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Ehemalige Stadträte: Besondere Ehrung für Zacherle und Schmid

Kempten - Dieter Zacherle und Josef Leonhard Schmid stechen mit ihrer außergewöhnlich langen Zeit als Stadträte heraus. Das würdigte OB Thomas Kiechle.

Es war eine Sitzung der Superlative. Am Dienstag verabschiedete Oberbürgermeister Thomas Kiechle in feierlichem Rahmen die ausscheidenden Stadträte aus der Amtsperiode 2014 bis 2020. Sage und schreibe 18 ehemalige Rätinnen und Räte erhielten eine Ehrung, darunter der „Dinosaurier“ Dieter Zacherle mit der längsten Kemptener Amtszeit überhaupt von 48 Jahren und Josef Leonhard Schmid, der mit 42 Jahren fast gleichzieht.

Und eineinhalb Jahre hatten die Räte wegen der Pandemie auf ihre Verabschiedung warten müssen. Aber 3G sei Dank war es mal wieder voll im großen Sitzungssaal. Viele der „Ehemaligen“ hatten ihre Ehepartnerinnen mitgebracht. Zahlreiche Blumenarrangements unterstrichen die Dankbarkeit der Stadt.

„Es verdient Respekt, dass Sie viel von Ihrer Zeit, von Ihrem Elan, Ihrer Energie aufgewendet haben, um sich bürgerschaftlich zu engagieren“, sagte der OB in Richtung der scheidenden Räte, und schob gleich seinen Dank an die Angehörigen hinterher: „Mit einer Stadtratstätigkeit geht oft einher, dass für nahestehende Menschen, für andere Interessen nur wenig Raum bleibt.“

Erfolgreiche Stadtratsperiode 2014-2020

Und der Oberbürgermeister zeigte sich stolz auf die Arbeit, die die Stadträte in der Periode 2014 bis 2020 geleistet haben. Er erinnerte u.a. an den ersten schuldenfreien Kernhaushalt in Bayern, das Moblilitätskonzept 2030, das neue, bereits ausgezeichnete Kempten-Museum und die dynamische Einwohnerentwicklung der Stadt, an Auszeichnungen wie die zwei European Energy Awards in Gold oder die Zertifizierung als bayerische Bildungsregion.

In seiner gewohnt direkten und humorvollen Art wies aber der „Stadtratsdinosaurier“ Dieter Zacherle auch auf Projekte hin, die noch der Umsetzung harren, wie die Sanierung von Haubenschloß- und Lindenbergschule oder „blühende Blumen“ im Stadtpark. Zacherle hält mit 48 Jahren Zugehörigkeit den Kemptener „Stadtratsallzeitrekord“ und erhielt dafür eine Urkunde und eine Collage mit Kemptener Ansichten. „In welchen Ausschüssen und Gremien Sie da alles saßen, wissen Sie wahrscheinlich selbst kaum mehr“, zeigte sich der OB beeindruckt von so viel Einsatz. Zacherle war von 1996 bis 2008 Dritter Bürgermeister, anschließend bis 2014 Freie-Wähler-Vorsitzender und „fast ein Vierteljahrhundert lang“ Festwochenbeauftragter. Ihm sei es gelungen, nah an den Menschen dran zu sein und ihnen zu helfen. Zahlreiche Ehrungen hat er bereits in früherer Zeit dafür bekommen.

»Thomas, ich habe fertig«

Der ehemalige Stadtratsälteste ließ es sich wie gewohnt nicht nehmen, eine kurze Rede zu halten, in der es auch einen indirekten Seitenhieb für die scheidenden Stadträte und den OB gab für so manches Projekt, das am Ende teurer war, als zu Beginn veranschlagt. „Thomas, ich habe fertig!“, schloss er. Dass er die Entwicklungen der Stadt nach nun einjähriger Pause aus einem anderen Blickwinkel betrachte, erzählte er dem Kreisboten. Auch nach einer so langen Ehrenamtszeit, in der Zacherle genossen habe, etwas bewirken zu können, sei er nicht schwermütig, nun aufzuhören. Vielmehr wünsche er dem aktuellen Stadtrat viel Erfolg bei den anstehenden Entscheidungen.

Fast genauso lang, nämlich 42 Jahre, wirkte Josef Leonhard Schmid im Kemptener Stadtrat. Davon war er zwölf Jahre lang als Zweiter Bürgermeister tätig. Später folgte eine Amtsperiode als Beauftragter für Wirtschaftsfragen und die Allgäuer Festwoche. Durch Schmids ganzes Wirken ziehe sich Kompetenz und Sachlichkeit, würdigte der OB die Leistungen des langjährigen Stadtratsmitglieds. Auch Schmid wurde bereits in früheren Jahren mit zahlreichen Ehren dekoriert und kann nun eine Kempten-Collage und eine Urkunde sein Eigen nennen.

Schmid: Mehr Zeit für die Familie

Bei Josef Leonhard Schmid kann von Aufhören nicht die Rede sein. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Anwalt, die er immer noch voll ausübe, wurde er kürzlich erneut zum Kreisvorsitzenden der Mittelstandsunion gewählt. Weil er somit viel unterwegs sei, könne er die wertvollen Kontakte und Freundschaften aus der Stadtratszeit weiter pflegen, sagt er. Aber er freut sich nun über mehr Zeit für sein Familienleben mit drei Kindern und fünf Enkeln. Was Schmid aus der Stadtratszeit nicht fehle, sind „ineffektive Debatten“, wie er sagt. Das sei die aktuelle Schwierigkeit. Jedoch verlangten viele Probleme und auch die zahlreichen Betriebe in Kempten schnelle Entscheidungen. „Ich freue mich, wenn die Führungsstärke des OB dazu führt, dass wir vorankommen. Das tut sie auch“, so Schmid.

Stolz zeigte sich der ehemalige Zweite Bürgermeister darüber, dass es ihm in seiner frühen Amtszeit gelungen sei zu verhindern, dass im Bereich des Engelhaldeparks ein riesiges Kaufhaus entstehe. „Kempten soll seine Sonderstellung mit seinen historischen Besonderheiten und seiner grünen Struktur bewahren und darauf aufbauen“, wünscht er sich.

Ein weiterer Artikel zur Verabschiedung der Stadträte erscheint in der kommenden Mittwochsausgabe des Kreisboten und auf der Homepage.

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