Germany
This article was added by the user . TheWorldNews is not responsible for the content of the platform.

Corona-Seuchenmanagement: Unvermögen und Unglück

Corona-Test bei einem Kind in Brüssel am 27. November Bild: Reuters

Nicht viel gelernt – darauf lassen sich fast alle Fehler im Seuchenmanagement wie im Verhalten vieler Einzelner zurückführen. Deutschland hat in diesem Winter brutal die Kontrolle über das Corona-Ausbruchsgeschehen verloren.

Zum Unvermögen kommt jetzt auch noch das Unglück dazu. Womit, werden sich die alte und die künftige Pandemieregierung bestimmt heimlich denken, hat Deutschland es nach den ersten Wellenbrecher-Erfolgen verdient, dermaßen brutal die Kontrolle über das Ausbruchsgeschehen zu verlieren wie in diesem Winter?

Nicht viel gelernt, darauf lassen sich fast alle Fehler im Seuchenmanagement wie im Verhalten vieler Einzelner zurückführen. Zu spät, zu langsam, zu inkonsequent und zuletzt einfach nur blind vor Wut aufeinander hat man reagiert – und die Augen verschlossen vor ein paar schlichten Wahrheiten.

Inkonsequenz und trügerische Ideen

Zu diesen Wahrheiten gehört die bittere Erkenntnis, dass die Pandemie auch nach dem ersten Silberstreif am Horizont jederzeit das Potential hat, wieder zu eskalieren. Der fast tatenlos hingenommene Einbruch in der Impfbereitschaft und das Aufschaukeln der Delta-Welle sind das Ergebnis solcher Inkonsequenz.

Das Gleiche mit der Inzidenz: Die Idee, Fallzahlen könnten keine Rolle mehr spielen in der Pandemie und es könnten sich quasi beliebig viele Menschen anstecken, wenn erst mal die Impfwelle greift, erweist sich nicht nur im Hinblick auf die Impfquoten als trügerisch.

Denn wer das Infektionsgeschehen mit hohen Fallzahlen am Kochen hält, riskiert auch bewusst die Massenfertigung von Mutationen im Körper der Infizierten – und damit die Eskalation. Die in Südafrika gefundene neue Variante, die doppelt so viele potentiell schädliche Mutationen enthält wie die ohnehin schon aggressive Delta-Variante, ist die Inkarnation dieses Fehlers. Noch ist die Gefährlichkeit der Variante nicht hinreichend durch Realwelt- und Labordaten belegt, deshalb muss jetzt keiner in Panik verfallen.

Dennoch war es nur richtig von einer Reihe von Staaten, das Worst-Case-Szenario anzunehmen und Flugbeschränkungen anzuordnen, um der Ausbreitung entgegenzutreten. Vermutlich ist die Variante ohnehin schon weiter verbreitet als erhofft. Allein die Maßnahme zählt und das Signal: Konsequent wachsam und vorsichtig bleiben, nur das zählt.