch in New Mexico war am vorigen Donnerstag die 42 Jahre alte Chef-Kamerafrau Hutchins tödlich verletzt worden. Der Hauptdarsteller und Produzent Baldwin hatte die Waffe bei der Probe für eine Szene abgefeuert. Regisseur Souza wurde bei dem Zwischenfall an der Schulter verletzt. Der 48-Jährige konnte das Krankenhaus aber wenig später wieder verlassen.

Der Regieassistent, der Baldwin die Waffe übergab, sei 2019 wegen eines ähnlichen Vorfalls bei einem Film entlassen worden, berichteten zahlreiche US-Medien. Bei dem Dreh zu "Freedom's Path" sei damals ein Tontechnik-Mitarbeiter leicht verletzt worden, nachdem unerwartet eine Waffe am Set losgegangen sei, hieß es unter Berufung auf die Produktionsfirma des Films.

Kritik an der Waffenmeisterin

Kritik wurde nach Medienberichten auch an der 24 Jahre alten Waffenmeisterin laut, die für die ordnungsgemäße Handhabung aller Waffen am Set zuständig war. "Rust" war den Berichten zufolge erst der zweite Film, an dem sie in dieser Funktion beteiligt war. Vermutungen über laxe Sicherheitsvorkehrungen wurden auch von einem Bericht der Nachrichtenseite "The Wrap" gestützt, wonach einige Crewmitglieder in ihrer Freizeit angeblich scharfe Munition benutzten, um auf Bierdosen zu schießen. Die Quellen wurden nicht namentlich genannt.

Demnach hätte ein derartiges Zielschießen am Morgen, wenige Stunden vor dem tödlichen Vorfall am Set, stattgefunden, sagte "The Wrap"-Journalistin Sharon Waxman dem Sender CNN. Eine dieser Waffen sei später am Set an Baldwin weitergereicht worden. Filmwaffenexperte Steve Wolf sagte dem Sender dazu: "Sie haben keine Requisitenwaffen geladen, sie haben echte Waffen geladen und mit ihnen geschossen. Dann haben sie dieselben echten Waffen am Set als ihre Requisitenwaffen benutzt." Dies sei nach seiner Einschätzung das Problem gewesen.