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Englands Presse zur Bundestagswahl: Da herrscht das Chaos

„Die Asche meiner Mutter“, der autobiographische Roman des amerikanischen Schriftstellers Frank McCourt, der auch in Deutschland die Bestsellerlisten er­klomm, heißt im englischen Original „Angelas Ashes“. Diesen Titel setzte die konservative Wochenzeitschrift „Spectator“ un­längst über eines der zahlreichen Meinungsstücke der britischen Presse über das Vermächtnis Angela Merkels.

Gina Thomas

Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

In der Einschätzung des Autors Wolfgang Münchau, des ehemaligen „Financial-Times“-Korrespondenten und einstigen Chefredakteurs der „Financial Times Deutschland“, der jetzt als Leiter der Online-Plattform Eurointelligence europäische Analysen anbietet, ist die scheidende Bundeskanzlerin die am meisten überschätzte Führungsfigur unserer Zeit. Die womöglich absurdeste Behauptung über Angela Merkel sei wohl, dass sie de facto die westliche Welt anführe. Wenn man den Erfolg als politsches Überleben definiere, sei sie bestimmt einer der erfolgreichsten Politiker Europas gewesen, doch hinterlasse sie eine gespaltene, nicht nur führungslose sondern womöglich auch nicht führbare EU.

Das Merkel-Vermächtnis

Münchau prophezeit, dass man auf die Merkel-Jahre als das letzte Hurra einer vergangenen, spät-industriellen Ära zu­rückblicken werde. Wenn sie zu Ende gehe, würden die Menschen die unbequemen Fragen stellen, die sie in ihrer Regierungszeit nicht gestellt hätten: „Warum hat ein reiches Land wie Deutschland nicht in neue Technologien investiert? Warum hat Angela Merkel sich geweigert, solide Grundlagen für die Eurozone zu legen? Warum hat sie mit Putin gehandelt und ihr Land von Russlands Bodenschätzen abhängig gemacht? Warum hat sie Treibhausgasminderungszielen zugestimmt und sie dann nicht erfüllt?“ Wenn Angela Merkel tatsächlich die Anführerin des Wesens gewesen wäre, hätte sie getan, was sie tun konnte, um eine starke, vereinigte EU zu schaffen. Stattdessen herrsche das Chaos. Das sei das Merkel-Vermächtnis.

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Nicht alle britischen Medien gehen freilich in dieser Schärfe mit Angela Merkel ins Gericht wie der unverblümt euroskeptische „Spectator“. Konservative, den Brexit befürwortende Kommentatoren neigen zu einer kritischeren Betrachtung als die linksliberale Presse, doch fallen auch deren Bewertungen keinesfalls positiv aus. Auch der „Guardian“, der mit seinem Korrespondenten Philip Olterman gut bedient ist, befindet, dass Angela Merkel ein zweischneidiges Vermächtnis hinterlasse. Und die Financial Times spricht von dem langen Schatten, den die vergangenen Monate über ihre Hinterlassenschaft geworfen hätten. Die Pandemie habe offengelegt, dass das Deutschland, das sie sechzehn Jahre lange führte, „behäbig, übermäßig bürokratisch und in vielerlei Hinsicht in der analogen Vergangenheit steckengeblieben“ sei.

Es verwundert freilich nicht, dass eine linksgerichtete Wochenzeitschrift wie der „New Statesman“ die SPD und die Grünen für die beste Option hält, weil die CDU/CSU ausgehöhlt und ideenarm sei und ihr Kanzlerkandidat Armin Laschet für „schwerfällige Kontinuität in einem Deutschland steht, das mehr Antrieb braucht“.

In einem Leitartikel erkannte das Magazin den pragmatischen, unideologischen Führungsstil der Kanzlerin an, bemängelte jedoch, dass sie zu reaktiv und nicht willens gewesen sei, zu gestalten und Deutschland und den Kontinent auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Mit den Beiträgen ihres außenpolitischen Redakteurs Jeremy Cliffe, der einst aus Berlin für den „Economist“ berichtete, hat der „New Statesman“ seinen Lesern im Rahmen seiner internationalen und digitalen Expansionspläne einige der fundiertesten Berichte über den Wahlkampf geboten, darunter ein plastisches Porträt von Olaf Scholz, von dem man aus den meisten Berichten ebenso wenig wie von Armin Laschet ein klares Bild gewinnt.

Mag sein, dass die Verschiebung der außenpolitischen Ambitionen Großbritanniens in der Ära nach dem Brexit das Interesse in andere Weltgegenden lenken, wie Premierminister Johnson es sich wünscht. Auffallend ist, wie nüchtern und in der Regel ausgewogen über die innerdeutschen Angelegenheiten berichtet wird. Die Affekte, die in der Brexit-Debatte die Gemüter erregten, machen sich kaum bemerkbar. Die Berichterstattung aus Deutschland hat sich normalisiert. Lange war es nicht so.

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