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Eine Branche im Rückwärtsgang: Der Mythos Automobil verblasst

Der Aufschwung der Autokonjunktur nach dem Corona-Einbruch bleibt bislang aus. Die zurückliegende Branchentreff interessiert nur Autogegner und Klimaaktivisten. Die IAA ist tot. Verbrenner-Aus und Elektro-Hype können die Stimmungsmache gegen Autos nicht stoppen.

Von den Grünen ist aus den 80er-Flegeljahren - als Joschka Fischer noch Steine auf Polizisten warf, bevor er dann in Hessen Minister wurde - der Spruch bekannt: "Wir wollen keine Autos mehr, wir fahren per Anhalter." Alles kehrt bekanntlich wieder.

Inzwischen ist die Verdammnis des Autos als Umweltschädling in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der beste Beweis dafür ist die vor wenigen Tagen zu Ende gegangene Internationale Automobilausstellung in München (IAA). Autogegner und Klimaaktivisten streuten mehr Sand ins Getriebe und erregten mehr Aufmerksamkeit als alle Exponate und Messe-Veranstaltungen zusammen.

Trotz grünem Schwenk zur Elektromobilität, "Greenwashing" im Umweltaktivisten-Sprech, geriet die Veranstaltung komplett unter die Räder. Statt als große Bühne für technischen Fortschritt angesehen zu werden und den Aufbruch in eine goldene Zukunft zu verkörpern, wurde sie nur noch als Teil von Problemen betrachtet - des Klimawandels durch Abgase und des Autoverkehrs schlechthin.

Die IAA Mobility 2021 als vormals weltweit führende Messe wurde zum Menetekel für das Auto im Speziellen wie für die Branche im Allgemeinen. Und das, obwohl der Verband der Automobilindustrie (VDA) als traditioneller Veranstalter gerade im Corona-Jahr 2021 im Vorfeld keine Kosten, Mühen und Risiken gescheut hatte: Zum einen stülpte er der IAA mit "IAA Mobility" einen allgemeineren Mobilitätshut über. Zum anderen rückte er mit dem Slogan "What will move us next" das Verbrennerauto aus der Schusslinie und dafür Elektromobilität und Elektroautos sowie andere Verkehrsträger einschließlich Fahrräder und ÖPNV in den Mittelpunkt.

IAA wird zur Schrumpf-Messe

Nur, alle Liebesmüh war vergeblich. Weder der neue Themenschwerpunkt Elektromobilität noch Elektroautos konnten das breite Publikum offenbar begeistern. Die beabsichtigte Transformation von der Verbrenner- zur Elektromesse geriet zum Flop. Große internationale Automarken? Fehlanzeige. Auch bedeutende Zulieferer blieben dem Branchentreff im Mutterland des Automobils fern. Es hagelte prominente Absagen - auch solche mit dem Hinweis auf Corona.

So waren die Hallen nur spärlich bestückt. Es fehlten Schwergewichte wie Toyota sowie sämtliche andere japanische Marken. Ebenso blieben der gesamte Stellantis-Konzern, zu dem traditionsreiche Hersteller wie Opel, Peugeot, Citroën, Fiat oder Alfa Romeo und Chrysler und Jeep gehören, fern, ebenso GM. Auch Luxusmarken wie Rolls-Rolls-Royce, Aston Martin, Bentley, Lamborghini und Ferrari, deren Stände früher von männlichen Besuchertrauben umlagert waren - natürlich auch der attraktiven Messhostessen wegen - machten sich rar.

Selbst Tesla als Elektroauto-Pionier der Anbieter von Elektroautos schlechthin, blieb mit seinem neuen SUV-Verschnitt Model Y der Messe fern. Karossen mit "Wumms" fehlten. Nur die Stände mit den wenigen "heißen" Verbrennerautos waren dicht umlagert, so wie immer, und Probefahrten mit Porsches zigfach überbucht.

Proteste, Blockaden, Besucherschwund

Eigentlich sollten grüne, klimaneutrale Mobilität als Thema im Mittelpunkt stehen, nicht mehr PS-Stärke in Verbrennerboliden. Nur geholfen hat es nichts. Die Blockaden und Protestaktionen von Klima-Aktivisten gegen das Auto als CO2-Produzent und von Auto-Kritikern blieben trotzdem nicht aus, waren sogar heftiger denn je. Rund um München standen Autofahrer zum Start der IAA in langen Staus, Aktivisten seilten sich von Brücken ab, überklebten Autobahn-Verkehrsschilder, gingen im Messeteich sogar protestweise ins Wasser.

Es gab Blockaden und tätliche Auseinandersetzungen mit den 3500 Einsatzbeamten inklusive Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Krönender Höhepunkt des Protests: Fahrrad-Sternfahrten von 25.000 Autogegnern aus dem Umland nach München. Die Zahl der Autogegner nahm zu, die Zahl der Besucher dagegen ab, der Trend der vorangegangenen Messen am alten Standort Frankfurt setzte sich fort. Zur letzten Schau waren 2019 noch 560.000 Besucher nach Frankfurt gekommen, vier Jahre zuvor waren es sogar fast eine Million. Diesmal kamen nach VDA-Angaben nur 400.000 Besucher. Das Publikumsinteresse war nur schwerpunktmäßig größer, die größten Messe-Attraktionen alle in Pavillons auf historischen Plätzen im Zentrum der Millionenstadt München angesiedelt.

Klar ist: Die alte Welt der Autoindustrie mit PS, Glanz und Glamour hat sich innerhalb von zwei Jahren nachhaltig verändert. Verbrenner ist out, Elektro ist in. Der fortschreitende Klimawandel, die alles umfassende CO2-Diskussion, die unablässigen Anklagen gegen die Verbrennerautos, die kontinuierliche Verschärfung der Abgasgrenzwerte einschließlich der Verteuerung der Pkw-Nutzung zeigen Wirkung: Der Mythos Automobil bröckelt.

Das Auto mutiert mehr und mehr zum profanen Gebrauchsgegenstand, der beliebig geleast, geshared, online bestellt werden kann - eine ähnliche Nutzung wie im ÖPNV, nur eben noch individueller und punktgenauer - und der zunehmend roboterisiert wird, im Endstadium also keinen Fahrer mehr braucht. Ja, wenn das so ist, wozu eigentlich der ganze Klimbim mit den Assistenz-Systemen?

Auch E-Autos verstopfen Straßen

Dass der Nimbus des Autos als Statussymbol im Sinkflug ist, bricht einem "Car Guy" das Herz: Geradezu ironisch ist da, dass manche Probleme gar nicht verschwinden. Die junge städtische Hightech-Generation fährt lieber virtuell und sieht das Auto zunehmend als Computer auf Rädern an. Doch Tatsache ist: Auch für die ist in der Stadt wegen hoher Kosten und Bevölkerungsdichte sowie zunehmender Platzansprüche von Radfahrern und Fußgängern immer weniger Platz.

Selbst von Bosch auf automatische Parkplatzsuche gedrillte Roboterautos tun sich schwer, wenn keine freien Parkplätze vorhanden sind. Den Fahrer und Parkplatzsuchenden interessiert es wenig, ob sein Auto am Ende des Autolebens zu 100 Prozent recycelbar ist, wie BMW es mit dem i Vision Circular an die Zukunftswand malte. Am Stau wird sich nichts ändern, wenn nach endlich gelungener Transformation statt Verbrennerautos ähnlich viele Elektroautos die Straßen verstopfen.

Für dieses Problem gibt es keine schmerzfreie Lösung zum Null-Tarif, wie die Politik es so gerne suggeriert. Weniger Verkehr gibt es nur, wenn die politischen Spielregeln par or­d­re du muf­ti oder per Geldbeutel geändert werden, so dass der Automobilbestand schrumpft. Auch wenn VDA-Präsidentin Hildegard Müller am Ende der diesjährigen IAA Mobility 2021 unverdrossen die globale Autowelt erneut für den September 2023 zur nächsten IAA nach München eingeladen hat, steht fest: Eine Automesse in dieser Form wird es nicht mehr geben - nicht nur wegen der dann hoffentlich beendeten Corona-Pandemie. "The trend is - in diesem Fall 'not' - your friend": Auch künftige IAAs werden am weiteren Schwinden des Mythos Automobil wenig ändern.

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