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Gleich zwei Barbaras zieren die Wallfahrtskirche am Hohen Peißenberg

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Die erste Barbarafigur wurde im Dezember 1895 gekauft.
Die erste Barbarafigur wurde im Dezember 1895 gekauft. © Rudi Hochenauer

Hohenpeißenberg ist einer der wenigen Orte, in dem sich gleich zwei Barbarafiguren in einer Kirche befinden. Anlässlich des Barbaratags am 4. Dezember wird hier erzählt, wie es dazu kam.

Hohenpeißenberg – Die heutige Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Hohen Peißenberg hatte bis zum Jahr 1895 keine Barbarafigur, obwohl dort damals schon seit Jahrzehnten am Barbaratag ein eigener Festgottesdienst für die Bergleute, die im Hauptstollen arbeiteten, gehalten wurde. Am Hauptstollen befand sich bis zum Jahr 1875 die königliche Grubenverwaltung. Später wurde für die Beschäftigen der Unterbauschachtanlage, worauf sich der Kohleabbau in Hohenpeißenberg konzentriert hatte, der Barbaratag in der Bergkirche festlich begangen.

Eine Rechnung des Kunst- und Holzschnitzgeschäfts „Schilcher“ aus Oberammergau vom 1. Dezember 1895 gibt Auskunft über den Kauf einer Barbarafigur. Der Preis für diese Figur betrug 156 Mark und 90 Pfennige. Es handelte sich hier um eine Holzfigur in weichen Formen und nazarenischer Prägung mit einer Höhe von 1,30 Meter. Sie wurde unter Pfarrer Pfarrer Joseph Bartmann beschafft, der von 1886 bis 1896 Pfarrer auf dem Berg war. Bartmann war in Berchtesgaden geboren und kannte die Tradition um die heilige Barbara mit Sicherheit vom Salzbergbau in seiner Heimat.

Im Anschluss an den Gottesdienst am Barbaratag gingen die Bergleute in die Wirtschaft unweit der Kirche. An diesem Tag durften die Bergmänner von der Arbeit fernbleiben (Freischicht) und bekamen einen vollen Schichtlohn, so ist es in einem Bericht aus dem Jahre 1844 zu lesen. Der Barbaratag war früher der höchste Feiertag für die Bergleute.

Der Nachfolger von Pfarrer Bartmann wurde im November 1896 Felix Fischer. Unter ihm fand dann eine Sammlung für die erste Barbarafigur statt, bei der 138 Mark und 90 Pfennige zusammenkamen. Diese Barbarafigur wurde am 26. April 1899 feierlich geweiht, etwa dort, wo heute der untere Parkplatz ist. Diese schlanke Barbarafigur befand sich bis zum Jahr 1961 in der Bergkirche. Sie stand in vielen Jahrzehnten am Barbaratag geschmückt im Altarraum und wurde nach dieser Feier wieder an ihren angestammten Platz in die heutige Wallfahrtskirche zurückgebracht.

Als dann 1961 die neue Kirche „Auferstehung des Herrn“ Pfarrkirche wurde, wurde die Barbara vom Berg in die neue Kirche gebracht, wo sie für das Rorate der Bergleute benötigt wurde. Sie wurde im Turmraum und teilweise im Pfarrhaus aufbewahrt – mit ihrem Nazarenerstil und der damit verbundenen kühlen Ausstrahlung passte sie nicht in die moderne Kirche.

In der Wallfahrtskirche fehlte jetzt eine Barbarafigur. Was tun? Es wurde eine pragmatische Lösung gefunden: Eine Heilige, die heilige Anna, die von einem unbekannten Bildhauer aus dem 17. Jahrhundert stammt, war übrig. Diese Anna wurde in eine Barbara umgewandelt, indem sie eine Märtyrerpalme und einen Kelch verpasst bekam – die reifen Gesichtszüge der Anna, die Marias Mutter ist, konnten natürlich nicht wegretuschiert werden. Aus heutiger Sicht ein kulturhistorischer Frevel. Nachdem die Barbarafigur in der Pfarrkirche im Ort dann rund 40 Jahre später nicht mehr benötigt wurde, kam diese wieder auf den Berg zurück und wurde jetzt im Altarraum aufgestellt. So stehen zwei heilige Barbaras in der Wallfahrtskirche in unmittelbarer Nähe im Kirchenraum beiein-ander.

Aus Anna wurde Barbara: Die Figur wurde 1961 umgestaltet.
Aus Anna wurde Barbara: Die Figur wurde 1961 umgestaltet. © Rudi Hochenauer

Immer am Vorabend des ersten Advents findet das Rorate, auch „Engelamt“ genannt, für die verstorbenen Bergleute in Hohenpeißenberg statt. An diesem Tag wurde früher die Barbarafigur von ihrem Stammplatz an der Wand abgehängt und in Nähe des Altars auf ein Podest gestellt. Da es sich um die Bergbauheilige handelt, werden zu ihren Füßen bergmännische Utensilien aufgestellt. Meist sind es Grubenlampen, Schachthüte und Kohlestücke. Nicht fehlen darf die Christrose, jene Blume, die in der Winterszeit blüht und ein Symbol des Lichts ist. Selbst Bergleute, die der Kirche nicht besonders nahestanden, ließen auf die heilige Barbara als ihre Schutzpatronin nichts kommen. Der Brauch um die heilige Barbara, der auch in Peiting und Peißenberg begangen wird, wird, kann sich auf eine lange gelebte Tradition berufen.

Seit über 20 Jahren befindet sich zudem am Eingang zum Hauptstollen in Hohenpeißenberg eine Barbarafigur aus Bronze. Mitglieder des Knappenvereins hatten dafür eine gemauerte Nische errichtet und den Zugangsbereich zum Hauptstollen entsprechend gestaltet.

Diese Bronze-Barbara wurde 1999 vom Hohenpeißenberger Frauenbund in Auftrag gegeben und finanziert. Der Anlass war damals das 70. Gründungsfest des Frauenbunds. Eine Gedenktafel in unmittelbarer Nähe erinnert an die schwere und gefährliche Arbeit der Bergleute, der der Ort seinen wirtschaftlichen Aufschwung verdankt.

Die Barbaraglocke am Hauptstollen: Diese Stahlglocke hing über 60 Jahre im Turm der Wallfahrtskirche auf dem Berg.
Die Barbaraglocke am Hauptstollen: Diese Stahlglocke hing über 60 Jahre im Turm der Wallfahrtskirche auf dem Berg. © Rudi Hochenauer

Direkt neben dem Hauptstollen befindet sich heute die stählerne Barbaraglocke, welche bis zum Jahr 2012 im Kirchturm der Wallfahrtskirche hing. Damals wurde vom Förderverein „Freunde der Wallfahrtskirche“ ein neues Geläut mit Bronzeglocken für die Wallfahrtskirche beschafft, dadurch wurde die alte Barbaraglocke frei für eine andere Verwendung.

Diese zwei Tonnen schwere Glocke wird am Barbaratag, an diesem Samstag, 4. Dezember, zu Ehren der Schutzheiligen der Bergleute wieder erklingen. Sie wird um 16 Uhr von Hand geläutet und grüßt auch alle, die den Vornamen „Barbara“ tragen, zum Namensfest.

VON RUDI HOCHENAUER

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