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DFB-Krise: Der „Fall Keller“ kommt vor das Sportgericht

Der Machtkampf im Deutschen Fußball-Bund (DFB) setzt sich auch nach dem Misstrauensvotum der Landes- und Regionalverbände gegenüber DFB-Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius unvermindert fort. Er hat nun auch zu einer offenen Konfrontation zwischen Christian Seifert, dem Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), und dem umstrittenen DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch geführt. Wenige Wochen vor der Europameisterschaft präsentiert sich der deutsche Fußball – in der auf Funktionärsebene jeder gegen jeden kämpft und sich jeder selbst der nächste ist – in einem komplett zerrissenen Zustand.

Am Dienstagnachmittag forderte zunächst Seifert den Vizepräsidenten zu einer Stellungnahme auf, weil er sich irritiert zeigte über kursierende Gerüchte, wonach die DFL den DFB „strukturell zerschlagen“ wolle. Seifert will am Montag eine entsprechende Anfrage des „Spiegel“ mit einem Hinweis erhalten haben, wonach Koch diese Bedenken auf der Amateurvertreterkonferenz am Sonntag geäußert habe. Demnach hänge Seiferts für 2022 geplanter Abschied von der DFL mit einem Wechsel zu einer Private-Equity-Firma zusammen, die ins deutsche Fußballgeschäft einsteigen wolle. In Seiferts Schreiben an Koch, das auch den 36 deutschen Profiklubs zuging, und aus dem der „Kicker“ zitiert, heißt es demnach: „Ich würde Sie zunächst bitten, gegenüber der DFL Stellung zu beziehen, ob Sie sich entsprechend geäußert haben und falls ja, gegenüber wem.“

In der Folge dementiert Seifert die Gerüchte um entsprechende Pläne der DFL und von ihm selbst. Er empfiehlt stattdessen „allen derzeit in verantwortlicher Position im DFB handelnden Personen, die fortlaufenden und wiederkehrenden Unterstellungen in Richtung der DFL zu unterlassen. Die offenkundigen Probleme des dysfunktionalen Systems DFB löst man – wenn es Ihnen denn tatsächlich in erster Linie um die Mitarbeiter*innen des DFB und seiner Mitgliedsverbände geht – nicht durch den Aufbau imaginärer Feindbilder und abenteuerlicher Verschwörungstheorien, sondern durch seit Langem überfällige strukturelle und personelle Reformen.“

Die Antwort Kochs fällt nach Angaben des Sportinformationsdienstes in einem achtseitigen Brief, der wiederum der Nachrichtenagentur vorliegt, „nicht minder heftig aus“. Die Behauptung Seiferts der Informationsweitergabe, „mittlerweile bundesweit in allen Kanälen medial bestens gestreut“, sei „frei erfunden“, schreibt Koch demnach. „Ich werde mich weder durch verbale Ausfälle Ihrerseits mir gegenüber in Präsidiumssitzungen (nur zur Erinnerung: in der letzten Sitzung hat sich nicht nur Herr Keller mir gegenüber unsäglich verhalten, auch Ihr Verhalten gäbe eigentlich erheblichen Anlass zu einer Entschuldigung mir gegenüber) provozieren lassen, noch mich einschüchtern und von meinem Engagement für die Belange des Amateurfußballs abbringen lassen“, so Koch weiter: „Und schon gar nicht werde ich mich provozieren lassen durch falsche Behauptungen.“ Er habe nie gesagt, dass die „DFL den DFB zerschlagen wolle“. Das sei „nicht einmal ansatzweise so“.

Im Laufe des Tages hatte sich nach Informationen der F.A.Z. zunächst abgezeichnet, dass ein unmittelbarer Rücktritt von DFB-Präsident Keller mittlerweile als unwahrscheinlich gilt. Auch die Entscheidung der unabhängigen Ethikkommission des DFB, die am Montagabend entschieden hatte, dass der „Fall Keller“ nun vor dem Sportgericht des Verbandes verhandelt wird, führt demnach nicht zu einem schnellen Rückzug des Präsidenten.

Keller hat sich nach dem Misstrauensvotum der Amateurvertreter in Potsdam bisher nicht geäußert. Das wird in Kürze erwartet. Ebenso, dass der Präsident dann nicht darauf bestehen werde, bis zum Ende seiner Amtszeit an der DFB-Spitze zu bleiben. Seine Unterstützer sprechen sich unterdessen dafür aus, dass er sein Verfahren vor dem Sportgericht als Amtsinhaber ausfechten soll. Nicht zuletzt, um in der verbleibenden Zeit auch an umfassenden Veränderungen an der Spitze des Verbandes beteiligt bleiben zu können.

Mit dem Urteil des Sportgerichts wird noch in diesem Monat gerechnet. Keller muss sich dafür verantworten, dass er auf einer Präsidiumssitzung den Namen des Vorsitzenden des Reichsgerichtshofs, Freisler, mit Blick auf Vizepräsident Koch vor sich hin gesprochen hatte. Auf dieser Sitzung war die Äußerung Kellers allerdings kein Thema gewesen, weil seine Worte kaum zu hören gewesen sein sollen. Zwei Tage später schaltete Curtius die Ethikkommission ein. Die hatte am Montag auch über zwei Anträge gegen Curtius, dem die Amateurvertreter am Vortag ebenfalls das Misstrauen ausgesprochen hatten, beraten. Dabei geht es um die Umstände im Zuge der fristlosen Kündigung von Kellers Büroleiter sowie um die Weitergabe eines Schreibens von Keller an den Medienberater Kurt Diekmann. Die Ergebnisse seien „dem DFB als Arbeitgeber des Generalsekretärs zur Entscheidung vorgelegt“ worden.

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