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Fall Gabby Petito: Leichnam gefunden – Suche nach Verlobtem geht weiter

In den Vereinigten Staaten gibt es immer wieder Vermisstenfälle, die das ganze Land in Atem halten. Nicht selten sind es junge Frauen, die verschwinden: Wie Natalee Holloway, eine 18-jährige Absolventin der Mountain Brook High School in Alabama, die im Mai 2005 während einer Klassenreise nach Aruba verschwand. Damals verfolgten Millionen Amerikaner vor dem Fernseher die Suche der Eltern und Polizei auf der Karibikinsel. Sechs Jahre später war es Lauren Spierer, eine 20-jährige Studentin der Indiana University, nach der die Polizei suchte. Sie hatte eine Bar in der beschaulichen Universitätsstadt Bloomington südlich von Chicago besucht und war nicht mehr zurückgekommen. Beide Frauen wurden nie gefunden.

In den vergangenen Wochen war es der Fall Gabrielle „Gabby“ Petito, der das Land beschäftigte. Die 22-Jährige aus Blue Point im Bundesstaat New York war Anfang Juli mit ihrem Verlobten Brian Laundrie in Richtung Westen aufgebrochen. In einem zum Camper umgebauten Transporter wollte das Paar für einige Monate durch Nationalparks reisen und ihr Abenteuer in den sozialen Medien festhalten. Das Video „Beginning Our Van Life Journey“, das Petito im August bei YouTube veröffentlichte, zeigte die Bloggerin und ihren Verlobten fröhlich und verliebt beim Sushi-Essen in San Francisco, am Strand in Santa Monica und bei Wanderungen durch die kalifornische Wüste.

Letztes Lebenszeichen aus dem Grand Teton National Park

Die Reise endete mit einer Vermisstenanzeige. Petitos Eltern, Nicole Schmidt und Joe Petito, gaben am 11. September bei der Polizei in Suffolk County nördlich von New York an, seit dem 25. August nichts mehr von ihrer Tochter gehört zu haben. Petito letztes Lebenszeichen stamme aus dem Grand Teton National Park in Wyoming. Wie sich herausstellte, war Petitos Verlobter Laundrie schon zehn Tage bevor die Anzeige aufgegeben wurde in sein Haus nach North Port in Florida zurückgekehrt – mit dem weißen Camper, aber ohne Petito. Wo Gabby war, dazu schwieg der 23-Jährige.

„Die Partner von Vermissten sind meiner Erfahrung nach oft die Ersten, auf die sich die Polizei konzentriert. Jede Äußerung, die mein Mandant abgibt, kann gegen ihn verwendet werden, unabhängig davon, ob er etwas mit Frau Petitos Verschwinden zu tun hat“, versuchte Laundries Anwalt Steven Bertolino das Schweigen zu rechtfertigen. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, hatte sich das Paar bei einem Stopp in Moab im Bundesstaat Utah Mitte August heftig gestritten. Passanten hatten daraufhin die Polizei gerufen. Die Bodycam-Aufnahmen des Polizeibeamten zeigt Petito weinend auf dem Rücksitz eines Autos. Laundrie hat blutige Schrammen im Gesicht, die er mit Handgreiflichkeiten seiner Verlobten erklärt. „Beide gaben an, einander zu lieben und keine Anzeige erstatten zu wollen. Übereinstimmend sagten beide, dass Gabby unter ernsten Angststörungen leide“, heißt es im Polizeiprotokoll.  

Verdacht gegen den Verlobten

Viele Amerikaner nahmen derweil in den sozialen Medien Anteil an dem Verschwinden der jungen Frau und sprachen der Familie ihr Mitgefühl aus. Dass Petitos Verlobter weiterhin schwieg, schürte den Verdacht gegen ihn. „Wenn Ihre Familie noch ein Fünkchen Anstand hat, lassen Sie uns bitte wissen, wo Gabby ist. Wir glauben, dass Sie wissen, wo Brian Gabby zurückgelassen hat“, appellierten Schmidt und Petito vor einigen Tagen schließlich an Laundries Eltern. „Wir wollen nur, dass sie nach Hause kommt.“

Am Sonntagabend teilten FBI, Polizei und National Park Service bei einer Pressekonferenz im Nationalpark Grand Teton mit, dass in der Nähe eines Campingplatzes ein Leichnam gefunden worden sei. Die Tote stimme „mit der Beschreibung von Gabby Petito“ überein, eine Obduktion stehe jedoch noch aus. „Herzzerreißende Neuigkeiten. Ich weiß, dass ganz Amerika auf eine sichere und wundersame Rückkehr Petitos gehofft hat“, schrieb ein Nutzer auf Twitter und drückte damit das Bedauern vieler Amerikaner aus.

Brian Laundrie ist derweil überraschend verschwunden. Am Freitag erstatteten seine Eltern eine Vermisstenanzeige, nachdem sie ihn angeblich einige Tage nicht gesehen hatten. Mit Drohnen und Spürhunden durchkämmte das FBI daraufhin am Wochenende das Naturschutzgebiet Carlton im Bezirk Sarasota in Florida, eines von Laundries bevorzugten Ausflugszielen. „Gabbys Familie möchte die ganze Welt wissen lassen, dass Brian nicht vermisst wird“, ließen Petitos Eltern durch einen Sprecher mitteilen. Sie sind sich sicher, er halte sich versteckt.

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