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Ed Sheeran, Coldplay, Toten Hosen: „So ein Konzertjahr hat es noch nicht gegeben“

Ed Sheeran, Coldplay, Toten Hosen : „So ein Konzertjahr hat es noch nicht gegeben“

Die Konzertbranche blickt hoffnungsfroh ins neue Jahr. Großereignisse sollen endlich wieder möglich sein. Und für den Sommer hat sich die internationale Pop-Elite angekündigt.

Nach fast zwei Jahren mit stark eingeschränktem und zeitweise stillgelegtem Betrieb schauen Konzertveranstalter wieder optimistisch in die Zukunft. „Ab März rappelt’s“, verspricht Stefan Löcher, Chef der Lanxess-Arena in Köln. Michael Hilgers, Geschäftsführer des Sparkassenparks in Mönchengladbach, schwärmt sogar von einem „Konzertjahr, das es noch nie gegeben hat“. Allein im Sommer 2022 werde es 150 Stadionauftritte im Bundesgebiet geben. Nahezu der gesamte Pop-Adel hat sich angesagt: Coldplay ebenso wie Herbert Grönemeyer, Helene Fischer, Die Toten Hosen, Ed Sheeran und die Red Hot Chili Peppers.

Das Problem war bisher, dass Konzertveranstalter kaum planen konnten. Abstand, Schachbrett, 2G der 3G: Die Corona-Regelungen variierten von Bundesland zu Bundesland, weswegen einige internationale Künstler gar nicht erst kamen. Wer dennoch plante, musste Auftritte mitunter verschieben, manchmal bis zu drei Mal. Bisweilen wurden Tourneen abgesagt, etwa die der Ärzte. Am vergangenen Mittwoch haben SPD, FDP und Grüne nun einen Fahrplan für den Corona-Winter vorgestellt, der es der Branche leichter macht. Demnach soll die epidemische Lage am 25. November beendet sein. Alle Übergangsregelungen, so lautet der Plan, sollen Ende März auslaufen. Michael Hilgers nennt den 20. März denn auch den „Freedom Day“, an dem Live-Erlebnisse in vollem Umfang möglich seien. Voraussetzung ist, dass die Planungen der Parteien tatsächlich beschlossen werden. Und natürlich, dass keine Virusvariante auftaucht, gegen die die bisherigen Impfungen keinen Schutz bieten.

Hilgers, der deutschlandweit Konzerte etwa von Sarah Connor, Mark Forster oder Lionel Richie veranstaltet, hofft nun, dass er und seine Kollegen nicht wieder auf das Weihnachtsgeschäft verzichten müssen. „Traditionell werden zu Weihnachten 50 Prozent der Tickets für das folgende Jahr verkauft“, sagt er. Das funktioniere aber nur, wenn die Leute sichergehen könnten, dass die Auftritte auch stattfinden. „Ein verlorenes Weihnachtsgeschäft kann man kaum aufholen.“

Die ersten großen Shows dürften am 13. und 14. März die Auftritte von Genesis in der Lanxess-Arena sein. Die Termine wirken wie ein Signal des Aufbruchs. Die Sorgen enden damit jedoch nicht. „Es gibt 2022 einen Overkill an Konzerten“, sagt Bernhard Lewkowicz vom Concertteam NRW. Bei Genesis oder Rammstein würden die Häuser sicher voll werden. Aber wie viel Publikum bleibt für Konzerte, die für 5000 oder weniger Fans geplant sind? „Die wackligen Konzerte werden noch wackliger“, prognostiziert Miguel Passarge, Musikchef im Düsseldorfer Kulturzentrum Zakk: „Der Abstand zwischen groß und klein wird größer.“ Außerdem sei es für Veranstalter nun teurer, Auftritte zu organisieren. Dienstleister wie Security, Truckfahrer und Aufbauhelfer haben während der Pandemie viele Mitarbeiter verloren. „Diese Betriebe arbeiteten zumeist mit Stammpersonal“, sagt Lewkowicz. Das habe sich wegen Perspektivlosigkeit zum Teil andere Anstellungen gesucht. Nun müssten die Firmen neue Kräfte eingagieren, und das koste.

Auch Hilgers fragt sich, wie das Publikum vor allem die mittelgroßen Konzertangebote annehmen werde. Bei eigentlich ausverkauften Nachholkonzerten habe es zuletzt eine sogenannte No-Show-Quote von bis zu 25 Prozent gegeben. Das heißt: Ein Viertel der Kartenbesitzer sei nicht gekommen, obwohl sie bereits bezahlt hatten. Wahrscheinlich, so vermutet Hilgers, weil sie Menschenansammlungen noch meiden. Dabei gebe es durchaus Unterschiede bei den Fans der verschiedenen Genres: „Metaller sind ganz entspannt, im Schlager ist es schwieriger.“ Hilgers’ Prognose: „Es wird eine Zeit dauern, bis die Leute wieder Vertrauen finden.“ Stefan Löcher erwähnt sicherheitshalber, dass die Lüftungsanlage in der Lanxess-Arena binnen 30 Minuten die Luft in der Halle austauschen könne. Er spricht von „Open-Air-Bedingungen mit Wind“.

Löcher sieht angesichts der großen Nachfrage nach den Genesis-Tickets ein „riesiges Bedürfnis“ der Menschen nach Live-Erlebnissen. Noch gibt es zwar keine Sicherheit, dass nun alles gut wird. Bernhard Lewkowicz gibt sich stellvertretend für seine Branche dennoch optimistisch: „Alle gehen davon aus, dass ab März/April 2022 alles wieder normal und ohne Einschränkungen läuft.“