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Bundesbank-Chef hört auf: Der Rücktritt von Weidmann ist konsequent

Der angekündigte Rücktritt von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist gelungen und konsequent. Zehn Jahre lang kämpfte der Notenbanker für eine maßvolle Geld- und Schuldenpolitik. Für die Stabilität der Euro-Zone ist sein Weggang ein Verlust. Wie groß? Das zeigt sich, wenn die Nachfolge feststeht.

Hat Jens Weidmann die Hoffnung verloren, dass er für die geldpolitische Stabilität der Euro-Zone noch Großes erreichen kann? Es scheint so. Zu verdenken wäre es ihm nicht. Mehr als zehn Jahre gab er den Mahner. Er warnte immer wieder. Konsequent und klar, aber dennoch diplomatisch – so wie Notenbanker im Idealfall sind: Davor, klamme EU-Staaten mit Hilfe der Notenpresse zu lange bei Laune zu halten, vor Minuszinsen, vor einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden in Europa.

Die mahnenden Worte des 53-jährigen Volkswirts, der sich im Sachverständigenrat und danach als wirtschaftspolitischer Berater von Kanzlerin Angela Merkel hohen Respekt erwarb, verhallten mehrfach. Zu groß war der Gegenwind im mächtigen EZB-Rat, dem der Bundesbank-Präsident qua Amt angehört.

Vor gut zwei Jahren sah es so aus, als ob er den damals scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi beerben und die europäische Geldpolitik endlich nach seinen Überzeugungen gestalten könnte. Daraus wurde nichts. Am Ende machte die Französin Christine Lagarde das Rennen. Im Gegenzug durfte Ursula von der Leyen EU-Kommissionspräsidentin werden – ein politischer Kuhhandel eben. Weidmann wirkte unter Europas Notenbankchefs fortan erst recht isoliert. Aber immerhin wurde er gehört. Wurde.

Während sich Finanzpolitiker und Notenbanker beeilen, Weidmann für seine klare Haltung Respekt zu zollen, reibt man sich im politischen Berlin schon mal die Hände. Mitten in der Debatte, wer welchen Ministerposten der künftigen Bundesregierung bekommt, ist überraschend ein neuer Top-Job zu vergeben. Manche halten es für möglich, dass die frühere Wirtschaftsweise Isabell Schnabel aus dem EZB-Direktorium an die Bundesbankspitze wechseln könnte. Neben weiteren Kandidaten wird auch der bisherige Finanzstaatssekretär und Vertraute von Olaf Scholz, Jörg Kukies, als Weidmann-Nachfolger gehandelt.

Ist die Nachfolge geregelt, lässt sich ermessen, was der Abgang von Jens Weidmann für Europas Geldpolitik und die Interessen von Investoren und Sparern bedeutet. Egal wer es wird: Es wäre gut, wenn er oder sie sich die Weidmannschen Prinzipien zum Vorbild nimmt.