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Für das „beste Konzertprogramm der Welt“ gibt es noch Tickets

Selten hörte man den Intendanten Christoph Lieben-Seutter derart von seinen Konzertsälen schwärmen wie jetzt beim Neustart nach der Corona-Krise. So beschreiben Elbphilharmonie und Laeiszhalle ihr Programm für November mit dem nicht eben hanseatisch bescheidenen Titel „Das beste Konzertprogramm der Welt“. Tatsächlich ist das Angebot beachtlich, große Namen geben sich die Klinke in die Hand. Lieben-Seutter: „Als ich das Monatsprogramm studiert haben, ist mir plötzlich aufgefallen: Wow, anderswo wäre das ein Festival, bei uns ist das nur der November.“

Nebeneffekt: Weil die Karten immer nur für den nächsten Monat verkauft werden, gibt es sogar für Stars noch Tickets. Der Vorverkauf wird wieder langfristiger, wenn die Elbphilharmonie im Dezember grundsätzlich auf 2G-Regeln umstellt und wieder alle Plätze besetzen darf – wobei die letzte Entscheidung über 2G oder 3G beim jeweiligen Veranstalter liegt. Alle Mitarbeiter der Elbphilharmonie sind dann geimpft.

Der Intendant kann sich offenbar auf den Ruf seines Hauses verlassen, das Wahrzeichen zieht sofort wieder an. Er berichtet: „Kollegen andernorts sagen mir, dass es viel zäher ist, das Publikum zurückzugewinnen. Aber überall ist spürbar, dass sich die Lage verbessert.“ Das heimische Publikum profitiert davon, dass es derzeit noch deutlich weniger Städtetouristen gibt als vor der Pandemie: „Wir haben jetzt auch viele neue Kunden, die sich vor Corona nicht ein halbes Jahr vorher Gedanken darüber machen wollten, welches Konzert sie wohl mal besuchen oder die einfach keine Tickets bekommen haben.“

Auch jetzt gibt es zwar nicht für jeden Abend Karten. So sind die Konzerte von Geigerin Anne-Sophie Mutter ebenso ausverkauft wie Pianist Lang Lang, das Konzertgebouworkest Amsterdam unter Leitung des 25-jährigen Shooting-Stars Klaus Mäkelä, die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Kirill Petrenko und das London Philharmonic Orchestra unter Edward Gardner. Das gilt auch für hiesige Größen wie Pianistin Martha Argerich, die mit den Symphonikern Hamburg unter Sylvain Cambreling spielt oder das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Leitung des Gastdirigenten Manfred Honeck.

Aber drei Wochen vor dem Auftritt noch Karten für einen Abend mit Klaus Maria Brandauer und Sebastian Knauer am Klavier ergattern zu können, die sich auf Richard Wagners „Eine Pilgerfahrt zu Beethoven“ begeben, ist selten (Laeiszhalle, 15. November). Oder für den Pianisten Rudolf Buchbinder, der zwei Tage später als einer der führenden Interpreten des Meisters einen Beethovenabend gibt.

„Die Chance, tolle Musik zu entdecken“

Ebenso kostbar ist die Gelegenheit, wenige Wochen vor dem Konzert das Russische Nationalorchester unter Leitung von Kristjan Järvi mit Mikhail Pletnev am Klavier (16. November, Restkarten) oder fünf Wochen vor dem Konzert ein Ticket für ein von Teodor Currentzis geleitetes Konzert der musicAeterna zu bekommen. Der eigenwillig strenge, faszinierende griechisch-russische Dirigent und sein Orchester spielen die vierte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch und ein neues Werk des serbischen Komponisten Marko Nikodijevic (Elbphilharmonie, 28./29. November).

Lieben-Seutter: „Die Karten für Currentzis gibt es, weil das Orchester kurzfristig angeboten hat, das für den 28. November geplante Konzert zu wiederholen. Nachdem der erste Termin durch Vorbestellungen schon sehr gut ausgelastet war, haben wir zugegriffen.“ Aus diesen und ähnlichen Umständen erklärt der Intendant die qualitative Dichte des Programms insgesamt: „Das war weniger ein Masterplan, als vielmehr ein Ergebnis von langfristiger Planung, Verschiebung von Projekten in der Corona-Schließzeit und ganz kurzfristigen Gelegenheiten. Die Berliner Philharmoniker, das Concertgebouworkest Amsterdam und auch Teodor Currentzis hatten plötzlich noch Termine frei.“

Dazu kommt, dass das Musikangebot in der Elbphilharmonie sich nicht auf Klassik beschränkt. So machen just im November im Rahmen ihrer Tourneen auch die Liedermacher und Sänger Reinhard Fendrich (22.) und Konstantin Wecker (27.) in der Elbphilharmonie Station, holen dort ihre ursprünglich für 2020 geplanten Konzerte nach. „Das Kernprodukt ist eindeutig das Orchesterkonzert im Großen Saal“, sagt Intendant Lieben-Seutter, „wir machen aber auch viel Jazz und Weltmusik.“

Zur Weltmusik zählt der „Reflektor“ der indischen Sitar-Spielerin Anoushka Shankar. Sie gestaltet ein viertägiges Festival mit indischen Künstlern, auch aus London, „die hier in Hamburg noch niemand kennt“, so Lieben-Seutter. „Da geht es dann mit dem Vorverkauf nicht so schnell, aber da gibt es dann eben auch die Chance, tolle Musik zu entdecken.“

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