Das BER-Desaster während der Herbstferien hat gezeigt: Auch wer pünktlich am Flughafen ist, kann den Flieger verpassen. Etwa, wenn die Warteschlangen am Check-in-Schalter oder am Security-Check so lang sind, dass man es gar nicht zum Gate schafft. Der Berliner Experte für Reiserecht Roosbeh Karimi erklärt, was Passagiere tun können.

Warum gibt es immer längere Schlangen an den Check-In-Schaltern?

Während früher noch für jeden Flug separate Check-in-Schalter geöffnet wurden, fertigen Airlines heute alle Passagiere an weniger Schaltern ab. Das spart Personal und Schaltermiete, kostet die Fluggäste aber deutlich mehr Zeit.

Wer haftet, wenn ich aufgrund von unverhältnismäßig langen Wartezeiten meinen Flug verpasse?

Es ist zu unterscheiden, an welcher Schlange es tatsächlich scheitert. Scheitert es an der Sicherheitskontrolle, wird es sehr schwer, eine konkrete Haftung zu begründen. Für die Sicherheitskontrolle ist die Bundespolizei zuständig; es handelt sich um eine hoheitliche Aufgabe. Für alle anderen Schlangen sind die Fluggesellschaften zuständig. Dauert der Check-In zu lange, kommt das einer unrechtmäßigen Nichtbeförderung gleich. Das ist gefestigte Rechtsprechung.

Also muss die Airline mir meine Tickets zurückerstatten?

Die Fluggesellschaften werden sicherlich in den kommenden Prozessen versuchen, sich mit dem vermeintlich unerwarteten Chaos am Flughafen zu entschuldigen. Ob das auch rechtlich greift, wird sich zeigen. Die besseren Chancen sehe ich eindeutig auf Seiten der Passagiere.

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Gibt es für Passagiere eine richtige Ankunftszeit, um sich abzusichern?

Eine feste Zeit gibt es in der Form nicht. Die Flughäfen selbst geben in der Regel eine Empfehlung ab. Beim BER aber lautet die offizielle Empfehlung zwei Stunden vor Abflug. (ber.berlin-airport.de/de/fliegen.html)

Nach dem Chaos am BER empfahl die Lufthansa, schon vier Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Ist es nicht unverhältnismäßig und eigentlich der Job der Airline, das Einchecken in regulären Zeiten hinzukriegen?

Zu der Frage wird man in rechtlicher Hinsicht vorzüglich streiten können. Jedenfalls aber sind vier Stunden absolut unverhältnismäßig und für Passagiere nicht hinnehmbar.

Welche Beweise sollte man ggf. sammeln? Schlange fotografieren?

Von vielen unterschätzt, doch ohne Beweise geht es prozessual nicht! Im Idealfall kann man die Ankunftszeit am Flughafen, die Ankunftszeit an der Schlange und die eigentliche Check-In-Zeit fotografisch nachweisen. Gut ist auch den Namen des kontaktierten Mitarbeiters benennen zu können, den man darauf hingewiesen hat, den Flug zu verpassen (und der einen doch nicht vorlässt). Je schöner man es dokumentiert, desto einfacher hat man es später vor Gericht.