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Gastbeitrag: Warum viele Deutsche im „No Future“-Modus sind – und was das bedeutet

Spricht man mit Bürgerinnen und Bürgern über ihre Vorstellungen von der Zukunft, begegnet man einer resignativen Grundhaltung. Zwei Drittel der Deutschen befinden sich in einem „No Future“-Modus. Sie glauben nicht daran, dass die großen Probleme unserer Zeit gelöst werden können, und sie haben große Sorge vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft. Das mangelnde Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Staates forciert den Rückzug in private Nischen. Es wächst aber auch die Bereitschaft, allein oder mit Gleichgesinnten für eine lebenswerte Zukunft tätig zu werden.

Das sind zentrale Erkenntnisse einer repräsentativen und tiefenpsychologischen Untersuchung des Kölner Instituts „rheingold“ in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Stiftung für Philosophie „Identity Foundation“ in Düsseldorf.

Corona hat Verunsicherung verschärft

Die Corona-Krise hat die Verunsicherung der Menschen weiter zugespitzt und Zukunftsängste noch verstärkt. Denn fast alle haben die Erfahrung gemacht, dass ihr gewohntes Leben auf den Kopf gestellt wurde und der Rhythmus ihres Alltags aus dem Takt geraten ist. Freundschaften oder Beziehungen sind zerbrochen wegen sich vertiefender ideologischer Gräben im Hinblick auf den „richtigen“ Umgang mit dem Virus oder der Impfung. Zudem wurden viele Entscheidungen der Politik in der Corona-Krise als unzulänglich oder unangemessen erlebt.

Die Zukunfts- und Weltoffenheit der Menschen ist insgesamt stark geschrumpft. Viele denken nicht mehr in globalen, europäischen oder nationalen Dimensionen. Der Fokus ist vor allem auf den persönlichen Nahbereich, die eigene Familie oder das eigene Selbst gerichtet. Nur fünf Prozent der quantitativ Befragten engagieren sich selbst aktiv gesellschaftlich, jedoch nehmen 87 Prozent eine gestiegene Selbstbezüglichkeit der Menschen wahr.

Stabile Rente ein großer Wunsch vieler

Sinnbildlich haben sich viele Deutsche in ihr privates Schneckenhaus zurückgezogen. In ihrem kleinen Wirkungskreis umgeben sie sich mit Gleichgesinnten, hier verspüren sie Sicherheit und Selbstgewissheit, und hier keimt bei 64 Prozent auch die Hoffnung auf eine zumindest individuell gute Zukunft. Die eigene Zukunftssicherung in Form stabiler Renten und einer guten sozialen Absicherung steht für 70 Prozent an erster Stelle der persönlichen Wunschliste – weit vor dem Wunsch nach einer intakten Umwelt (50 Prozent).

Während die Welt drinnen im kleinen privaten Kreis noch als überschaubar und bewältigbar erlebt wird, türmen sich in der Welt da draußen schier unbezwingbare Problemberge auf: von der Delta-Variante des Coronavirus über die drohende Klimakatastrophe bis zum sozialen Klimawandel. So haben 83 Prozent Angst vor einer gesellschaftlichen Spaltung, 90 Prozent beobachten eine immer stärker werdende soziale Spreizung in Arm und Reich, und 91 Prozent nehmen eine zunehmende Aggressivität in der Gesellschaft wahr.

Die Menschen leugnen nicht, dass sie global und auch national vor Jahrhundert-Herausforderungen (Rente, bezahlbarer Wohnraum, Schulden, Pflegenotstand) stehen. Aber sie befinden sich in einem fundamentalen Machbarkeitsdilemma. Sie haben keine Idee, wie sie selbst oder die häufig als planlos erlebte Politik all diese gewaltigen Probleme lösen können. Die Zukunft erscheint so als ein riesiges Vakuum, das mal mit paradiesischen Erlösungshoffnungen gefüllt wird, mal mit finsteren Untergangsfantasien.

Aktivismus im persönlichen Nahbereich wird zur gefühlt einzigen Möglichkeit, der wahrgenommenen Aussichtslosigkeit etwas entgegenzusetzen. Vor allem die Lockdown-Erfahrungen haben zu einer neuen Form der Selbstwirksamkeit geführt. Angespornt durch die äußeren Beschränkungen, sind viele Menschen in Innenräumen aktiv und schöpferisch geworden. Kochen, Pflanzen, Renovieren – voller Stolz haben viele gespürt, dass sie im Kleinen etwas ausrichten können. Und das gibt 80 Prozent die Zuversicht, die Krise auch als Chance zu sehen.

Echte Beziehungen sind relevant

Auch die Sozialbezüge wurden neu geordnet und sortiert. An die Stelle der digitalen Kontakt-Maximierung trat die Suche nach echten und tragfähigen Beziehungen: Wer steht mir wirklich nahe? Wem kann und will ich vertrauen? Mit wem kann ich etwas bewegen? Vor allem die Flutkatastrophe hat gezeigt, zu welchen Formen der Solidarität ein Gemeinwesen fähig ist, das sich kollektiv handfesten Aufgaben stellt.

Die Fokussierung auf den Nahbereich hat das Machbarkeitsgefühl gestärkt, im Lokalen etwas bewirken und verändern können. Zukunftsprojekte ergeben sich dann aus den jeweils konkreten Lebens-Sphären – pragmatisch, praktisch, ganz real und als Kontrapunkt zu den oft als leer wahrgenommenen Versprechungen des Politikbetriebs. Die Einsicht wächst, dass Teilhabe zu einem Mehr an Zufriedenheit und Gemeinschaftsgeist führt. Offen und zu hoffen bleibt, dass diese Kräfte des gesellschaftlichen Zusammenwachsens weiter gestärkt werden.

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