Übergriff beim „Klimastreik“ von „Fridays for Future“ am Freitag kurz vor der Bundestagswahl in Berlin. Ein bei Twitter kursierendes Video zeigt, wie ein Mann von der Seite eine Frau angreift, versucht, ihr ein Plakat abzuringen.

Darauf geschrieben: „Kernkraft gegen Klimawandel!“

Eine Forderung, die offenbar nicht bei jedem Klimaaktivisten gern gesehen ist. Der Mann greift der Frau von hinten an ihre Handgelenke, will ihr das Schild entreißen. Als die Aktivistin nicht loslässt, bringt er sie beinahe zu Boden.

Hintergrund: Zehntausende Menschen hatten sich am Freitag in ganz Deutschland, auch in Berlin, am globalen Klimastreik von „Fridays for Future“ beteiligt. Zwei Tage vor der Bundestagswahl forderte die Bewegung bei einem Demonstrationszug durch das Regierungsviertel von den Parteien, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten und den Ausstieg aus der Kohle bis 2030 umzusetzen. „Leere Worte“ müssten endlich in „konkrete Taten“ umgesetzt werden, um die Zukunft der kommenden Generationen zu schützen, hieß es.

Der Protest in Berlin wurde von der „Fridays for Future“-Gründerin und schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg und der deutschen Klimaaktivistin Luisa Neubauer angeführt.

BILD erfuhr: Bei der Angegriffenen handelt es sich um Atom-Aktivistin Britta Augustin (43) aus Gerbrunn bei Würzburg.

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Britta Augustin zu BILD: „Es war ein richtiger Mob. Aber ich bin unverletzt, habe nur einen Schrecken bekommen.“ Die Aktivistin schildert BILD die Situation: „Wir waren seit Stunden mit unseren Plakaten unterwegs.“ Motive seien unter anderem gewesen „Klimakrise? Kernkraft!“ oder „Kernkraft? Ja bitte!“ Sie sei von einigen anderen Demo-Teilnehmern ausgelacht worden für ihre Ansichten.

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► „Die Situation spitzte sich dann zu. Wir waren in der Nähe der Bühne, auf der Greta Thunberg sprach. Als Luisa Neubauer sprach, eskalierte die Situation, wahrscheinlich, weil in dem Moment gerade mehr Leute an die Bühne drängten. Es kamen Menschen auf uns zu mit anderen Schildern und wollten unsere Plakate verdecken. Wir sind denen ausgewichen, die kamen aber hinterher. Dann fingen mehrere Leute an, an unseren Plakaten zu reißen. Einer hat es dreimal versucht, kam immer wieder von hinten.“

► Augustin: „Es waren immer nur Einzelne, die gewalttätig wurden, aber der Mob hat gejohlt. Um uns rum schrien die Leute nur noch, es war keine Diskussion mehr möglich. Plötzlich gab es von hinten einen Ruck, ich hab‘ noch versucht, das Schild festzuhalten, aber der Mann griff danach und zerbrach es sofort.“

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Augustin ist Mitglied im Verein Nuklearia e.V., will den Klimawandel auch mit Atomkraft bekämpfen. „Das ist Teil der Lösung“, sagt sie. Alles andere sei unrealistisch. Sie sei durch ihre drei Kinder auf das Thema Klimaschutz und Atomkraft gekommen. „Meine Kinder finden es schlimm, dass die Eisbären bedroht sind. Ich wollte ihnen zeigen, dass man etwas tun kann. Seitdem gehen wir auch auf Demonstrationen.“

Augustin sagte, sie verstehe nicht, warum man „Co2 in die Luft bläst, statt auf beherrschbare Kernkraft zu setzen“. „Es wird unsere gesamte Lebensweise und Wirtschaftsordnung hinterfragt, aber die eigenen Vorurteile hinterfragt man nicht.“

Die Demo Fridays for Future zieht durch Berlin (Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP)
Mehrere tausend Teilnehmer kamen zur Fridays-for-Future-Demo in Berlin (Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP)

Das Video, das am Freitag bei Twitter rasch Verbreitung fand, habe der Verein gesichert, teilte der Vorsitzende Rainer Klute (60) BILD mit. Von einer Strafanzeige habe man bisher abgesehen. Wer der Angreifer ist – unklar. Auch ein weiterer Aktivist sei angegriffen worden, aber ebenfalls unverletzt.