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Dieser U-Boot-Deal bedeutet faktisch ein neues Atom-Bündnis

Aus Angst vor China steigt Australien in die kleine Gruppe der Staaten mit eigenen Atom-U-Booten auf. In einer spektakulären Wende lässt die australische Regierung die Beschaffung von zwölf konventionellen Super-U-Booten mit französischer Technik im Wert bis zu 90 Milliarden Dollar platzen. Stattdessen sollen jetzt mindestens acht U-Boote mit Atomantrieb auf der Basis von US-Technik in Australien gebaut werden.

Die australische Regierung begründet den Wechsel mit einer Neubewertung der politisch-strategischen Situation im Indo-Pazifik. Aus technischer Hinsicht hätten die U-Boote mit Atomantrieb den Vorteil, dass sie bei ihren Missionen nie zum „Luft holen“ dicht an die Meeresoberfläche auftauchen müssten und daher lange im Tarnmodus bleiben können.

In den kommenden 18 Monaten solle ein Weg gefunden werden, damit Australien die modernen U-Boote bekommt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung mit US-Präsident Joe Biden, Australiens Regierungschef Scott Morrison und dem britischen Premierminister Boris Johnson. Die neue Allianz trägt in Anlehnung an die englischen Abkürzungen der beteiligten Länder den Namen „AUKUS“.

Der Wechsel der U-Boottechnik und die Absage Australiens an Frankreichs großen Marinekonzern Naval Group ist ein Paukenschlag in der Sicherheitspolitik und Rüstungsszene. Australien schließt mit den USA und Großbritannien jetzt ein weitgehendes Militärbündnis.

In einem ersten Schritt werden die USA ihre Technologie für atomar angetriebene U-Boote mit Australien teilen, wie dies vor Jahrzehnten bereits mit Großbritannien geschah. Das Bündnis sieht noch andere Kooperationen zur Hochrüstung Australiens vor, etwa bei superschnellen Hyperschallwaffen oder dem Einsatz Künstlicher Intelligenz.

Der Aufstieg Australiens in den kleinen Kreis von bisher sechs Staaten mit atomangetriebenen U-Booten mit den USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, China und Indien hat bemerkenswerte Facetten. Vor fünf Jahren entschied sich Australien im größten Rüstungsprojekt des Staates bewusst gegen Atom-U-Boote, weil es politisch eine Absage an Nukleartechnik gab.

Auch jetzt sollen die U-Boote auf Basis der US-Technik keine Atomwaffen tragen. Australien bestellte 2016 nach einem heftigen Bieterwettbewerb in Frankreich. Auch die Marinesparte von Thyssen-Krupp sowie Japan hatten sich Hoffnungen gemacht.

Damals ging Thyssen-Krupp leer aus und war enttäuscht. Jetzt platzt auch die Frankreich-Bestellung. Bei den französischen U-Booten für Australien mit knapp 100 Meter Länge sollte in einem Unterauftrag der deutsche Spezialist Atlas Elektronik zumindest das Bugsonar liefern. Die ersten U-Boote auf französischer Basis sollten 2030 im Einsatz sein.

Die Regierung in Paris ist nun sehr verärgert. „Dies ist eine Entscheidung gegen den Geist und den Inhalt der Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Australien“, erklärten Außenminister Jean-Yves Le Drian und Verteidigungsministerin Florence Parly. Die Franzosen wollten eigens eine konventionelle Variante ihrer Atom-U-Boote in Australien produzieren lassen. Allerdings ruckelte das Projekt.

Auch in der deutschen Rüstungsindustrie wird die Entwicklung mit Sorge verfolgt, welche Folgen sich aus dem engen Militärbündnis zwischen den beiden NATO-Mitgliedern USA und Großbritannien sowie Australien ergeben. So gehört beispielsweise Australien zu den Großkunden von Rheinmetall, und der deutsche Konzern baut auf dem Kontinent Produktionsstätten auf. Bemerkenswert ist auch, dass Großbritannien ein Rüstungsbündnis mit Australien auf Kosten Frankreichs eingeht.

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