Knapp 1,5 Mio. Zuschauer konnten die deutschen Kinos für die letzte Woche zählen. Unangefochten auf Platz 1 bleibt natürlich der neue Bond „Keine Zeit zu sterben“, der es allein auf über 700.000 Besucher brachte.

Aber nun könnte es für 007 tatsächlich eng werden. Denn mit „Venom 2“ und „Halloween Kills“ starten zwei potentielle Kinokracher, die ebenfalls eine große Fanbase hinter sich haben. Beide Filme verlangen wegen ihrer Gewaltdarstellung aber starke Nerven. Wer es gefühlvoller mag, ist bei Clint Eastwoods „Cry Macho“ auf jeden Fall besser aufgehoben.

„Cry Macho“ – Clint Eastwood als verliebter alter Gockel

DIE STORY: Früher war Mike (Clint Eastwood) ein Rodeo-Star, heute muss er sich als Pferdezüchter über Wasser halten. Sein Ex-Boss Polk (Dwight Yoakam) bittet ihn, dessen Sohn aus Mexiko rauszuholen. Rafo (Eduardo Minett) ist 13 und auf die schiefe Bahn geraten. Mike ist jedoch nicht der einzige, der hinter dem Jungen her ist.

DER REGISSEUR: Mit 91 Jahren hat sich Clint Eastwood nochmals den Cowboyhut aufgesetzt, um vor und hinter der Kamera zu brillieren. Als Westernstar („Für eine Handvoll Dollar“) wurde er zum Star. 1971 wagte er sich erstmals in den Regiestuhl („Sadistico“) und gewann für „Erbarmungslos“ und „“Million Dollar Baby“ zwei Oscars.

DIE STARS: Dwight Yoakam ist in den USA ein erfolgreicher Country-Sänger, der hin und wieder in Kinofilmen („Panic Room“) auftritt. Eduardo Minett wurde 2006 in Mexico geboren und spielte schon in „Die Legende von Tomiris“ eine Hauptrolle.

B.Z.-WERTUNG: Eastwood verknüpft Roadmovie mit Spätwestern und findet dadurch zu einer ganz eigenen Erzählstruktur. Dabei mimt er noch einmal den Haudegen, auch wenn man ihm das mehr ganz abnehmen will. Als er sich auch noch in eine ältere Mexikanerin verliebt, wird’s sogar ein bisschen sentimental (104 Min., frei ab 12).

„Venom 2 – Let There Be Carnage“ – Ein außerirdisches Blutbad

Eddie Brock (Tom Hardy) trägt ein Monster in sich.... (Foto: picture alliance / Everett Collection)
Eddie Brock (Tom Hardy) trägt ein Monster in sich…. (Foto: picture alliance / Everett Collection)

DIE STORY: Nur wenige wissen, dass im Körper von Reporter Eddie Brock (Tom Hardy) das Alien Venom haust, mit dem er eine Synergie eingegangen ist. Als Serienkiller Cletus Kasady (Woody Harrelson) von Eddie interviewt werden will, hat das fatale Folgen. In Kasady wächst ebenfalls ein Alien heran, der mächtige Carnage.

DIE STARS: Schurkenrollen (“The Dark Knight Rises”) liegen Tom Hardy genauso wie Heldenrollen (“Mad Max: Fury Road”). Deshalb war er schon beim ersten Teil von „Venom“ (2018) eine Idealbesetzung. Woody Harrelson ist durch „Natural Born Killers“ berühmt geworden und war zuletzt als US-Admiral C.W. Nimitz in „Midway“ zu sehen.

DER REGISSEUR: Als Motion-Capture-Darsteller erweckte Andy Serkis Kultfiguren wie Gollum („Der Herr der Ringe“) und Kapitän Haddock („Tim & Struppi“) zum Leben. Bei „Der Hobbit“ war er Co-Regisseur. 2017 folgte sein Regiedebüt „Solange ich atme“.

B.Z.-WERTUNG: Als Spider-Mans Gegenspieler ist Venom in die Comic-Geschichte eingegangen und wurde so beliebt, dass er 2018 seinen eigenen Kinofilm bekam. Das war noch überraschend anders, die Fortsetzung bietet jedoch nicht mehr als viel Blut und Gemetzel, mit der die dünne Story übertüncht werden soll (97 Min., frei ab 16).

„Halloween Kills“ – Michael Myers ist nicht tot zu kriegen

Michael Myers (Nick Castle) lebt ...das Grauen geht weiter (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PR)
Michael Myers (Nick Castle) lebt …das Grauen geht weiter (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PR)

DIE STORY: Noch glaubt Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), dass Michael Myers (Nick Castle) den Feuertod gefunden hat. Doch der Massenmörder ist nicht tot zu kriegen. Noch einmal kehrt er in das Städtchen Haddonfield zurück, wo er einst geboren wurde. Die Bürger sind aufgebracht. Gemeinsam wollen sie Michael Myers endgültig töten.

DIE STARS: Bereits 1978 kreischte sich Jamie Lee Curtis in John Carpenters Kultfilm „Halloween“ die Kehle aus. Von den 12 Nachfolgern war die Scream-Queen sechsmal dabei. Mit Curtis ist auch Nick Castle zurückgekehrt, der Michael Myers schon 1978 verkörperte.

DER REGISSEUR: 2013 gewann David Gordon Green für „Prince Avalanche“ den Silbernen Berlinale-Bären. 2018 nahm er sich erstmals der „Halloween“-Horrorserie an und arbeitet gerade an dem wohl letzten Teil „Halloween Ends“, der 2022 folgt.

B.Z.-WERTUNG: Immer wieder wird Bezug auf das Original von 1978 genommen und Personen vorgestellt, die das erste Gemetzel von Michael Myers noch als Kind mitbekommen hatten. Ansonsten wird auf die möglichst fieseste Art weitergemordet, woraus aber nur noch wenig Spannung herauszuholen ist (106 Min., frei ab 18).

Der besondere Film: „The French Dispatch“

Bill Murray als Verleger in „The French Dispatch“ (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PR)
Bill Murray als Verleger in „The French Dispatch“ (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PR)

DIE STORY: 50 Jahre lang hat Arthur Horwitzer Jr. (Bill Murray) das Magazin ‚The French Dispatch‘ herausgebracht. Nun ist der US-Verleger im französischen Exil gestorben. Seine Mitarbeiter erinnern sich an die vier spektakulärsten Geschichten, die im Laufe der Jahrzehnte erschienen sind und für Furore sorgten.

DER REGISSEUR: Wie schon bei „Isle of Dogs“ und „Grand Budapest Hotel“ arbeitete Wes Anderson auch diesmal wieder mit dem Studio Babelsberg zusammen und bekam deutsche Fördergelder. Auf der Berlinale 2002 war er erstmals mit „The Royal Tennenbaums“ vertreten.

DIE STARS: Bill Murray war seit „Rushmore” in allen Anderson-Filmen dabei. Ebenso an Bord sind Stammdarsteller wie Tilda Swinton („Moonrise Kingdom“), Owen Wilson („Durchgeknallt“), Willem Dafoe („Die Tiefseetaucher“), Jason Schwartzman („Der fantastische Mr. Fox“) und Adrien Brody („Darjeeling Limited“). Für Léa Seydoux („Keine Zeit zu sterben“) ist es der zweite Film, Benicio Del Toro („Sicario“) und Christoph Waltz („Spectre“) sind neu.

B.Z.-WERTUNG: „The French Dispatch“ ist herrlich verschroben und wartet mit einer poetischen Bildersprache auf. Schön anzusehen – so kennt man es von Anderson. Dramaturgisch plätschert die in vier Episoden aufgeteilte Komödie jedoch eher vor sich hin dahin. Eine abgehobene Hommage an das US-Kultmagazin ‚The New Yorker‘, die nicht jeden in den Bann schlägt (108 Min., frei ab 12).

Kino für Kids: „Die Schule der magischen Tiere“

Leonard Conrads als Benni und Henrietta (die Schildkröte) (Foto: picture alliance/dpa/Leonine *)
Leonard Conrads als Benni und Henrietta (die Schildkröte) (Foto: picture alliance/dpa/Leonine *)

DIE STORY: Nach dem Umzug fühlt sich Ida (Emilia Maier) auf der neuen Schule verloren. Bennie (Leonard Conrads) ist ebenfalls ein Außenseiter. Von ihrer Lehrerin Mrs. Cornfield (Nadja Uhl) bekommen sie magische Tiere zugeteilt. Ida hat nun einen Fuchs zum Freund, der ihr bei der Überführung eines Diebes helfen wird.

DIE STARS: Die kinderfilmerprobten Erwachsenendarstellern Nadja Uhl („Timm Thaler“), Milan Peschel („TKKG“) und Justus von Dohnányi („Lassie“) überlassen das Spielfeld weitgehend den Erstlingen Emilia Maier und Leonard Conrads.

DER REGISSEUR: Sein Regiedebüt gab Gregor Schnitzler 2002 mit „Was tun, wenn’s brennt?“. Danach folgte die Literaturverfilmung „Soloalbum“ und der Katastrophenfilm „Die Wolke“.

B.Z.-WERTUNG: Nach der gleichnamigen Kinderbuchreihe von Margit Auer und Nina Dulleck ist ein Familienfilm nach Schema F entstanden, wie sie gerade zuhauf in Deutschland produziert werden. Nicht besonders originell umgesetzt wirkt das Ganze leider wie ein billiger Abklatsch von „Harry Potter“ (93 Min., frei ab 0).