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Er ließ seine Feinde „den dünnen Mund der Axt küssen“

Fürsten der Wikinger zeichneten sich nicht unbedingt durch eine besondere Sensibilität gegenüber ihren Mitmenschen aus. Wenn diese einen Anführer jedoch als „der Harte“ zu charakterisieren pflegten, dürfte das auf außergewöhnliche Rücksichtslosigkeit schließen lassen. Wir müssen uns daher Harald III. von Norwegen (1015–1066) als einen Mann vorstellen, der seine Ziele mit brutaler Konsequenz verfolgte. Die bewies er auch, als er am 25. September 1066 in die Entscheidungsschlacht um den Besitz Englands zog.

Mit seiner Karriere zeigte Harald noch einmal alle Chancen auf, die sich einem zupackenden Wikinger im Mittelalter eröffneten. Gerade einmal 15 Jahre alt, hatte er an der Seite seines Halbbruders Olav II. von Norwegen gegen die Dänen gekämpft und verloren. Aber er konnte fliehen und gelangte zunächst nach Nowgorod und von dort nach Konstantinopel. Dort unterhielten die Kaiser eine „Axt tragende“ Gardetruppe, die sie aus Warägern rekrutierten, wie die Wikinger in Osteuropa genannt wurden. Darin spielte Harald bald eine führende Rolle.

Die Waräger waren allein dem Kaiser verpflichtet und hatten keinerlei Verbindungen zu der notorisch unruhigen Bevölkerung der byzantinischen Hauptstadt. Skrupellos gingen sie gegen innenpolitische Gegner vor, wobei Kastrationen und das Blenden mit Säure zu ihren Spezialitäten gehörten. Für seine erfolgreichen Unternehmen gegen die Bulgaren und die Sarazenen auf Sizilien wurde Harald mit hohen Titeln ausgezeichnet. Das überzeugte auch den Warägerfürsten Jaroslaw I. von Kiew, der ihm seine Tochter Elisabeth zur Frau gab.

1045 kehrte Harald nach Norwegen zurück, wo er seine gewonnenen Schätze umgehend im Kampf um die Macht investierte. Zunächst arrangierte er sich mit seinem Neffen Magnus und wurde nach dessen Tod 1047 alleiniger König von Norwegen. Die Kämpfe gegen die Dänen gingen indes weiter. Um die Kosten dafür aufzubringen, verfiel er auf innenpolitische Maßnahmen, die seine Untertanen dazu brachten, ihm den Beinamen „der Harte“ zu geben. Seine Motive soll Harald mit dem Vers zusammengefasst haben, er könne nicht König bleiben, wenn sein Gegner nicht „den dünnen Mund der Axt küsst“.

Als im Januar 1066 in England Eduard der Bekenner starb, erhob auch Harald Ansprüche auf den Thron. Der Angelsachse Harold Godwinsson war schneller und ließ sich umgehend zu Harald II. krönen. Doch in dessen leer ausgegangenem Bruder Tostig fand der norwegische Harald einen Verbündeten. Mit mehr als 8000 beutegierigen Kriegern soll er im September unweit von York gelandet sein. Mit einem Sieg bei Fulford brachte er die Stadt in seine Gewalt

Wieder handelte Harald II. schnell. Mit vielleicht 7000 bis 8000 Mann zog er über die 350 Kilometer nach Norden. Am 25. September, nur fünf Tage nach dem Sieg der Norweger bei Fulford, stand der Angelsachse bereits vor York. Die Wikinger waren so überrascht, dass viele nicht einmal ihre Kettenhemden angelegt haben sollen. An der Stamford Bridge kam es zu einer heftigen Schlacht.

Harald at Stamford Bridge

So stellte man sich die Schlacht an der Stamford Bridge vor

Quelle: Wikipedia/Public Domain

Um den Kampfesmut seiner Leute zu entfachen, packte Harald der Harte „sein Schwert mit beiden Händen und hieb nach rechts und links um sich. Er ... bahnte sich einen Weg und tötete dabei viele Männer ... Seine Arme waren blutig, er bewegte sich durch seine Feinde, als würde er den Wind spalten“, schreibt ein Chronist. Doch plötzlich traf ihn ein englischer Speer; röchelnd fiel er zu Boden, Blut sprudelte aus der Wunde, „es war die Todeswunde“.

Der englische König hatte wenig Zeit, sich über seinen Sieg zu freuen. Am 4. Oktober 1866 verlor er gegen den Normannen Wilhelm bei Hastings Heer und Leben. Beide Schlachten markierten das Ende der Wikingerzeit. Der letzte Held des Nordens war nicht mehr. Und mit Wilhelm der Eroberer gewann zwar ein Nachfahre der Nordmänner den Thron, aber der war bereits vollkommen in die feudale Kultur des europäischen Mittelalters eingebunden.

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