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Eine Million Beamte bekommen mehr Geld – das sich nur die Pfleger verdient haben

Die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst bekommen mehr Geld. Wochenlang hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihre Mitglieder zu Warnstreiks aufgerufen. Vor allem die Arbeitsniederlegungen in Kitas, Schulen und Unikliniken trafen viele Pandemie-strapazierte Bürger empfindlich.

Verglichen mit der üppigen Verdi-Forderung nach fünf Prozent Gehaltssteigerung zeugt das am Ende erzielte Ergebnis erfreulicherweise von mehr Realitätssinn: Mit 2,8 Prozent Tariferhöhung bei einer Laufzeit von 24 Monaten plus einer steuerfreien Corona-Prämie bewegt sich der Abschluss für die Bediensteten auf Länderebene auf einem ähnlichen Niveau, wie er im vergangenen Jahr für die Beschäftigten von Bund und Kommunen abgeschlossen wurde.

Dass im Pflegebereich zusätzliche Vergünstigungen über höhere Zuschläge vereinbart wurden, ist angesichts der hohen Belastung in diesem Bereich sinnvoll. Zumal die Hoffnung besteht, dass eine attraktivere Gehaltsstruktur hilft, den enormen Fachkräftemangel in der Pflege einzudämmen.

Dass gerade in diesen Krisenzeiten nicht nur die Krankenhäuser am Limit arbeiten, sondern auch Polizisten und Feuerwehrleute in hohem Maße belastet sind, steht außer Frage. Ein Einmal-Bonus ist ein kluges Instrument, Sonderlasten anzuerkennen, ohne damit dauerhaft die Länderhaushalte zu belasten.

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Angesichts der explodierten Staatsschulden bei schwacher Konjunkturlage engen die steigenden Personalkosten ohnehin schon den finanziellen Spielraum der Länder extrem ein. Die Krux bei diesem Abschluss im Öffentlichen Dienst ist, dass die Spanne der Berufsgruppen viel zu groß ist, die davon profitieren. Zu den 1,1 Millionen Angestellten kommen fast ebenso viele Beamte sowie eine weitere Million Pensionäre hinzu.

So sehr das Gros der Bevölkerung den Pflegern und Polizisten das Plus auf dem Gehaltszettel gönnt, so wenig sehen viele Bürger ein, dass der Tarifabschluss samt Corona-Prämie auch allen Beamten zugutekommen soll. Denn keineswegs jeder Staatsdiener hat in Pandemiezeiten mehr gearbeitet, viele waren im Homeoffice schlecht oder gar nicht erreichbar – bei 100 Prozent Gehalt.

Dass Verdi bei jeder Tarifauseinandersetzung im Öffentlichen Dienst stets die Pflegekräfte in den Fokus rückt, um für den gesamten Sektor möglichst viel herauszuholen, ist weder den Steuerzahlern noch den Krankenschwestern gegenüber fair. Für die Beamten ist diese Strategie besonders angenehm: Sie müssen niemals selbst kämpfen – und haben am Ende auch noch die beste Altersversorgung.

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