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Das Wrack der Salem Express im Roten Meer lässt keinen Taucher ungerührt

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Foto: Mauritius

Innehalten in der Tiefe

Von LORENZ BECKHARDT

Foto: Mauritius

17. Oktober 2021 · Das Panorama-Riff ist eines der größten Naturerlebnisse im Roten Meer. Hier liegt auch die Salem Express, auf der Hunderte den Tod fanden. Darf man eine Grabstätte betauchen?

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ie Stille ist das Besondere. Das Schweigen unter Wasser, nur den eigenen Atem und das monotone Blubbern der Atemblasen zu hören. Das macht Tauchen zu einem meditativen Naturerlebnis. Kontemplation in Tiefblau. Doch es gibt Orte, die noch stiller als still sind und an denen das Schweigen noch anhält, wenn die Taucher längst wieder an der Wasseroberfläche sind. 

Als die Salem Express in der Nacht des 14. Dezember 1991 mit voller Kraft auf die Lichter der ägyptischen Hafenstadt Safaga am Roten Meer zuhielt, lag Kapitän Hassan Khalil Moro längst friedlich schlafend in seiner Kabine. Der 1. Offizier befolgte nicht zum ersten Mal die Anweisung seines Chefs, den vorgeschriebenen Umweg um das ausladende Panorama-Riff abzukürzen. Die Fähre kam aus Dschidda in Saudi-Arabien. Die Mehrheit der Passagiere waren Mekka-Pilger und ägyptische Gastarbeiter auf Heimaturlaub. Am nächsten Morgen sollte es weiter nach Sues gehen, und je früher man in Safaga ankam, umso mehr Schlaf würde die Mannschaft bekommen.

Darf man ein Massengrab betauchen? Ist es ethisch vertretbar, ein Wrack als Erlebnisort zu besuchen, in dem mehr als 700 Menschen den Tod fanden? Die unvollständigen Passagierlisten lassen gar befürchten, dass die Zahl der Opfer größer war. Viele Leichen sind noch immer nicht geborgen. Die Frage hat Ägypten lange beschäftigt. Und auch nachdem das Wrack von den ägyptischen Behörden zu einem öffentlich zugänglichen Friedhof erklärt wurde, obwohl der Islam keine Wasserbestattungen vorsieht, reißt die Debatte darüber in deutschen Taucherforen bis heute nicht ab. 

Die See war stürmisch mit bis zu drei Meter hohen Wellen. Um 23.13 Uhr erschütterte ein schwerer Schlag das Schiff. Binnen Sekunden neigte es sich nach steuerbord und begann zu sinken. Die Salem Express hatte einen Korallenblock gerammt, der Bug wurde aufgerissen, Wasser drang in das Autodeck ein. Panik brach aus. Um 23.24 Uhr war die Salem Express bereits komplett versunken. Wenig später legte sie sich seitwärts in 32 Metern Tiefe auf den sandigen Grund.

Heute ist die oben liegende Backbordseite mit prächtigen Korallen bewachsen, leuchtend orange Feuerkorallen, violette Griffel-, gelbe Hirn- und weiße Steinkorallen, in denen sich blaue Riesenmuscheln eingenistet haben, umschwärmt von Hunderten knallroten Fahnenbarschen, von blau gepunkteten Juwelen-Zackenbarschen, gelben Zitronen-Makrelen, grün-gelb-rosa-blauen Papageienfischen.

Keine Koralle, sondern ein Anglerfisch mit strahlend gelbem Auge. Der englische Name, frogfish, trifft es eher, denn er schnappt sich seine Beute.
Keine Koralle, sondern ein Anglerfisch mit strahlend gelbem Auge. Der englische Name, frogfish, trifft es eher, denn er schnappt sich seine Beute.

30 Jahre nach der Schiffskatastrophe hat das Rote Meer die Salem Express auf seine Art wiederbelebt. Durch die geöffnete hintere Ladeklappe taucht man ins Innere. Die Habseligkeiten der Passagiere liegen verstreut im Schein der Taucherlampen. Kleidung, Koffer, von Plünderern aufgerissen, Decken, Teppiche, Feuerlöscher, Fahrräder, ein Kinderwagen, ein Elektroherd, ein rotes Kofferradio. Das Autodeck im Bug darf aus Sicherheitsgründen nicht betaucht werden. 

  • Viele der Passagiere kehrten vom Haddsch zurück, jener Pilgerreise nach Mekka, die jeder volljährige, gesunde Muslim, der es sich leisten kann, einmal im Leben unternehmen soll. Mehr als 700 Menschen kamen ums Leben, vermutlich mehr, da die Passagierlisten unvollständig waren.
  • Viele der Passagiere kehrten vom Haddsch zurück, jener Pilgerreise nach Mekka, die jeder volljährige, gesunde Muslim, der es sich leisten kann, einmal im Leben unternehmen soll. Mehr als 700 Menschen kamen ums Leben, vermutlich mehr, da die Passagierlisten unvollständig waren.
  • Viele der Passagiere kehrten vom Haddsch zurück, jener Pilgerreise nach Mekka, die jeder volljährige, gesunde Muslim, der es sich leisten kann, einmal im Leben unternehmen soll. Mehr als 700 Menschen kamen ums Leben, vermutlich mehr, da die Passagierlisten unvollständig waren.
  • Viele der Passagiere kehrten vom Haddsch zurück, jener Pilgerreise nach Mekka, die jeder volljährige, gesunde Muslim, der es sich leisten kann, einmal im Leben unternehmen soll. Mehr als 700 Menschen kamen ums Leben, vermutlich mehr, da die Passagierlisten unvollständig waren.
  • Viele der Passagiere kehrten vom Haddsch zurück, jener Pilgerreise nach Mekka, die jeder volljährige, gesunde Muslim, der es sich leisten kann, einmal im Leben unternehmen soll. Mehr als 700 Menschen kamen ums Leben, vermutlich mehr, da die Passagierlisten unvollständig waren.

Die backbordseitigen Kabinen mit ihren rostigen Etagenbetten starren uns wie tote Augen an. Die Räume, aus denen man die Leichen nicht bergen konnte, wurden verschweißt.

Nach dem Besuch des Wracks haben die Taucher während einer einstündigen Oberflächenpause Zeit, das Erlebte zu verarbeiten, bevor der Grund für das Unglück betaucht wird: das ausladende Panorama-Riff gehört zu den üppigsten Naturerlebnissen des Roten Meeres.

Man taucht ab und lässt sich bei leichter Nord-Süd-Drift an bunten Hart- und Weichkorallen, an ausladenden weiß-rosa Gorgonien und kleinen Höhlen voller Glasfische vorbeitreiben. Muränen schnappen nach Luft, Kugel­fische flattern umher, Schildkröten knabbern ebenso wie die grün-gelb-weiß-blauen Riesendrückerfische an den Korallen, und wenn man den Atem anhält, hört man ihr Knabbern sogar. Wer den Blick weg vom Riff ins Blauwasser dreht, sieht Rochen und Riffhaie, manchmal gar einen großen schweren Napoleon-Lippfisch, und wer Riesenglück hat – wie wir –, bekommt Besuch von einem scheuen Fuchshai, mit seiner extrem ausschweifenden Schwanzflosse. 

Die Basis der Extra Divers in der Makadi Bay, 30 Kilometer südlich von Hurghada gelegen, gehört zu den ältesten deutschen Tauchbasen am Roten Meer, welches für Europäer wiederum die nächstgelegene Möglichkeit ist, in tropische Gewässer abzutauchen. Die Basis bietet neben den langen Touren auch Halbtagsausflüge zu Korallenriffen in der Bucht an. Vor den Riffen rund um Tubia Island liegen überall Blaupunktrochen im Sand, und an den Korallenblöcken, die bis kurz unter die Wasseroberfläche aufragen, hängen dutzende Rotfeuerfische. Als wir uns zufällig umdrehen, zieht eine laut kreischende Gruppe Delfine vorbei.

Aber man muss gar nicht in die Ferne schweifen: Im 300 Meter vom Strand entfernten Hausriff leben mindestens zwei Seepferdchen, eine Schildkröte, ein Krokodilsfisch, ein paar Riesenmuränen und jede Menge weitere Riffbewohner. Meeresbiologen haben mit Drahtgestellen künstliche Riffe angelegt, um der Klimakrise unter Wasser etwas entgegenzusetzen. 

Die gesunden Rotmeerkorallen sind global betrachtet eine Rarität, denn vor Australien und den Malediven sind die Riffe gleich quadratkilometerweit von Korallenbleiche betroffen, während sich, wie israelische Forscher jüngst erklärten, im nördlichen Teil des Roten Meeres widerstandsfähige Arten durchgesetzt hätten, die eines Tages die Keimzelle für eine Wiederbesiedlung im Indischen Ozean und im Pazifik sein könnten. 

Weg nach Ägypten

Einreise
Für die Einreise aus Deutschland ist ein negativer PCR-Test erforderlich, der nachweislich nicht älter als 72 Stunden sein darf, bei Einreise über den Flughafen Frankfurt nicht älter als 96 Stunden. Das Testergebnis muss in englischer oder arabischer Sprache vorgelegt werden. Alternativ kann ein Nachweis eines vollständigen Impfstatus vorgelegt werden. Der Impfnachweis muss den Regeln des Ausstellungslandes entsprechen und einen QR-Code enthalten. Ägypten ist derzeit als Hochrisikogebiet eingestuft, auch die Region Rotes Meer/Hurghada. ( auswaertiges-amt.de)

Anreise


Lufthansa und Condor fliegen mehrmals pro Woche in viereinhalb Stunden von Frankfurt nach Hurghada und zurück, ab etwa 400 Euro. Vom Flughafen bis zur Makadi Bay dauert der Transfer im Minibus 30 Minuten.

Tauchen


Wer das Hausriff betauchen will, trägt sich an der Tauchbasis in eine Liste ein, holt seine Gerätekiste aus dem Spind, stellt sie auf einen elektrischen Pick-up und spaziert über einen Holzsteg zur Riffkante, wo Ausrüstung und Pressluftflasche warten. Wer mag, bucht sich einen ortskundigen Tauchguide hinzu. In der Makadi Bay gibt es zahlreiche Hotels, wer fußläufig zur Tauchbasis der Extra Divers wohnen möchte, bucht das Cleopatra Resort Makadi Bay. Am besten, man verzichtet auf „all inclusive“. Das Hotelessen ist gut, aber der wahre Höhepunkt ist das Lunch auf dem Tauchboot. Jeden Mittag versetzt der Koch ein Dutzend Taucher mit seinem orientalischen Büfett in ein kulinarisches Koma. Sieben Übernachtungen im Cleopatra kosten im Oktober 2021 im Standardzimmer, Halbpension, inkl. Flughafentransfer und 10 Bootstauchgängen bei den Extra Divers z. B. beim Tauchreiseveranstalter Behind the Mask Travel 919 Euro. ( behind-the-mask.com , cleopatraluxurymakadi.com )

Text und Fotos: Lorenz Beckhardt