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Füssener Bauausschuss diskutiert über Balkone in der Hanfwerkesiedlung

Füssen –Wie soll die Stadt mit Bauanträgen, die die Altstadt betreffen, umgehen? Eine Diskussion darüber entbrannte jetzt im Füssener Bauausschuss.

Dass die Stadtverwaltung vier Bauanträge, welche die Altstadt betreffen, im Genehmigungsfreistellungsverfahren weitergeleitet hat, ohne sie vorher im Bauausschuss zu besprechen, stieß jetzt auf scharfe Kritik von Magnus Peresson (UBL), Dr. Martin Metzger (BfF) und Dr. Christoph Böhm (CSU). Denn ihnen ging es um den Denkmalschutz.

Konkret ging es um vier Balkone, die Antragsteller an ihre Wohnungen in der Hanfwerkesiedlung anbauen möchten. Dr. Christoph Böhm (CSU) wies darauf hin, dass es in dem Bereich einen Schwarzbau gebe, der doppelt so breit sei wie erlaubt. „Das darf nicht die Vorlage sein (für die neuen Bauanträge – Anmerk. der Red.)!“

Ich bin für eine etwas strengere Handhabe in solchen Dingen“

Das sei er auch gar nicht, wiegelte Andreas Linder vom städtischen Bauamt ab. Viel mehr seien die Balkone an zahlreichen anderen Häuser in der Straße genehmigt, wusste CSU-Stadtrat Christoph Weisenbach. „Die schauen genauso aus.“

„Ich bin für eine etwas strengere Handhabe in solchen Dingen“, meinte jedoch Magnus Peresson (UBL). Der Bauausschuss habe noch nie über diese Balkone diskutiert. Dabei sei die Hanfwerkesiedlung ein einmaliges Ensemble. „Darauf muss man aufpassen. Dafür ist der Bauausschuss da, damit er über solche Dinge wacht“, appellierte Peresson. Schließlich sei in der Vergangenheit, was historische Bauten angeht, sehr viel Schlechtes in Füssen passiert.

„Ich denke, da sind uns die Hände gebunden“, meinte jedoch Weisenbach. „Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat die Balkone in dem Bereich genehmigt.“

Nicht so sehr über die Balkone selbst, sondern über die Vorgehensweise ärgerte sich Dr. Martin Metzger (BfF). Die Verwaltung hätte einfach darüber informieren sollen, dass der Bauantrag mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt sei. „Dann hätten wir die ganze Diskussion nicht gehabt.“ Denn ihm war es ebenfalls wichtig, dass keine historischen Bauten verschandelt werden. Bei solchen Anträgen vertrete er deshalb die Devise: „Solange der Denkmalschutz nicht zustimmt, werde ich auch nicht zustimmen.“

Falsches Vorgehen?

Das widerspreche jedoch dem normalen Prozedere, erklärten Linder und Hauptamtsleiter Peter Hartl. Vor den Bauausschusssitzungen bespreche die Stadtverwaltung zwar die Tagesordnung mit dem Landratsamt Ostallgäu. Dabei werde geklärt, welche Behörde was prüfen müsse.

„Bei dieser Vorbesprechung ist die Denkmalpflege aber nicht dabei“, so Linder. Diese könne vorab zwar eine grobe Einschätzung geben, richtig prüfe sie den Antrag aber erst, wenn er bei ihr eingegangen sei. Und das sei im Endeffekt auch nur eine Empfehlung. Denn: „Das Landratsamt Ostallgäu entscheidet letztendlich“, unterstrich Hartl.

Für Peresson war das allerdings das falsche Vorgehen, wie er erklärte. Der Denkmalschutz sollte den Antrag vorher prüfen, damit die Kommunalpolitiker richtig informiert eine fundierte Entscheidung treffen können. Doch das sei vom „technischen Ablauf undenkbar“, meinte Hartl.

Beratung im Gremium

Vielleicht könne man diese Dinge klären, indem man den Kreisbaumeister in eine Sitzung des Gremiums einlädt, schlug Ilona Deckwerth (SPD) vor. Da in diesem konkreten Fall Denkmalschutz und Lebensqualität aufeinandertreffen, könne sie es nicht unterstützen, dass hier keine Balkone gebaut werden. Diese sollten sich aber dem Gesamtbau besser unterordnen.

Für einen anderen Kompromiss sprach sich CSU-Stadtrat Böhm aus. Er forderte, dass Anträge, die den Denkmalschutz und die Altstadtsatzung betreffen, nicht einfach von der Verwaltung ans Landratsamt weitergeleitet, sondern vorher im Bauausschuss vorgestellt werden. Das sei sowieso nicht möglich, wenn ein entsprechender Beschluss vorliegt, meinte Böhm und verwies auf Aussagen aus dem Landratsamt.