Ob beim Tanken, beim Bäcker oder im Restaurant: Das Leben in Deutschland wird spürbar teurer. Und wenn im Frühjahr die Heizkostenabrechnung kommt, wird es wohl richtig teuer werden. B.Z. fragte die Berliner, wie sie die Kostenexplosion zu spüren bekommen.

Erstmals nach knapp 28 Jahren hat die Inflationsmarke die Vier-Prozent-Marke überschritten.

Mit Schuld an den steigenden Preise sind die wiederum gestiegenen Energiepreise! Im Vergleich zum September 2020 zogen sie um 14,3 Prozent an – und beeinflussen so alle möglichen Waren.

Für Lebensmittel zahlen wir jetzt 4,9 Prozent drauf. Die heftigsten Zahlen liefern allerdings Gas und Sprit. Wer mit Gas heizt, kann sich auf einen Zuschlag von bis zu 76,5 Prozent bei der nächsten Rechnung gefasst machen. An der Tankstelle zahlen wir durchschnittlich 28,4 Prozent mehr drauf als noch 2020.

Beim Tanken

Manfred Boris (72) aus Charlottenburg: „Wir schauen immer auf einer App nach, wo die Spritpreise gerade am günstigsten sind. Jetzt bin ich gerade extra hergekommen, um den Tank noch mal voll zu tanken – denn 1,56 sind für heutige Verhältnisse ja schon fast preiswert. Vor einem Jahr wäre ich da allerdings mit 15 Cent pro Liter günstiger weggekommen, das habe ich damals gezahlt. Deshalb habe ich jetzt noch mal die letzten 15 Liter vom Tank vollgemacht. Generell sind die Preise in den letzten Monaten heftig in die Höhe geschossen. Zu Hause heizen wir mit Gas, ich habe schon Angst vor der Rechnung vom kommenden Winter.“ 

Bei den Brötchen 

Jessica Bockholt (35) aus Spandau: „Täglich gehe ich nicht zum Bäcker, das ist mir einfach zu teuer. Doch heute geht es zu Verwandten, deshalb bringe ich Kuchen und Brötchen mit. Für fünf Brötchen habe ich gerade 1,70 Euro gezahlt. Schon echt happig in meinen Augen. Das sind ja knapp 35 Cent pro Schrippe.

Jessica Bockhold (Foto: Olaf Selchow)
Jessica Bockhold (Foto: Olaf Selchow)

Auch die paar Stücke Kuchen für 11 Euro waren echt nicht billig. Das kann ich mir nur noch für besondere Anlässe gönnen.“  

Beim Gemüse 

Valeria und Vane Danilov (33, 36) aus Kreuzberg: „Wir machen immer wöchentlich unseren Großeinkauf. Mittlerweile muss man sich da echt geschickt anstellen, um nicht zu viel Geld auszugeben. Die Preise schießen ja besonders beim Gemüse in die Höhe. Das habe ich zuletzt bei den Gurkenpreisen erlebt, so vor zwei Jahren. Auf einmal waren die fast doppelt so teuer.

Aleria und Vane (Foto: Olaf Selchow)
Aleria und Vane (Foto: Olaf Selchow)

Deshalb versuchen wir Gemüse besonders im Angebot zu kaufen, Lauchzwiebeln zum Beispiel. Ich denke, für unser Gemüse haben wir jetzt 15 Euro ausgegeben. Vor einem Jahr wären das noch zwei oder drei Euro weniger gewesen.“  

Beim Strom 

Ralf Hoff-Wittig (58) aus Lankwitz: „Ich bin Frührentner, mit meinen 970 Euro Rente komme ich kaum über die Runden. Am Ende des Monats liege ich weit unter dem Hartz-IV-Satz. Neben 560 Euro Miete zahle ich 70 Euro für Strom von Vattenfall und 50 Euro für Telefon und Handy. 290 Euro bleiben übrig. Ich mache abends nicht großartig das Licht an und lasse nur den Fernseher laufen, um Strom zu sparen.

Rolf Hoff-Wittig (Foto: Sven Meissner)
Rolf Hoff-Wittig (Foto: Sven Meissner)

Eigentlich kann ich Sozialhilfe beantragen, doch dann müsste ich ausziehen. Laut Amt sind meine 57 Quadratmeter zu viel. Wenn der Strompreis ansteigt, muss ich mich trotzdem ans Amt wenden. Und fliege aus meiner Wohnung. Oder ich esse gar nichts mehr.“ 

Beim Gas 

Andreas Kämpf (56), Inhaber der Imbiss-Kette Curry Paule: „Wir haben eine Preissteigerung bei der 33-Kilo-Flüssiggasflasche von 10 Prozent. Früher kostete sie 50, jetzt 55 Euro. Das war die erste Preissteigerung seit Jahren und laut meinem Lieferanten könnte schon bald eine zweite ähnliche folgen.

Andreas Kämpf (Foto: Sven Meissner)
Andreas Kämpf (Foto: Sven Meissner)

Und auch die Dieselpreise belasten unser Geschäft. Wir müssen die Ware ausliefern und mit dem Verkaufswagen zu Veranstaltungen fahren. Langfristig schlägt sich das alles in den Verkaufspreisen nieder, bislang versuche ich noch, die Steigerungen zu schlucken, was die Erträge minimiert.“