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Der wüst entschlossene König von Polen

Am Ende stand er ganz allein vor seinen Anhängern, der König von Polen. Die Teamkollegen hatten am Spielfeldrand abgestoppt, doch Robert Lewandowski stieg über die Bande und lief über die blaue Tartanbahn im Stadion La Cartuja von Sevilla auf die Fankurve zu. Dort feierten sie so euphorisch, wie das bei 25-prozentiger Auslastung eben geht. Lewandowski grüßte mit erhobenen Daumen und ging noch eine halbe Ehrenrunde die Tartanbahn entlang zu einem anderen der verstreuten Grüppchen.

Nein, die Polen waren nicht Europameister durch dieses 1:1 bei Co-Gastgeber Spanien. Sie sind bislang nicht mal für das Achtelfinale qualifiziert. Aber sie wahrten in einem schwierigen Match bei einem EM-Gastgeber immerhin die Chance darauf. Und für Lewandowski, ihren Torschützen zum Ausgleichstreffer, war es sogar eine Art Katharsis.

Was war er nicht kritisiert worden nach seinem harmlosen Auftritt beim 1:2 gegen die Slowakei. In der Heimat, aber, er ist nun mal Weltfußballer, auch darüber hinaus wurden Statistiken gegenübergestellt: die Torrekorde mit den Bayern und nur zwei Treffer bei vier internationalen Endrunden mit seinem Land. Im Prinzip bekam er dasselbe zu hören wie sein Vorgänger Lionel Messi so oft mit Argentinien: dass er ohne seinen Klub nur die Hälfte wert sei. „Unsere Innenverteidiger werden ihn aufessen“, erlaubte sich der 20-jährige Spanier Ferran Torres zu orakeln. Ferran wer?

„Hat hier nicht dieselben Mitspieler wie bei Bayern“

Lewandowski wollte es allen zeigen, man spürte es von Beginn an. In der 19. Minute zog er bei einer Konterchance wie ein wilder Stier allein davon. Das Unterfangen, ein Laufduell mit Ball über den halben Platz, war von vornherein aussichtlos, er ist 32 und war noch nie ein Tempodribbler.

Eher schon ein guter Vorbereiter, aber nach seiner Flanke in der 35. Minute konnte Spaniens Torwart Unai Simon den Sturmkollegen Karol Swiderski gerade noch ausreichend stören. Der Keeper machte sich dann auch in der 43. Minute so breit, dass Lewandowski den Ball bei einer Nachschussgelegenheit nach einem Pfostentreffer von Swiderski nicht an seinem Körper vorbeibrachte. Seine Sehnsucht nach Erlösung wurde auf eine harte Probe gestellt.

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Polens Nationaltrainer Paulo Sousa, einst Champions-League-Sieger mit Lewandowskis Ex-Klub Borussia Dortmund, nannte später Beharrlichkeit als eine der größten Stärken seines Kapitäns. „Er versteht, dass er hier nicht dieselben Mitspieler hat wie bei Bayern.“

Aber er lässt sich eben trotzdem nicht gehen. Ohne der ultraemotionale Leadertyp zu sein, munterte er die Kollegen auf, klatschte sie ab. Vor allem verfolgte er jeden Ball mit wüster Entschlossenheit, und mit solcher stieg er auch in der 54. Minute zum Kopfball hoch. Er war robuster als der ihn eigentlich nah genug deckende Innenverteidiger Aymeric Laporte und verwandelte perfekt. Endlich, das Tor.

Robert Lewandowki bejubelt den Ausgleich gegen Spanien

Robert Lewandowki bejubelt den Ausgleich gegen Spanien

Quelle: AFP/DAVID RAMOS

Im Erfolg lassen sich seine Statistiken schon wieder ganz anders lesen. So sehr es auch bei Großereignissen manchmal hapern mag: Polen ist eben kein Favoritenteam. Dass es neuerdings bei solchen Anlässen überhaupt wieder mittut, ist natürlich Lewandowskis 67 Toren in 121 Länderspielen zu verdanken. Und dass es schon seinen Grund hat, warum er wie in der ersten Halbzeit bei seinem Sprint manchmal allein mit dem Kopf durch die Wand will, sah man eine Viertelstunde vor Schluss. Da legte er in ähnlicher Situation gut ab und zog in den Strafraum, aber anstatt den richtigen Moment für den Rückpass abzuwarten, spielte Przemyslaw Frankowski der spanischen Abwehr den Ball hektisch in die Beine.

Erster Turniertreffer seit 2016

Es war ein gerechtes Remis, mit Chancen auf beiden Seiten, der besten für die Spanier nach ihrem Führungstor von Álvaro Morata durch einen Elfmeter, den Gerard Moreno bei 1:1 an den Pfosten setzte. Und nein, aufgegessen wurde niemand. Am ehesten Laporte, den Lewandowski bis in die Nachspielzeit so giftig bearbeitete, dass er sich noch die Gelbe Karte abholte, aber damit wertvolle Zeit herausschlug.

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„Mir geht’s fantastisch, wegen des Tores, aber vor allem wegen unseres Spiels“, sagte Lewandowski nach seiner Rückkehr vom Kurvengang. „Entschlossenheit und Kampfgeist waren von der ersten Minute an da.“ Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Schweden am Mittwoch in Sankt Petersburg braucht es nun einen Sieg, umso besser also, dass die Zweifel mit seinem ersten Turniertreffer seit dem EM-Viertelfinale 2016 gegen Portugal vom Platz geschossen wurden. „Dieses Spiel hat uns viel gegeben“, so Lewandowski, und was für Polen gilt, das gilt allemal für ihn selbst.

Champions-League-Sieg im August, Weltfußballer im Dezember, Bundesliga-Saisontorrekord im Mai – in so einem Jahr konnte er die EM schlecht ohne Briefmarke lassen. Mit Polen den Titel zu gewinnen ist illusorisch. Aber er hat die Chance gewahrt, dass es so gut laufen kann, wie es von einer Mannschaft mit ihm erwartet wird.

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