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Deutschlandtag der JU: Bei Merz ist die Luft raus

Deutschlandtag der JU Bei Merz ist die Luft raus

Friedrich Merz galt mal als Heilsbringer für die CDU. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union zeigt sich: Diese Zeiten sind vorbei. Der Parteinachwuchs hat genug von "alten Bürsten".

Es gibt so Sprüche, die bleiben hängen. Das heißt aber nicht, dass der Spruch unbedingt gut ist. Friedrich Merz lieferte auf dem Deutschlandtag der Jungen Union so einen Satz: "Junge Besen kehren gut, aber die alte Bürste kennt die Ecken." Das interessante: Vor ein paar Jahren hätte selbst so ein doch ziemlich abgedroschenes Sprichwort noch für Ekstase gesorgt. Dieses Mal sorgt er eher für Konfusion und Unverständnis.

Es stimmt: Friedrich Merz galt mal als der alleinige Heilsbringer der CDU, als er nach vielen Jahren der Politikabstinenz 2018 sein Comeback startete. Der erfahrene, weise, rhetorisch begabte Politiker, der die CDU wieder in die "guten alten Zeiten" zurückkatapultieren kann: so dachten viele in der Union.

Selbst der Parteinachwuchs sah in Friedrich Merz bis vor Kurzem noch die Zukunft. Die Junge Union stellte sich hinter Merz - nicht hinter die jüngeren Kandidaten Laschet und Röttgen - als es um den CDU-Vorsitz am Anfang des Jahres ging. Dass die Junge Union Merz befürwortete, das scheint ein Paradox, doch Merz umgab lange eine gewisse Aura. Auf den Regionalkonferenzen der CDU im Jahr 2018 kündigte er an, dass man die AfD halbieren könne und die Union auch wieder Ergebnisse über 40 Prozent erzielen könne. Das blieb hängen.

Und Merz hofft ganz offenbar darauf, dass diese Aura noch ein bisschen hält. Das wird aber schwer. Auf dem Deutschlandtag der JU sprach Merz in seiner Rede u.a. über die Kölner Muezzin-Debatte, über die politische Haltung von Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und er bezeichnete seine Partei als "schweren Sanierungsfall". Doch zwischen Merz und dem Parteinachwuchs funkte es dieses Mal überhaupt nicht.

Während der Rede wird hinten im Saal lieber Bier getrunken und dem ehemaligen Politstar nicht zugehört. Merz merkt das, spricht es sogar an und empfiehlt dem Nachwuchs dann: besser in Zukunft 70 Prozent Arbeit und nur 30 Prozent Party.

Und zu allem Überfluss stellt dann ausgerechnet noch ein JU-Mitglied aus Bayern eine provokante Frage: Merz könne wunderbar Probleme beschreiben, aber Lösungen nenne er auch keine. Deutlicher hätte man Merz' derzeitige Lage nicht auf den Punkt bringen können.

Am Ende gibt es noch ein paar "coole" Sneaker für Friedrich Merz, dann wird der 65-Jährige verabschiedet. Der Applaus: sehr verhalten. In einem Interview mit ntv sagt JU-Chef Tilman Kuban dann: Merz könne sicherlich als "Berater und Unterstützer" fungieren, wenn es um die Zukunft geht. Ein wirklich klares Bekenntnis zu Merz ist das allerdings nicht. Der Parteinachwuchs hat verstanden: Dieses Mal wird Erneuerung nur mit wirklich jungen Köpfen gehen. Und bei Merz ist irgendwie die Luft raus.