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Erklärung gegen Judenhass: Der vielgesichtige Antisemitismus

Die Militäraktion Israels zur Verteidigung gegen die Angriffe der Hamas wurden in Deutschland in den letzten Wochen von antisemitischen Demonstrationen begleitet. Dort tauchten nicht nur jahrhundertealte antisemitische Feindbilder wie das aus dem Mittelalter stammende „Kindermörder“ oder „Scheißjuden“ auf, sondern es wurde zu Gewalt gegen Juden und zur Vernichtung des jüdischen Staats aufgerufen. Aus Worten folgen Taten. Das gilt auch für den Antisemitismus und lässt sich an den Angriffen auf Synagogen in Münster, Düsseldorf und Ulm in den letzten Wochen aufzeigen.

Aus empirischen Studien geht hervor, dass 90 Prozent der Juden in Deutschland Antisemitismus als großes oder sehr großes Problem ansehen, über 60 Prozent über eine Auswanderung nachgedacht haben und die Mehrheit es aus Angst vor verbalen oder physischen Angriffen vermeidet, in der Öffentlichkeit jüdische Symbole zu tragen. Der Antisemitismus, wie er sich geballt in Phasen auf den Straßen entlädt, aber auch die Alltagserfahrungen von Juden in Deutschland prägt, wird von Juden als konkrete Bedrohung empfunden. Das ist trotz aller politischen Bemühungen zur Ächtung des Antisemitismus die gesellschaftliche Kulisse für Juden in Deutschland 76 Jahre nach der Shoah.

Das „eigentliche Problem“

Daran etwas zu verändern ist das Ziel der gemeinsamen Erklärung des Zentralrats der Juden in Deutschland, der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten und der Kultusministerkonferenz (KMK). Die Schule ist eben nicht nur Bildungs-, sondern ebenso Erziehungs- und Sozialisationsinstanz. Sie ist Teil der Gesellschaft, und insofern ist es aus soziologischer Perspektive nicht verwunderlich, dass der Antisemitismus sich auch dort zeigt. Jüngste Forschungsbefunde über den Antisemitismus an Schulen weisen aber darauf hin, dass er ausgerechnet dort besonders gedeiht, wo ihm Pädagogen entgegenzuwirken verpflichtet sind. Basierend auf Gesprächen, habe ich im Rahmen einer mehrjährigen soziologisch-qualitativen Studie die Erfahrungen jüdischer Schüler und die typischen Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster von Lehrern rekonstruiert. So konnte gezeigt werden, dass der Antisemitismus in der Schülerschaft von Lehrern häufig nicht erkannt oder bagatellisiert wird, jüdische Schüler mitunter als „eigentliches Problem“ wahrgenommen werden und antisemitische Einstellungen auch unter manchen Lehrern ausgeprägt sind.

Die gemeinsame Erklärung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule, die am Freitag von der KMK veröffentlicht wurde, benennt diese Probleme konkret. Es werden also einheitliche, die Schulart, das Schulfach, orts- und gruppenübergreifende Empfehlungen für einen pädagogischen Umgang mit Antisemitismus formuliert, die den jüngsten Forschungsbefunden Rechnung tragen und den Akteuren in den Schulen Präventions- und Interventionsmaßnahmen aufzeigen.

Problem bei Lehrkräften

Der problematischen Tendenz von Lehrkräften etwa, Antisemitismus nicht als Phänomen eigener Art wahrzunehmen, als falsche Generalisierung und damit als Vorurteil über Juden fehlzudeuten oder gar dem Rassismus gleichzusetzen, wird mit einer einheitlichen Grundlage nach der Definition der „International Holocaust Remembrance Alliance“ begegnet, Äußerungen oder Handlungen als antisemitisch einordnen zu können. Die International Holocaust Remembrance Alliance ist eine zwischenstaatliche Organisation zur Erforschung des Antisemitismus. Sie definiert Antisemitismus als Phänomen, dem die vernichtende Idee zugrunde liegt, „ohne Juden wäre die Welt besser“. Gemeint ist damit jegliche Form des Antijudaismus über den rassistischen Antisemitismus bis hin zum Post-Holocaust-Antisemitismus. Lehrer haben das Spezialwissen über alle Erscheinungsformen des Antisemitismus mitunter nicht und erkennen ihn nicht als solchen.

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