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Diese Meisterschaft hat nicht nur einen faden Beigeschmack

Der FC Bayern ist zum neunten Mal in Folge Deutscher Fußball-Meister. Das ist eine enorme Leistung, eine solche Serie hat zuvor keine Mannschaft hingelegt.

An der Spitze ist die Bundesliga langweilig. Ein packender Wettbewerb sieht anders aus. Die Dominanz der Münchner ist in dieser Dimension ein Armutszeugnis für die Konkurrenz. Das kann den Bayern egal sein.

Für sie hat dieser Titel aus anderen Gründen einen faden Beigeschmack. Es war zum einen sportlich keine herausragende Saison, im DFB-Pokal schieden die Münchner bereits in der zweiten Runde gegen einen Zweitligaklub aus, in der Champions League wurden sie ihrem dauerhaften Anspruch, unter die Top vier Europas zu gehören, nicht gerecht. Im Viertelfinale war Schluss. Ein Titel – das ist beim FC Bayern quasi Minimum.

Schlimme Außendarstellung des Klubs

Nach einer vorherigen Spielzeit mit sechs Titeln ist das verschmerzbar, die Schwächephasen sind ob des engen Spielplans und der enormen Belastung in der Corona-Saison durchaus verständlich.

Schlimmer aber noch war die Außendarstellung des Klubs. Der Machtkampf zwischen Trainer Hans-Dieter „Hansi“ Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic war eines Weltvereins absolut unwürdig. Beide trugen ihren Teil dazu bei, dass die Differenzen öffentlich eskalierten.

Bundesliga - 1. FSV Mainz 05 v Bayern Munich

Vorstand Hasan Salihamidzic (r.) und Trainer Hansi Flick zofften sich öffentlich. Nach der Saison verlässt Flick den Klub

Quelle: Pool via REUTERS

Doch für viele Fans bleibt der Eindruck hängen: Der Klub hat einen Trainer vergrault, der beliebt und erfolgreich wie kaum ein anderer war. Flick verlässt den Verein nach nicht mal zwei Jahren, wird nach der EM wohl Bundestrainer.

Zur neuen Saison übernimmt in München Julian Nagelsmann, mit gerade einmal 33 Jahren seit Jahrzehnten der jüngste Bayern-Trainer. Es ist eine mutige und folgerichtige Personalentscheidung.

Rummenigge zieht sich zurück

Die neue Führungsgeneration um Oliver Kahn und Salihamidzic steht nach dem Zoff mit Flick nun besonders im Fokus. Die beiden müssen die Kompetenzen jetzt ganz klar abstecken, gerade in Sachen Transferplanungen muss es künftig mehr Einigkeit oder zumindest bessere Kommunikation geben.

Zum Jahresende zieht sich Klubchef Karl-Heinz Rummenigge zurück und übergibt an Kahn. Auch die finanzstarken Bayern leiden unter der Pandemie, sie müssen clever einkaufen und Talente fördern. Die Verteidigung des Meistertitels dürfte nicht einfach werden, es steht ein Umbruch an: David Alaba, Jérôme Boateng und Javi Martinez verlassen den Meister.

Die Bayern erwarten von Nagelsmann, dass er gestaltet, ein neues Team formt. Umgekehrt darf Nagelsmann erwarten, dass er intern die volle Rückendeckung hat. Und in Ruhe arbeiten kann, zumindest so ruhig wie möglich es in diesem immer von allen Seiten beleuchteten Klub voller Stars und Eitelkeiten generell überhaupt möglich ist.

Der FC Bayern steht vor großen Veränderungen. Er wird jünger und moderner. Flick geht, und es bleibt die Erkenntnis, dass Menschenführung, Empathie, Vertrauen und Verlässlichkeit sein Verhältnis zur Mannschaft geprägt haben. Dass er der perfekte Trainer für eine schwierige Phase des Klubs war.

Die Spieler werden ihn vermissen. Flick hat Geschichte geschrieben. Wie unter jedem Trainer wird er Klub sich auch unter Nagelsmann vor allem am internationalen Erfolg messen. Damit die zehnte Meisterschaft in Folge und die nächsten Titel folgen, müssen sie an der Säbener Straße vor allem ein Vorhaben umsetzen: weniger Ego, mehr Teamwork.

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