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Brauereien mussten wegen Corona Bier wegschütten, aber jetzt brummt es wieder

Im Lockdown brachen Umsätze weg und Bier musste weggeschüttet werden. Jetzt geht es den Brauereien wieder besser, aber Sorgen bleiben.

Freising – Der erste Lockdown war ein Schock, der zweite eine noch größere Herausforderung: Die Freisinger Brauereien haben während der Pandemie gelitten. Umsätze gingen in den Keller, sogar Bier musste weggeschüttet werden. Doch das Hofbrauhaus Freising und die Staatsbrauerei Weihenstephan hätten auch gute Gründe, positiv in die Zukunft zu blicken – wenn nur Delta nicht wäre.

„Beim ersten Lockdown standen wir alle unter Schock, weil sich keiner vorstellen konnte, dass es zu solch drastischen Maßnahmen kommen könnte“, sagt Jürgen Charrois, Geschäftsführer des Hofbrauhaus Freising. Allerdings sei damals „schon“ nach zwei Monaten gelockert worden. „Der zweite Lockdown war noch brutaler.“ Charrois spricht von einer großen Herausforderung: Kurzarbeit, Darlehen und, und, und. „Wir haben uns ganz schön anstrengen müssen, um zu überleben. Ohne Unterstützung der Banken und der staatlichen Hilfen wäre es nicht möglich gewesen, das durchzustehen.“

Der Winter hat den Brauereien richtig wehgetan

Dass der Winter richtig wehtun könnte, hatte Josef Schrädler, Direktor der Staatsbrauerei Weihenstephan, geahnt. „Leider hat sich das bewahrheitet. Vor allem die ersten beiden Monate des Jahres waren für uns sehr schwierig.“ Die Skigebiete in Österreich und Südtirol, die in dieser Zeit einen Großteil des Umsatzes ausmachen, seien – im Gegensatz zu 2020 – komplett weggefallen.

Dass die Außengastronomie nicht früher starten durfte, versteht Charrois nicht. „Es gibt Studien, dass es im Freien so gut wie nicht zu Ansteckungen kommt.“ Da seien die Brauereien von der Politik aber überhaupt nicht gehört worden. „Nichts ist passiert, das war schlimm.“

Brauereien waren gezwungen, Bier wegzuschütten

Besonders verheerend: Im zweiten Lockdown waren die Brauereien gezwungen, überlagertes Bier wegschütten. „Wir mussten zwar zum Glück nicht im großen Stil Bier vernichten“, berichtet Charrois. „Aber 30 000 bis 35 000 Liter waren es schon.“ Dass es nicht mehr wurde, lag daran, dass das Hofbrauhaus die Fassbierabfüllung massiv zurückfuhr, nachdem sich im Oktober der zweite Lockdown angekündigt hatte.

„Wir haben die Kurve gekriegt – und wie!“ Josef Schrädler, Direktor der Staatsbrauerei Weihenstephan, ist glücklich über die Entwicklung seit dem Lockdown.

Die Staatsbrauerei musste vor allem Bier wegschütten, dass aus dem Ausland zurückkam. „Aber es hat sich extrem in Grenzen gehalten“, betont Schrädler.

„Wir haben die Kurve gekriegt - und wie!“

Auch der Export litt in der Pandemie. „Italien hat uns am meisten getroffen, weil wir hier den höchsten Absatz haben“, resümiert Charrois. Lichtblick: „USA und China haben sich relativ schnell Richtung Normalität bewegt.“ Insgesamt aber sei der Export-Anteil beim Hofbrauhaus von nicht mal zehn Prozent zu gering, um die immensen Einbrüche vor Ort abzufedern.

Deutlich mehr Gewicht hat der Außenhandel für Weihenstephan – mit einem Exportanteil von 60 Prozent. „Bis Februar war es richtig hart“, bestätigt Schrädler. „Danach haben wir die Kurve gekriegt – und wie!“ Im Vergleich zu 2020 verzeichne man ein hohes Plus im Export – egal, ob Israel, die Türkei, die USA, Asien oder jetzt auch Europa.“ Absoluter Top-Renner sei derzeit Russland. „Da geht es steil bergauf.“

Nachfrage ist gigantisch, aber es gibt logistische Probleme

Die Brauereien merken spürbar, dass es in vielen Ländern in wenigen Wochen von 0 auf 100 ging. „Die Nachfrage ist derzeit gigantisch“, betont Schrädler. „Aufgrund unserer jüngsten Investitionen, beispielsweise in unser Logistikzentrum, waren wir auf diesen Ansturm aber ganz gut vorbereitet.“ Klar, die Wartezeit verlängere sich ab und an mal, aber grundsätzlich sei Weihenstephan in der Lage, alle Anfragen zu bedienen.

Logistische Probleme, die auch den Getränkegroßhandel betreffen, gibt es vor allem im Bereich der Beschaffung, erklärt Charrois. „Das geht von den Europaletten über Kronkorken und Etiketten bis zu Grundstoffen für das Limo, wo es teilweise wochen- und monatelange Lieferschwierigkeiten gibt.“ Zudem seien die Preise extrem nach oben gegangen. Auch der gestiegene Holzpreis trifft die Brauereien.

Hofbrauhaus verzeichnet besten Sommer seit 15 Jahren - trotz Corona-Einschränkungen

Schrädler stellt klar: „Bier, das im Lockdown nicht verkauft wurde, wird jetzt nicht doppelt getrunken.“ Aber man merke schon, dass es die Leute nach draußen in die Wirtschaften und Biergärten ziehe. „Wir sind auf dem besten Weg, den starken Vorsommer zu toppen. Die Verluste wettzumachen, wird allerdings nicht gehen. Dafür waren sie zu groß.“

Charrois liegen noch keine Ergebnisse vor. Klar ist aber: „Es brummt.“ Nach dem Lockdown habe das Hofbrauhaus im Juni 2021 den besten Sommer seit 15 Jahren verzeichnet, und das trotz Corona-Einschränkungen und abgesagter Feste, die den Brauereien schmerzhaft fehlten. Der Umsatz könnte 2021 noch mal getoppt werden. „Ob wir das Jahr positiv abschließen, hängt von den Entwicklungen im Herbst ab“, stellt Jürgen Charrois klar. „Sollte es im Oktober oder November noch mal zu einem Lockdown kommen, wird es erneut ein Katastrophenjahr.“

Angst vor Delta: Sorgenfrei sind die Brauereien nicht

Der Impffortschritt stimmt Schrädler hoffnungsvoll, dass ein weiterer Lockdown nicht mehr nötig ist. „Natürlich kann niemand voraussehen, wie sich die Lage entwickeln wird, aber nach diesen anderthalb Jahren schadet es nicht, positiv in die Zukunft zu blicken“, findet er.

Auch Charrois freut sich über den bisherigen Sommer. „Sorgenfrei sind wir aber nicht. Die Nachrichten über die Verbreitung der Delta-Variante erschrecken mich zutiefst.“ Für volle Stadien bei der Fußball-EM oder beim Tennisturnier in Wimbledon hat er kein Verständnis, auch nicht für die Aufhebung von Reisewarnungen in Risikogebiete. „Für mich ist das nicht nachvollziehbar, wenn man bedenkt, wie viel noch zur Herdenimmunität fehlt. Ich bin kein Schwarzmaler, aber man kann nicht so dahinleben, als ob bereits alles überstanden wäre.“

Die Impfmüdigkeit schockiert Charrois: „Ich hatte Corona, war auch auf der Intensivstation und möchte nicht noch mal so krank werden. Wer das erlebt hat, muss nicht darüber nachdenken, ob er sich impfen lassen soll. Der macht es einfach.“

Neue Biersorten sorgen für Aufbruchstimmung

Das Moy-Bier hat sich zum Symbol für den Aufbruch beim Hofbrauhaus entwickelt: Nachdem während des ersten Lockdowns mit Hochdruck daran gearbeitet wurde, kam es im Oktober heraus. Zwei Monate später war es bereits die stärkste Marke im Haus. Geschäftsführer Jürgen Charrois hat in seinem Berufsleben schon viele Produkteinführungen miterlebt, nicht aber, dass ein neues Bier gleich auf den ersten Platz stürmt. „Das ist sensationell. Ich bin gottfroh, dass wir es eingeführt haben. Denn es war in schweren Zeiten ein Hoffnungsanker und hat für positive Stimmung im Betrieb gesorgt.“

Duplizität der Ereignisse: Auch die Staatsbrauerei brachte in der Pandemie ein Bier heraus: Im Mai, zu den ersten Lockerungen, wurde erstmals das neue Weihenstephaner Helle eingeführt. Eine Punktlandung, sagt Direktor Josef Schrädler: „Klar ist so eine Entscheidung immer mit einem Risiko verbunden, aber das Bier wird super angenommen.“ Um fit aus der Krise zu kommen, hat die Staatsbrauerei eine weitere Investition getätigt und eine neue Entalkoholisierungsanlage eingerichtet, um die steigende Nachfrage nach alkoholfreien Sorten zu bedienen und zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.

Brauereien krempeln die Ärmel hoch

Viel Geld hat auch das Hofbrauhaus in die Hand genommen: Für 1,4 Millionen Euro hat die Brauerei zwölf hochmoderne Lkw gekauft. Mit der neuen Flotte ließen sich pro Jahr 190 Tonnen CO2 einsparen, sagt Charrois. 400 000 Euro kostete der neue Bottle-Inspector, der pro Stunde 36 000 Leerflaschen auf Schäden überprüfen kann. 180 000 Euro wurde in das Brauwasser-Management investiert. Demnächst soll zudem die Lagerkapazität erweitert und eine PV-Anlage auf dem Dach installiert werden.

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