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Fraktur: Ewig währt das Kämpfen

Das Leben ist ein einziger Kampf. Kurzfristig wird gerade um Olympiagold gekämpft, mittelfristig um den Wahlsieg, langfristig gegen den Klimawandel und eigentlich immer gegen den inneren Schweinehund. Bisweilen lassen sich Kämpfe aber auch effizient bündeln, wie in dieser Woche Robert Habeck bewies, als er pitschnass gegen den Platzregen (und seine innere Wut) anredete und dabei für seine Partei mehr Punkte gemacht haben dürfte als Annalena Baerbock auf Lesereise unter blauem Himmel im Sonnenblumenfeld. Bei Habeck im nassen Hemd kapitulierte – oder kollabierte, genau lässt sich das nicht trennen – umgehend die Netzgemeinde.

Stefan Locke

Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

So formvollendet jedenfalls hat sich noch nie ein Politiker nass machen lassen, noch nicht mal François Hollande, über dem bei seiner Amtseinführung im offenen Wagen einst eine Wolke brach; allerdings war damit dessen präsidiale Zukunft als mehrfach begossener Pudel schon vorgezeichnet. Dagegen stelle man sich nur mal vor, wie Habeck künftig bei internationalen Verhandlungen im Regen oder in Nassau einen Sieg nach dem anderen herbeiredet! Undenkbar, dass dann etwa der wie der Islam zu Deutschland zum Osterfest gehörende Goldhase nahezu kampflos einer Schweizer Firma überlassen worden wäre. „Hase, du bleibst hier!“, ist nicht umsonst eine urgrüne (Auf-)Forderung, wie sie vor Jahren schon durch die Grünen-Hochburg Chemnitz schallte.

Die Wasserschlacht von Frankfurt

Ja, Wasser kann kampfentscheidend sein, wie wir spätestens seit der Regenschlacht Polen gegen Deutschland wissen. Falls Sie jetzt zu Ihren Weltkriegsunterlagen greifen wollten: Es ist vom Vorrundenspiel bei der WM 74 die Rede, das als Wasserschlacht von Frankfurt in die Fußballgeschichte einging. Nach der staubtrockenen Niederlage gegen die DDR und deren Torschützen mit dem bezeichnenden Namen Sparwasser siegte die Bundesrepublik damals auf von einem Sturzregen geflutetem Geläuf gegen Polen und wurde letztlich Weltmeister.

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Im Ringen um ein exzellentes Image wiederum verkämpfte sich jüngst die Informatikfakultät der TU Dresden. Sie informierte Angehörige per E-Mail über den Besuch des sächsischen Wissenschaftsministers samt Universitätsleitung und formulierte folgende Bitte: „In dieser Zeit sind Vorübergehende im Foyer/auf den Emporen erwünscht, die widerspiegeln, dass der Uni-Alltag nicht mehr überwiegend im Home Office stattfindet.“ Dabei ließ der/die/das Mitteilende allerdings außer Acht, dass der Uni-Alltag für potentiell Vorübergehende nach wie vor vorübergehend zu Hause stattfindet. Für hohen Besuch muss deshalb vorübergehend weiter im Homeoffice vorübergegangen werden. Hauptsache, die Kamera ist dann auch – vorübergehend – an.

Immerhin war die Mitteilung korrekt gegendert. Ein Umstand, mit dem die gute alte Wartburg in der guten alten Stadt Eisenach gerade mächtig kämpft. Als dort neulich der verdiente Burghauptmann verabschiedet und eine Nachfolgerin ins Amt eingeführt wurde, wären wir, die wir zum Internationalen Frauentag einst Geschenke gebastelt haben, auf die kämpferische Idee gekommen, sie Burghauptfrau zu nennen. Das jedoch ist falsch. Wie wir einer Mitteilung der thüringischen Staatskanzlei entnehmen, lautet die korrekte Ansprache „Frau Burghauptmann“. Was uns zu der Frage bringt, ob der Regierungschef des Freistaats künftig mit „Herr Ministerpräsidentin“ anzureden respektive anzukündigen ist. Die neue Frau Burghauptmann erklärte, sie habe nichts gegen ihren Titel einzuwenden. Aber wie sagte der große Politologe Marcello Mastroianni: „Eine Frau, die ihren Widerstand aufgibt, geht zum Angriff über.“

Wer kühlt das heißgelaufene Parlament?

Könnte also gut sein, dass Thüringen künftig von der Wartburg aus regiert wird, auch weil der Landtag ja überhaupt nicht mehr zu einer Kampfabstimmung in der Lage wäre. Das Thüringer Parlament gilt inzwischen als das G36 der deutschen Volksvertretungen: ständig am Heißlaufen und gegen null gehende Trefferquote. Hier wäre nun etwas Kühlwasser von oben durchaus angebracht, wobei wir nicht überrascht sind, dass angesichts der politischen Geschehnisse in Erfurt selbst der Regen sauer wird und das Wetter den Kampf einstellt.

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