Germany

Ein Leben voller Arbeit

Gertrude Kaufhold feiert in Naumburg ihren 100. Geburtstag

Zufrieden, auch wenn das Leben nicht immer leicht war: Gertrude Kaufhold mit ihrem Sohn Herbert. Von ihren zwölf Kindern leben noch neun. Sie hat 16 Enkel, acht Urenkel und vier Ururenkel. Ihr Mann Ludwig ist vor 29 Jahren gestorben.

Gertrude Kaufhold, Mutter von zwölf Kindern, feiert in Naumburg ihren 100. Geburtstag.

Naumburg – Manchmal träumt Gertrude Kaufhold noch von Salbnuß, dem kleinen Dorf im Sudetenland, in dem sie heute vor 100 Jahren geboren wurde. Keine 300 Einwohner hatte das Örtchen. „Man hatte mehr Freiheit und weniger Sorgen damals in Salbnuß“, sagt sie.

Aber einfach, blickt sie zurück, war es dann auch dort nicht wirklich. Die Mutter starb, als Gertrude vier war. Früh musste sie auf einem Bauernhof arbeiten. Mit drei Geschwistern wuchs sie auf, der Vater war Tagelöhner. Sie war noch nicht richtig erwachsen, da kam der Krieg, der für die Familie das Leben auf den Kopf stellen sollte.

Der Vater ihrer beiden in Salbnuß geborenen Kinder starb als Soldat. Bei Kriegsende wurden die Deutschstämmigen aus ihrer Heimat vertrieben. Die 100-Jährige erinnert sich noch gut an die Umwege, die sie mit ihren Kindern schließlich nach Naumburg führte. „Die Flucht war schlimm“, sagt sie. „In Viehwagen sind wir verfrachtet worden. Wir hatten nichts zu essen. Und dann die zwei kleinen Kinder.“

Und in Naumburg? „Da war es am Anfang auch nicht einfach. Keiner wollte einen haben. Es gab keine Wohnung. Es dauerte, bis man ansässig wurde“, sagt sie mit dem Akzent aus der alten Heimat, den sie nie abgelegt hat.

In Naumburg lernt Gertrude dann Ludwig Kaufhold kennen und lieben, 1946 heiraten die beiden, gründen eine Familie, die über die Jahre wächst und gedeiht: Insgesamt zwölf Kinder halten schließlich die Kaufholds auf Trab.

Einer von ihnen ist ihr Sohn Herbert. Bei ihm im Haus hat sie noch bis ins 92. Lebensjahr ihren eigenen Haushalt geführt, ehe sie pflegebedürftig wurde. Nach einem Sturz mit dem Rollator vor einem Jahr ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Pflegeaufwand war schließlich im Hause Kaufhold nicht mehr zu leisten, es folgte der Umzug ins Naumburger Haus am See.

Dort ist es für den Geschmack der Frau eindeutig zu ruhig. Sie war es gewohnt, sich um die Familie zu kümmern, zu arbeiten, vor allem auch als Putzkraft mit für den Unterhalt der Familie zu sorgen. An Urlaub, sagt sie, „war nicht dran zu denken“ in all den Jahren. „Ich hatte einmal eine Kur“, das sei es dann aber auch schon gewesen. Entlastung gab es höchstens mal durch die Kinderlandverschickung des Müttergenesungswerkes. „Ich hätte mir schon mal gewünscht, in den Urlaub zu fahren“, so, wie sie Tag für Tag durch die Familie gefordert war. „Ich hätte mir auch gewünscht, mal faul sein zu können.“ Das Leben mit den vielen Kindern sei eine echte Herausforderung gewesen: „Man darf nie krank werden. Und man hat kein Geld.“

Sohn Herbert erinnert sich gut an die Zeit, als die Kaufholds noch kein eigenes Haus hatten, sondern eine Mietwohnung, in der es einen Schlafsaal für acht Kinder gab und einen weiteren für die restlichen vier. „Wenn Mutter morgens zum Frühstück ein Sechspfünder-Brot mit dem Messer aufgeschnitten hat, war das Brot nach dem Frühstück aufgegessen.“ Als Belag gab es Margarine und Sirup. Statt Bohnenkaffee tranken die Kaufholds Muckefuck, Ersatzkaffee, sagt der 70-jährige Sohn. „Es war eine richtig arme Zeit, aber wir waren zufrieden.“ Und auch seine Mutter hadert nicht mit der Vergangenheit, sondern lächelt, als der Sohn von früher erzählt.

Vielleicht, sagt Herbert Kaufhold, sei das auch ein Schlüssel dafür, dass seine Mutter ihren Hundertsten feiern kann: „Sie lässt nichts Negatives an sich ran. Sie sagt: Es ist, wie es ist. Sie hat eine positive Grundeinstellung und eine gesunde Portion Gottvertrauen. Und sie war immer zufrieden. Hauptsache, sie war zuhause.“ Geraucht und getrunken habe sie nie, „und sie braucht keine Süßigkeiten“.

Ein Stück „ahle Wurscht“ und ein deftiges Essen habe sie dagegen schon immer gemocht und dann auch entsprechend gut gekocht, als die mageren Zeiten vorüber waren. Gerne, sagt die 100-Jährige lächelnd, würde sie mal wieder einen richtigen Krautkopf essen. „Aber den können die Leute heute nicht mehr so gut wie früher.“ So wie noch in Salbnuß.

Dahin wäre sie gerne mal gefahren, wenn es denn die Zeit zugelassen hätte. „Ich hätte gerne meine Heimat wiedergesehen“, sagt Gertrude Kaufhold. „Es ist sehr schade, dass ich nie wieder da gewesen bin.“

Wenn heute die Verwandtschaft kommt, um ihren Geburtstag zu feiern, wird Gertrude Kaufhold vielleicht auch von ihren jungen Jahren in der alten Heimat, in Salbnuß, erzählen. (Norbert Müller)

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