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Chipbranche: Verzweifelte Aufholjagd einer Schlüsselindustrie

Europa will sich nach jahrelangem Zögern daranmachen, in vielversprechenden Zukunftsbranchen dickere Bretter zu bohren: etwa in der Batterietechnik, bei Elektroautos, in der Quanten-, Nano- oder der Biotechnologie. Vor allem aber in der Halbleiterindustrie. Denn die globalen Engpässe in der Versorgung mit Prozessoren, Sensoren und Speicherchips haben nicht nur hiesige Autohersteller und Kunden aus dem Maschinenbau alarmiert, sondern auch die Politik.

Nachdem Brüssel die Branche 20 Jahre lang faktisch links liegen gelassen, den Untergang oder Verkauf europäischer Anbieter wie des Speicherchipherstellers Qimonda AG oder zuletzt des deutsch-britischen Chipdesignhauses Dialog Semiconductor als marktgegeben oder wettbewerbskonform hingenommen sowie den gleichzeitigen Aufstieg der staatlich subventionierten Anbieter aus Asien tatenlos mitangesehen hatte, kann es plötzlich nicht schnell genug gehen: Binnen einer Dekade will die EU nach den Worten von Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission, in ihrer „Rede zur Lage der EU“ ein „hochklassiges europäisches Chip-Ökosystem“ schaffen. Danach soll der Aufbau hiesiger Kapazitäten zur Fertigung forciert und der Chip-Marktanteil Europas von neun Prozent auf mindestens 20 Prozent des Branchenumsatzes gesteigert werden.

Die ehrgeizige Vorgabe käme einer Vervierfachung des aktuellen Umsatzes der Branche in Europa gleich – von 50 Milliarden auf 200 Milliarden Dollar. So wird die Halbleiterbranche über diese Dekade hinweg rasch wachsen. Dieses Jahr erlöst sie Prognosen zufolge erstmals mehr als 500 Milliarden Dollar. Im Jahr 2030 soll der Erlös doppelt so hoch sein. „Die globale Chipindustrie hat rund 70 Jahre gebraucht, um auf einen Jahresumsatz von einer halben Billion Dollar zu kommen; sie wird zehn Jahre brauchen, um es auf 1000 Milliarden Dollar zu schaffen“, sagte Thomas Caulfield, CEO des Chipfertigers GlobalFoundries während eines Kundentreffens vor wenigen Tagen.

Intel-Chef in Europa

Der Grund: Halbleiter sind gefragt und gesucht wie nie zuvor. Sind sie doch die Grundbausteine einer durchdigitalisierten Wirtschaft. Chips sind das Herzstück moderner Geräte, machen zudem Anlagen und sogar ganze Fabriken zu Computern, die nicht nur riesige Datenmengen verarbeiten, sondern auch hören, sehen und miteinander reden können.

Sich wie von Geisterhand durch den Straßenverkehr steuernde Autos, sich selbst justierende Maschinen oder die gesamte Industrie 4.0, bei der ohne menschliches Zutun Betriebe mit Betrieben kommunizieren, sind ohne Chips nicht mehr denkbar. Die Wirtschaft steckt mitten in einer technischen Revolution – und die darf nicht durch eine verschlafene Chipstrategie an Europa vorbeigehen. Daher rüstet Brüssel jetzt mit Hochdruck auf.

So hat der amerikanische Branchenprimus Intel bereits eine milliardenschwere Investition „auf dem Festland von Europa“ in Aussicht gestellt. Auch der taiwanische Auftragsfertiger TSMC soll Interesse an einer Fertigung in Europa haben. Bosch eröffnete in Dresden gerade eine Fabrik, Europas bislang größten Standort zur Chipproduktion. Infineon schloss soeben die Tore eines neuen Werks an seinem Standort im österreichischen Villach auf. Die Schweizer STMicroelectronics-Gruppe sowie die amerikanische GlobalFoundries stecken zudem weitere Milliarden in ihre bestehenden Werke in Europa.

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Vor diesem Hintergrund gehen nach China und Amerika nun auch die Europäer daran, staatlich geförderte Aufbauprogramme für ihre Chipindustrie aufzulegen. Aus gutem Grund: Europa teilte sich noch 1990 mit Japan und Amerika den gesamten Branchenkuchen auf, heute sind die Stücke deutlich kleiner geworden – ein Abstieg, der fast seinesgleichen sucht. Pat Gelsinger, CEO von Intel, fragte daher schon spöttisch: „Hat sich da mal irgendwer an entscheidender Stelle dafür ausgesprochen, diese Industrie in Europa abzuschaffen?“

Die Antwort lautet wohl: nein. Doch Anfang der 1990er-Jahre hatte der europäische Standort noch einen Marktanteil an der globalen Chipindustrie von 44 Prozent, heute sind es kaum 9 Prozent. Der Niedergang zeichnete sich langfristig ab. Er wurde angesichts des Desinteresses in der Politik und vieler Industriekunden von den führenden Köpfen der Branche vor 15 Jahren befürchtet und in zahlreichen Studien auch von unabhängigen Marktbeobachtern wie BCG oder der Fraunhofer-Gesellschaft beschrieben.

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