Einst wummerten hier Bässe, Stroboskop-Lichter erhellten die Dunkelheit. Am 14. März 2020 war Schluss, die 226 Berliner Clubs wurden zwangsgeschlossen. Da begann die einsame Stille der legendären Berliner Nacht. Das neue Buch „Hush“ zeigt exklusive Einblicke in eine durch das Virus und die Corona-Maßnahmen bedrohte Subkultur.

Insgesamt 42 Elektroclubs haben Marie Staggat (34) und Timo Stein (38) von April 2020 bis Januar 2021 besucht, die Leere fotografiert, mit Mitarbeitern gesprochen.

Auf zwei Etagen wird in der Neuköllner Party-Boutique Sameheads für gewöhnlich gefeiert (Foto: Marie Staggat)
Auf zwei Etagen wird in der Neuköllner Party-Boutique Sameheads für gewöhnlich gefeiert (Foto: Marie Staggat)

„Es sind oft bewegende Schicksale, die hinter den Menschen stecken“, sagt Staggat. „Für viele steht nicht nur ihr Arbeitsplatz, sondern auch ein Zuhause auf dem Spiel.“

Leere Stühle auf der Terrasse. Der verlassene Club Paloma am Kottbusser Tor (Foto: Marie Staggat)
Leere Stühle auf der Terrasse. Der verlassene Club Paloma am Kottbusser Tor (Foto: Marie Staggat)

Eine der Protagonistinnen ist Alex von Hell (37). Mit 16 ging sie von zu Hause weg, war mit 21 Go-go-Tänzerin, besiegte mit 27 einen Hirntumor. Sie wurde Türsteherin im Suicide Circus auf dem RAW-Gelände.

Alex von Hell (37) ist steht eigentlich an der Tür vom Suicide Circus. Aktuell arbeitet sie in einem Supermarkt und auf einem Golfplatz in Brandenburg (Foto: Marie Staggat)
Alex von Hell (37) ist steht eigentlich an der Tür vom Suicide Circus. Aktuell arbeitet sie in einem Supermarkt und auf einem Golfplatz in Brandenburg (Foto: Marie Staggat)

Im Buch erzählt sie von vier Mitarbeitern, die vier Wochen nach dem ersten Lockdown Suizid begingen! „Die hatten vorher schon schwierige Lebensumstände und sind in ein depressives Loch gefallen“, so von Hell. „Der Club war der letzte Halt für sie.“

Schon als Jugendliche wollte Vica Riot (34) Türsteherin werden. Sie hofft, bald wieder am Eingang des Sisyphos zu stehen (Foto: Marie Staggat)
Schon als Jugendliche wollte Vica Riot (34) Türsteherin werden. Sie hofft, bald wieder am Eingang des Sisyphos zu stehen (Foto: Marie Staggat)

Mit ihrem Bildband, dessen Erlös den beteiligten Clubs zugutekommt, wollen Staggat und Stein ein Zeichen setzen. Die Schönebergerin: „Es wäre schön, wenn diese Orte von der Gesellschaft anders gewertschätzt würden.“

Im Pool vom Fetisch-Club KitKat hat lange keiner mehr gebadet. Aktuell werden die Räume als Corona-Schnelltestzentrum genutzt (Foto: Marie Staggat)
Im Pool vom Fetisch-Club KitKat hat lange keiner mehr gebadet. Aktuell werden die Räume als Corona-Schnelltestzentrum genutzt (Foto: Marie Staggat)

Sie betont: „Es sind nicht nur Orte, an denen man sich für eine Nacht abschießt. Für viele sind es sichere Räume, mit denen für sie ein Familie wegbricht.“

Cover von „Hush“ (Foto: Marie Staggat)
Cover von „Hush“ (Foto: Marie Staggat)