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Bei dieser Karriere haben zu viele zu lange weggeschaut

Ein Mensch wächst in einem muslimischen Elternhaus auf. Er gerät in die Fänge einer streng konservativen Moschee. Immer und immer wieder wird ihm der Eindruck vermittelt, dass Israel ein illegitimes Land ist. Ein, zwei Mal geht er mit auf furchtbare Demonstrationen. Irgendwann aber wird er erwachsen, macht Karriere außerhalb seiner Welt. Er lernt dazu – und distanziert sich scharf. Er begreift, dass Extremismus und Demokratie nicht zusammenpassen. Und zeigt das auch.

Wer in seiner Jugend nicht auch mal politisch drastisch danebenlag, hat womöglich keine gehabt. Und manche junge Muslime sind viel stärker traditionellen Einflüssen ausgesetzt als viele Kinder, deren Vorfahren schon länger in Deutschland leben. Für Erstere kann es unendlich viel schwerer sein, sich freizuschwimmen. Was wäre also an einer solchen Geschichte auszusetzen? Nichts.

Gerade so liegt der Fall von Nemi El-Hassan aber nicht. Wie WELT AM SONNTAG in der aktuellen Ausgabe von diesem Wochenende recherchiert hat, waren ihre Demonstrationsbesuche („Israel ins Gas“) keine Einzelfälle der Vergangenheit, denn auch Social-Media-Postings, Videos, Texte und Freundeskreise aus jüngerer Zeit sind einschlägig.

El-Hassan gehört zu einer Gruppe, in der Karriere gemacht wird, weniger trotz einer wenig demokratiekompatiblen Einstellung, sondern mit oder sogar wegen dieser Einstellung. So muss es ihr zumindest vorgekommen sein. Was soll eine junge Frau denken, wenn sie zwei Jahre nach dem Besuch einer „Israel ins Gas“-Demo neben dem deutschen Innenminister auf einem Podium sitzt, der mit ihr „den radikalen Islamisten Kontra geben“ will – wie damals die „Morgenpost“ vermerkte?

Was sollen Menschen wie ihre Mitstreiter denken, wenn sie nach dem Terroranschlag von 2015 in Paris ein fragwürdiges Video ins Netz stellen – und keine Respektsperson kritisiert es? Im Gegenteil, sie werden weiterhin von ARD und ZDF beschäftigt. Wie kommt es, dass eine Frau, auf deren Veranstaltungen Israel dämonisiert wurde, aus der Hand des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz erhält? Ihnen allen wurde und wird signalisiert: Ist gut, was ihr macht.

Vorerst wird El-Hassan ihren neuen Job beim WDR-Wissenschaftsmagazin „Quarks“ nicht antreten. Das ist ein herber Schlag für eine junge aufstrebende Moderatorin. Und insofern schade, als dem Sender zur erstrebenswerten Diversität nicht nur dringend ein paar Konservative in der Redaktion fehlen, sondern auch Juden und Muslime. Dass die Situation so gekommen ist, ist nicht ausschließlich Nemi El-Hassans Schuld. Verantwortlich sind alle, die bei ihrer bisherigen Karriere beide Augen zugedrückt haben.

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