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Diese Schlacht genügte, um Friedrich den Großen unsterblich zu machen

Das Urteil, das Napoleon I. über den Tag von Leuthen fällte, gilt wohl bis heute: „Diese Schlacht ist ein Meisterstück an Bewegungen, Manövern und Entschlossenheit; sie allein würde genügen, Friedrich (den Großen; d. Red.) unsterblich zu machen und ihn in die Reihe der größten Generale zu stellen. Sie offenbart im höchsten Grade seine moralischen sowohl als militärischen Eigenschaften.“

Das Lob ist umso erstaunlicher, weil der Schlacht, die am 5. Dezember 1757 westlich von Breslau zwischen Preußen und Österreichern geschlagen wurde, strategisch eine ungleich geringere Bedeutung zukommt als dem Sieg, der dem Preußenkönig einen Monat zuvor bei Roßbach über Franzosen und das Reichsheer gelang. Denn dort, unweit von Naumburg, konnte Friedrich seine Westfront entscheidend sichern; von da an reichte es aus, dass die mit ihm Verbündeten Engländer, Hannoveraner und Hessen unter Ferdinand von Braunschweig die Gegner in Schach halten.

Schlacht bei Leuthen 1757 / Kampf Siebenjaehriger Krieg 1756-63: Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember 1757 - "Nun danket alle Gott! Der Choral nach der Schlacht bei Leuthen". - Holzstich nach Gemaelde, 1886, von Arthur Kampf (1864-195). Aus: A.Baer u.a., Bil- dersaal Deutscher Geschichte, Stuttart Berlin Leipzig, 1890.

Friedrich der Große (1712–1786) vor der Schlacht von Leuthen

Quelle: picture-alliance / akg-images

Friedrichs Sieg bei Leuthen bedeutete dagegen zunächst nur, dass die Österreicher ihre Winterquartiere in Böhmen suchen mussten, während die Russen jederzeit in Ostpreußen und die Schweden in Pommern einfallen konnten. Der Siebenjährige Krieg sollte sich noch fünf Jahre weiter schleppen.

Nach dem Erfolg bei Roßbach am 5. November hatte Friedrich sein Heer in Eilmärschen über 300 Kilometer nach Schlesien geführt, wo der Bruder des Kaisers, Karl von Lothringen, trotz der schlechten Jahreszeit in die Offensive ging. Am 12. November nahm er die wichtige Festung Schweidnitz, am 24. zog er in Breslau ein. „Man musste die Österreicher um jeden Preis unverzüglich angreifen und aus Schlesien hinauswerfen oder sich für immer in den Verlust der Provinz fügen“, begründete der Hohenzoller den Kraftakt. Außerdem brauchte er die Ressourcen Schlesiens, das er zuvor in zwei Kriegen der Kaiserin Maria Theresia entwunden hatte, um den Siebenjährigen Krieg fortsetzen zu können.

Prinz Karl Alexander von Lothringen, 1743, nach Martin van Meytens

Prinz Karl Alexander von Lothringen (1712–1780), Schwager der Kaiserin Maria Theresia und österreichischer Feldmarschall

Quelle: Wikipedia/Public Domain

Ende November stand er mit 35.000 Mann 15 Kilometer westlich der schlesischen Hauptstadt, wo er sich mit den Trümmern seiner dortigen Garnisonen vereinigte. Prinz Karl verfügte über 66.000 Soldaten, deren Moral zudem durch den vorangegangenen Siegeszug gut war. So ging man im österreichischen Hauptquartier davon aus, dass eine Machtdemonstration genügen würde, um Friedrich zum Rückzug zu bewegen. Also bezogen Karls Truppen eine feste Stellung bei Leuthen, die mit einer Breite von mehreren Kilometern den Preußen ihre Übermacht vor Augen führen sollte.

Drei Zufälle kamen Friedrich zu Hilfe. Zum einen fiel ihm die österreichische Feldküche in Neumarkt unversehrt in die Hände, was nicht nur die Versorgung seiner Soldaten verbesserte, sondern auch ihren Optimismus. Zum Zweiten kannten der Preußenkönig und viele seiner Offiziere das Gelände aus Manövern, die noch im Frieden in der Gegend abgehalten worden waren. Und drittens schätzte der König den Gegner zunächst als deutlich schwächer ein, als er tatsächlich war.

Erst am Tag vor der Schlacht erkannte Friedrich seinen Fehler. Am Abend schwor er seine Kommandeure in einer berühmten Ansprache ein: „Ich werde gegen alle Regeln der Kunst die beinahe dreimal stärkere Armee des Prinzen Karl angreifen, wo ich sie finde! ... Ich muss diesen Schritt wagen, oder es ist alles verloren!“ Sein Angebot an Zauderer, jetzt ihren Abschied zu nehmen, quittierte ein Anwesender mit den Worten: „Das müsste ja ein infamer Hundsfott sein!“ Mit diesem moralischen Rüstzeug zogen die Preußen in die Schlacht.

Da die Österreicher davon ausgingen, dass der Gegner sie von Westen aus angreifen würde, hatten sie das Gros ihrer Truppen dort in Stellung gebracht. Friedrich trug jedoch nur einen Scheinangriff vor. Die Mehrzahl seiner Leute aber führte er – gedeckt in einer Senke – über zwei Kilometer nach Süden. Dank der außerordentlichen Disziplin konnten die Preußen dort ihre Linien bilden, bevor Karl das Manöver erkannte. Damit gewann Friedrich gegenüber dem linken Flügel der Österreicher eine zahlenmäßige Übermacht.

Er tat noch mehr. Nach antikem Vorbild verstärkte er seine rechte Flanke noch einmal. Ab ein Uhr ließ er seine dicht gestaffelten Bataillone gegen die ausgedünnten und durch die Überraschung geschockten Linien der Österreicher anrennen. Ein Gegenangriff österreichischer Kavallerie weiter im Norden wurde von den Preußen abgefangen. Karl blieb nichts anderes übrig, als seinen Truppen den Rückzug zu befehlen, auf dem sie durch das heftige Nachsetzen der Preußen weitere Verluste hinnehmen müssten. Jene verloren 22.000 Mann, die Hälfte davon Gefangene sowie fast die gesamte Artillerie, während Friedrichs Verluste sich auf 6500 beliefen.

In Wien breiteten sich Trauer, ja Panik aus. „Die Kaiserin (Maria Theresia; d. Red.) thate nichts als weinen und war fast nicht zu trösten“, berichtete ein Augenzeuge, während der militärische Ruhm Friedrichs seinen Höhepunkt erreichte. Nicht zuletzt der enorme Respekt davor sollte die Aktionen seiner Gegner von da an behindern. Die Überzeugung, dass ein Sieg auch unter denkbar schlechten Voraussetzungen möglich sei, wenn nur Disziplin und Angriffsgeist stimmen würden, wurde zu einem zentralen Credo preußischer Mentalität, das noch in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts beschworen werden sollte.

Siebenjähriger Krieg 1756–63: Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember 1757 – “Der Choral am Abend der Schlacht bei Leuthen”. (Sieg der Preußen unter Friedrich d. Gr. über die Österreicher unter Prinz Karl von Lothringen). Gemälde, 1864, von Wilhelm Camphausen (1818–1885).

So stellte man sich den Choral von Leuthen am Abend nach der Schlacht vor

Quelle: picture alliance / akg-images

Zum Symbol dieses – verhängnisvollen – Mythos’ wurde der Choral von Leuthen, den die Sieger auf dem gewonnenen Schlachtfeld anstimmten. Das Lied „Nun danket alle Gott“, das der ehemalige Leipziger Thomasschüler Martin Rinckart 1630 komponiert hatte, verband die Siegeseuphorie mit der protestantischen Gewissheit, das Gott jene belohnen würde, die in schwieriger Lager Mut und Opferbereitschaft zeigten.

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