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„Das ist ja null wirtschaftlich“: Berglern will raus aus Pflegekrisendienst des Landkreises

Christine Kohlschütter (FWG) war von Beginn an skeptisch, was den Pflegekrisendienst angeht.

Gemeinderat

„Das ist ja null wirtschaftlich“: Berglern will raus aus Pflegekrisendienst des Landkreises

Kleiner Rückschlag für den Pflegekrisendienst des Landkreises Erding: Die Gemeinde Berglern wird ihre Mitgliedschaft kündigen.

Berglern - Bürgermeister Anton Scherer berichtete am Donnerstag in der Gemeinderatssitzung unter Berufung auf das Landratsamt von bislang 90 Einsätzen. Christine Kohlschütter (FWG), die Pflege-Expertin im Gremium, war schon vor einem Jahr kritisch gewesen, als die Entscheidung im zweiten Anlauf im Rat fiel, mit an Bord zu gehen. Sie hatte damals bereits Zweifel geäußert, ob das Geld überhaupt reichen würde. Der Kreis war mit 40 000 Euro eingestiegen, die übrigen 50 000 Euro sollten von den mitmachenden Kommunen kommen. 17 von 26 Gemeinden waren bislang an Bord.

Der Berglerner Rat war damals nur dadurch zu einer immerhin einstimmigen Zustimmung zu bewegen gewesen, dass dem Gremium eine Bewertung und Dokumentation darüber zugesagt wurde, wie oft der Dienst überhaupt gebraucht wird. Diese ersten noch nicht ganz vollständigen Zahlen liegen jetzt vor (wir berichteten). Kohlschütter senkte den Daumen: „90 Einsätze in neun Monaten, das ist ja null wirtschaftlich!“ Flugs hatte sie ausgerechnet, dass das kreisweit etwa zwei Einsätze pro Woche seien. „Und dazu eine Vollzeitkraft?“

Für Berglern kommt hinzu, dass keiner der Einsätze für Berglerner Bürger erforderlich war. Auch das hatte Scherer herausbekommen, was für die Gemeinderäte aber zweitrangig war, weil sich das ja noch ändern könnte. Ganz offiziell seien die Zahlen allerdings noch nicht, merkte Scherer unter dem Punkt „Verschiedenes“ an und stellte klar: „Wir werden uns da bald positionieren müssen.“ Das tat der Gemeinderat zu seiner Überraschung sofort. Markus Geier (FWG) war der erste, der das Thema „schwierig“ nannte und verlangte, die Option eines Ausstiegs vorsorglich zu ziehen, um nicht am Ende voll dabei zu sein. Das war allgemeiner Konsens im Gemeinderat.

Die Kosten waren bisher mit einem Euro pro Einwohner angegeben worden. Viele Räte wollten dem Pflegekrisendienst zugestehen, dass dieser nicht sofort voll anlaufen könne, zumal auch noch die Corona-Krise dazwischen gekommen sei, aber die von Scherer vorgelegten Zahlen wirkten wie eine kalte Dusche. Fragen, ob das ganze Projekt vielleicht nicht genug beworben worden sei, beantwortete Kohlschütter: „Es gibt in den Krankenhäusern einen Sozialdienst, und der weiß von diesem Angebot.“ Dieser Dienst vermittle auch die entsprechenden Leistungen, die mit den Pflegekassen abgerechnet werden können. Ob das Berglerner Beispiel in anderen Gemeinden Schule macht, muss sich noch zeigen.

KLAUS KUHN

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