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Die Suche nach dem Leck: 35-jähriger Geophysiker auf der Durchreise in Köln

Köln -

Eigentlich müsste ich erstmal eine kleine Entschuldigung nach Perpignan senden, wohin Jonas Küster nach unserem Gespräch aufgebrochen ist. Hätte ich mir den 35-Jährigen nicht für diese Kaffee-Unterhaltung geangelt, wäre ihm während seines nur einstündigen Aufenthaltes in Köln wenigstens die Zeit geblieben, eine Sehenswürdigkeit aus der Nähe zu betrachten. Etwa die Basilika Groß St. Martin, deren Türme man vom Café „Il Barista“, wo wir unseren Cappuccino trinken, teilweise sogar sehen kann.

Küster war vor Jahren schon mal ein Wochenende in Köln, sagt er. Jetzt hat er bei seinem kurzen Spaziergang durch die Stadt gesehen, dass der „Dom ohne Gerüst“ dasteht. Ich wünschte, das könnte man vom gleichnamigen Hotel direkt nebenan auch sagen, denke ich, aber das ist ein Thema für sich.
Mein Gesprächspartner lebt, wie ich erfahre, in Berlin und arbeitet als Geophysiker für eine kleine Firma, die sowohl eine Niederlassung in Potsdam als auch im niederländischen Breda hat. Aktuell ist er auf dem Weg nach Brüssel, trifft dort seine aus Berlin anreisende Freundin und fliegt mit ihr gemeinsam zur Hochzeit einer Bekannten im südfranzösischen Perpignan. Sein Ein-Stunden-Aufenthalt am Rhein hat damit zu tun, dass er aufgrund einer Gleisstörung bei der Bahn auf einen anderen Zug als geplant ausweichen musste. 

Waldschwimmbad in Frankfurt: Fliesenboden war undicht

„Was macht man als Geophysiker?“, frage ich. Küster erzählt, er habe zuletzt das Waldschwimmbad in Frankfurt unter die Lupe genommen. Dort habe es in den Keller getropft, und seine Aufgabe sei gewesen, „mit einem elektrischen Verfahren das Leck zu orten“. Und? „Unter dem Fliesenboden im Saunabereich war was undicht.“ Küster berichtet, dass er für seinen Arbeitgeber in ganz Deutschland herumfahre, um zu helfen, „wenn jemand Wasser im Haus hat“. „Dann hatten Sie nach den Juli-Unwettern besonders viel zu tun?“, mutmaße ich. Mein Gegenüber schüttelt den Kopf. „Nee, erstmal nicht, das kommt vielleicht in den nächsten Jahren.“ Bei seiner Arbeit gehe es immer um die Außenhülle des Hauses und darum, die Schadstellen bei den Abdichtungen zu überprüfen und dort zu sanieren. „Wir kommen erst ins Spiel, wenn andere Bereiche ausgeschlossen sind, etwa defekte Rohrleitungen, Schäden von innen, Waschmaschinen.“ Vollgelaufene Keller hingegen seien eher nicht so sein Ding.

Ob das eine spannende Arbeit sei, will ich wissen. Durchaus. „Es ist immer eine andere Problemstellung.“ Und das sei herausfordernd. Er habe schon früh gewusst, dass er für seinen Beruf „nicht nur im Büro sitzen“ wolle, sagt der Mann, dessen grünes Sweatshirt perfekt zur Augenfarbe passt. Viele seiner Kollegen würden in die Forschung gehen, etwa ins Geoforschungszentrum in Potsdam. Er selber hätte sich bei seinem Studium auch mehr in Richtung Seismologie bewegen können, „aber Erdbebenanalysen haben mich nicht so gereizt“.

Der Geophysiker  ist froh, dass es inzwischen wieder möglich ist, „ein bisschen freier zu reisen“. Das Schlimmste in der Corona-Phase sei für ihn „das Arbeiten zuhause“ gewesen . Es gibt aber auch Dinge, die er bedauert. So befürchtet der 35-Jährige, dass positive Auswirkungen der Pandemie, wie etwa die Entschleunigung und die Tatsache, dass das Leben ein bisschen angehalten wurde, schnell wieder vergessen werden. „Man macht wieder alles so wie früher und kehrt in alte Verhaltensmuster zurück.“