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Den Briten geht der Sprit aus

Erst blieben einzelne Supermarktregale leer, Restaurants waren zeitweise mangels Fleischlieferungen geschlossen. Jetzt bekommen in Großbritannien auch die Autofahrer die Probleme in den Lieferketten zu spüren. BP konnte eine Reihe von Tankstellen in den vergangenen Tagen nicht beliefern, weil Lkw-Fahrer fehlen, um die Fahrten durchzuführen.

„Wir erleben Schwierigkeiten bei der Lieferung an einige unserer Tankstellen in Großbritannien, unglücklicherweise mussten wir daher eine Reihe von Handelsflächen übergangsweise schließen, weil dort Benzin und Diesel fehlten“, sagte ein Sprecher des Mineralölkonzerns BP. Zur Begründung verwies er auf „den Mangel an Fahrern, der die gesamte Industrie betrifft“.

Von den 1200 Tankstellen im Land soll an bis zu 100 zwischenzeitlich zumindest eine Art von Treibstoff ausgegangen sein. Vor allem London und der Südosten Englands sind betroffen. Auch Exxon Mobil hat Probleme, eine Reihe von Esso-Stationen zu beliefern. Eine Reihe von Tankstellen, die der Lebensmittelhändler Tesco auf dem Gelände seiner großen Märkte betreibt, klagen über das gleiche Problem.

BP betonte, dass der Nachschub der Treibstoffe kein Problem darstelle und die Raffinerien gut gefüllt seien. Dennoch sei die Situation ernst, sagte Hanna Hofer, Chefin des BP-Retail-Geschäfts in Großbritannien, der „Daily Mail“. „Wir gehen davon aus, dass die nächsten Wochen wirklich, wirklich schwierig werden.“

Der Mangel an Lkw-Fahrern beschäftigt die britische Wirtschaft seit Wochen. Immer wieder stocken Lieferungen. Keine Milchshakes bei McDonalds, leere Wasserregale in den Supermärkten, geschlossene Restaurants, weil kein Hühnerfleisch geliefert wird - das waren einige der Probleme, die in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt haben.

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Rund 100.000 Fahrer fehlen, klagen Spediteure. Sie verweisen als Ursache unter anderem auf den Brexit. Fahrer können unter den neuen Zuwanderungs-Regeln kaum noch ins Land kommen, es ist vor allem auf akademische Berufe mit höheren Einkommen ausgerichtet.

„Himmel und Erde in Bewegung setzen, um sicherzustellen, dass der Engpass bei den LKW-Fahrern beseitigt wird“, versprach Verkehrsminister Grant Shapps am Freitag. „Ich schließe das nicht aus“, sagte er auf die Frage nach Kurzzeit-Visa für ausländische Fahrer. Darauf drängen Spediteure seit Wochen, um kurzfristig Erleichterung zu finden.

„99 Prozent weiße Männer“

Brexit und die Pandemie sehen viele Spediteure als einen der Auslöser für die Probleme. Fahrer aus EU-Staaten sind zu Beginn des Lockdowns in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Viele haben dort neue Jobs gefunden, andere können wegen der strengen Einreiseregeln nicht zurück.

Das sei aber längst nicht die einzige Schwierigkeit, erläuterte Ian Wright, Geschäftsführer des Branchenverbandes Food and Drink Federation. Viele Tausende Fahrer seien in den Online-Handel gewechselt. „Mit kleineren Transportern ausliefern, das ist ein angenehmerer Job, und besser bezahlt.“

Auch das Altersprofil der Fahrer spielt eine Rolle. Fahrer, die in den Ruhestand wechseln, nannten 59 Prozent der Befragten in einer aktuellen Umfrage des Speditionsverbandes Road Haulage Association als bedeutenden Auslöser der Krise. Fast genauso wichtig ist mit 58 Prozent der Austritt aus der EU. Er führt nicht nur dazu, dass weniger Beschäftigte ins Land kommen, sondern auch zu längeren Fahrzeiten wegen der aufwändigeren Grenzkontrollen. Zudem ist die Kabotage, die Möglichkeit für LKWs, Lieferungen in einem anderen Land durchzuführen, deutlich eingeschränkt.

Verkehrsminister Shapps verwies darauf, dass die Branche unter „systemischen Problemen“ leide, die angepackt werden müssten. 99 Prozent der Beschäftigten seien weiße Männer, das Durchschnittsalter liege über 55 Jahren, Arbeitsbedingungen und Löhne seien schlecht. Er wolle nicht, dass der Zuzug von Fahrern aus der EU weiter dazu führe, dass einheimische Fahrer aufgeben würden, weil andere bereit seien, für weniger Geld zu arbeiten. Jetzt sei dagegen bereits eine „schrittweise Verbesserung“ der Entlohnung zu sehen.

In der Branche sind dagegen viele überzeugt, dass zumindest übergangsweise Entlastung geschaffen werden müsse. Ohnehin ist der Ausblick getrübt. „Die Schwierigkeiten in den Lieferketten werden erst einmal schlimmer, bevor sie besser werden“, sagt Lebensmittelexperte Wright. „Und auch dann müssen wir uns an andere Zustände gewöhnen.“ Die Auswahl werde begrenzter sein, sowohl im Einzelhandel als auch in der Gastronomie. Die Verbraucher müssten sich darauf einstellen, dass nicht immer alles zu jeder Zeit verfügbar sei.

Zusätzlich müssen sie sich wohl auch auf höhere Preise einstellen. Neben den LKW-Fahrer ist Personal auch in der gesamten Lebensmittelverarbeitung knapp. Lohnerhöhungen, um Angestellte zu finden, werden auf die Waren durchschlagen. Hinzu kommt eine schon angekündigte Steigerung der Energiekosten, eine Folge der hohen Gaspreise.

Die Bank of England räumte am Donnerstag ein, dass die Preissteigerung länger andauern dürfte als bisher erwartet. Die Währungshüter sehen die Inflation jetzt bis Mitte kommenden Jahres bei Wert um vier Prozent.

Grundlegende Verschiebungen bei den wirtschaftlichen Herausforderungen für das Land bedeute das, sagte der frühere Arbeitsminister Damian Green. Die Lebenshaltungskosten hätten zuletzt in den 1970er und 1980er Jahren ein wichtiges politisches Thema dargestellt. „Jetzt ist das Thema zurück in den Vordergrund gerückt.“

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