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Gesund, regional und in Bio-Qualität: Mehr Wertschätzung für Lebensmittel

Die Menschen legen immer mehr Wert auf ihre Ernährung. Gastronomen reagieren auf diesen Trend. So gibt es zum Beispiel immer mehr vegetarische Kost.

Bad Tölz-Wolfratshausen – An diesem Samstag ist Welternährungstag. Der aktuelle Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zeigt, dass die Deutschen bewusster einkaufen und essen. Deutlich mehr Menschen kochten so gut wie jeden Tag selbst, heißt es in der Studie, die online nachzulesen ist unter www.bmel.de. Gemüse und Obst stünden demnach öfter auf dem Speiseplan, Fleisch und Wurst würden etwas weniger verzehrt als im vergangenen Jahr, besonders von Jüngeren.

Regional, gesund und in Bio-Qualität: Trend geht zu neuem Ess-Verhalten

Die Wertschätzung für Lebensmittel sei weiter gestiegen; die Verbraucher wünschten sich regionale Produkte und achteten verstärkt auf die artgerechte Haltung von Tieren. 42 Prozent würden für mehr Tierwohl auch mehr bezahlen. Direktvermarkter, Inhaber von Bioläden, Gastronomen und Marktleute im Landkreis können den Trend bestätigen.

Die Wolfratshauser Ernährungsberaterin Maria Pischeltsrieder glaubt, dass er auch nach Corona anhalten wird: „Die Menschen haben während des Lockdowns gemerkt, wie gut es schmeckt und wie gut es einem bekommt, wenn man selber frisch kocht. Auf ihr neu erworbenes Repertoire an Rezepten können sie jetzt zurückgreifen“.

Gute Qualität und aus der Region: Menschen achten auf Ernährung

Agnes Holzer vom Geretsrieder Bauernladen kann bestätigen, dass die Kunden immer größeren Wert auf Qualität und Regionalität legen – egal, ob bei Obst und Gemüse, bei Eiern, Milchprodukten oder Fleisch. Was sie allerdings nach dem sehr guten Geschäft während der Coronakrise jetzt feststellt, ist, „dass die Leut’ schon gerne wieder ins Wirtshaus gehen“. Das merke sie am Verkauf, gerade vor schönen Wochenenden. Aber unterm Strich gleiche es sich aus.

In der Gastronomie wiederum setzt allmählich ein Umdenken ein. Auf den Speisekarten alteingesessener, bayerischer Lokale finden sich immer mehr vegetarische und vegane Spezialitäten. Spitzkrautwickerl gefüllt mit Couscous-Gemüsefüllung auf Kürbiscreme hätte man vor einigen Jahren noch vergeblich beim Altwirt in Münsing gesucht. Der Humplbräu in Wolfratshausen weist auf die artgerechte Haltung der von ihm verarbeiteten Tiere hin und führt unter der Rubrik Fleischloses gleich sechs raffinierte Gerichte auf. Unter anderem gibt es Burger auch mit veganen Patties.

Vegane Gerichte werden beliebter

Anneliese Stockner vom Hirschbachstüberl in Lenggries setzt seit 2012 auf rein pflanzliche Kost, teilweise unter der Verwendung von Milchprodukten. Die Nachfrage steige, einen echten „Boom“ könne sie aber nicht erkennen, sagt Stockner. Zu ihr würden viele Münchner kommen, die Lenggrieser selber seien „eher nicht so vegetarisch unterwegs“. Einige hätten aber während der Schließung der Restaurants zur Abwechslung auch mal etwas bei ihr zum Mitnehmen bestellt. „Wenn weniger Fleisch gegessen würde, vielleicht nur einmal pro Woche, wäre für die eigene Gesundheit, aber auch für den Tier- und Umweltschutz schon viel erreicht“, sagt die überzeugte Veganerin, die sich mit 65 „topfit“ fühlt bei 70 Stunden Arbeit in der Woche.

Ökologisch und besonders regionale, ökologisch erzeugte Produkte seien seit Jahren gefragt, sagt Andreas Wegler, Geschäftsführer des Tölzer Alpenbiomarkts. Wegen der kritischen Berichterstattung in den Medien, etwa zur Massentierhaltung, habe sich das Einkaufsverhalten der Kunden geändert. Sie seien bereit, mehr Geld für Bio-Fleisch auszugeben. Auf der anderen Seite nehme die Anzahl der Kunden, die sich vegan oder vegetarisch ernährten, zu – zumal es auch immer mehr Ersatzprodukte wie Getreidemilch oder Sojaprodukte gebe. „In Summe bleibt das Verhältnis der Nachfrage aber nahezu ausgeglichen“, sagt Wegler.

Menschen geben mehr Geld für Lebensmittel aus.

Dass die Landkreisbürger bereit sind, für Qualität tiefer in die Tasche zu greifen, spürt ebenfalls Volker Reeh, Marktsprecher des Geretsrieder Wochenmarkts und Fisch- und Feinkosthändler auf den Märkten in Geretsried, Wolfratshausen und Bad Tölz. Während des Lockdowns hätten mehr Männer als sonst für die Familie bei ihm eingekauft. „Die geben mehr Geld aus als die Frauen, weil sie mehr Hunger haben“, meint Reeh mit einem Augenzwinkern. Erfreut stelle er fest, dass speziell Fisch beliebter geworden sei. Reeh hat nicht nur Meeresfische im Sortiment, sondern auch Fische aus heimischen Gewässern.

Ihre festen Stammkunden hat die Familie Häsch aus Dietramszell. Im Hofladen „Zum Bertenbauer“ verkauft Helene Häsch Eier und Schweinefleisch vom eigenen Hof sowie Käse, Bauernbrot und vieles anderes aus der Umgebung. Während der Corona-Krise seien viele Kunden aus Sicherheitsgründen hinzugekommen, erzählt sie. In einem kleinen Geschäft hätten sie die Gefahr einer Infektion geringer eingeschätzt. Ob sich das Interesse langfristig halten wird, kann Häsch noch nicht absehen. In den 21 Jahren seit Bestehen des Geschäfts habe es nach den diversen Lebensmittel-Skandalen immer wieder Hochphasen gegeben, so auch in Zeiten der Pandemie. Nichtsdestotrotz wirbt die Landwirtin aus Gesundheits- und Umweltgründen für den Kauf regionaler und saisonaler Produkte.

Apropos saisonal: Achtet man ein wenig darauf, was gerade geerntet wird, muss bio und regional nicht automatisch teuer sein.