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Gotzinger Trommel: Die Tölzer „täten sie schon nehmen“

Die „Gotzinger Trommel“, die bei der Mordweihnacht 1705 mitgeführt wurde, wird in Miesbach nicht mehr ausgestellt. Damit das endlich wieder geschieht, wünschen sich die Gotzinger Gebirgsschützen, dass sie an ein Museum, zum Beispiel Bad Tölz, verliehen wird.

Bad Tölz/Miesbach – Im Bayernteil des Münchner Merkur war jüngst zu lesen, dass die Stadt Miesbach das berühmte Stück nicht mehr zeigt und sie nur mehr in einem Depot für ein mögliches künftiges Museum aufbewahrt. Die Pläne, dieses Museum in einem ehemaligen Kloster unterzubringen, haben deutlich geringere Chancen, seitdem dort ein Kinderhaus einziehen soll.

Museumsstück gehört der Gemeinde Weyarn

Diese berühmte Museumsstück der bayerischen Gebirgsschützen nur mehr ein eingelagertes Depotstück? Das wollte die Gebirgsschützenkompanie „Gotzinger Trommel“ so nicht hinnehmen und wandte sich in einem Brief an den Weyarner Bürgermeister. Die Gemeinde Gotzing, formell Besitzer der Trommel, gehört heute zu Weyarn.

Bekanntestes Symbol von 1705 war bei vielen Landesausstellungen

In dem Schreiben der GSK Gotzing vom 4. Oktober wird zunächst erläutert, dass die „Trommel als bekanntestes Symbol für 1705“ schon bei diversen Landesausstellungen gezeigt worden sei. Wie es scheine, werde sie nun auf absehbare Zeit in Miesbach nicht mehr öffentlich zu sehen sein. Die GSK bitte den Bürgermeister deshalb zu prüfen, ob das Original der Gotzinger Trommel nicht aus Miesbach wieder abberufen werden könne und „als Leihgabe einem aktiven Heimatmuseum in der Region zur Verfügung gestellt wird“. Vorgeschlagen werden „die Heimatmuseen Bad Tölz, Schliersee oder Tegernsee“.

Der Vorstoß der Gotzinger hat in Bad Tölz überrascht. Zweiter Bürgermeister Christof Botzenhart, Historiker und Kulturreferent, will den Eindruck, dass sich die Stadt Tölz aufdrängt, unbedingt vermeiden und keinesfalls aktiv um das wertvolle Stück werben. Aber, sagt er: „Wenn man sie uns anbietet, täten wir sie schon nehmen.“

Landeshauptmann will neutral bleiben, aber...

Martin Haberfellner aus Kochel, Landeshauptmann der bayerischen Gebirgsschützen, gibt sich auf Anfrage auch erst mal ganz neutral: „Aus diplomatischen Gründen halte ich mich da raus.“ Im weiteren Gespräch betont er aber schon die Symbolkraft des historischen Objekts. Nicht umsonst werde die Trommel immer wieder bei Ausstellungen gezeigt. Sie nur in einem Depot aufzubewahren hält er nicht für richtig. Die Idee, die Trommel in einem bestehendes Museum (Tölz, Tegernsee, Schliersee) öffentlich auszustellen, sei „interessant“. Schließlich würden sie dort auch Leute zu Gesicht bekommen, die mit dem Schützenwesen sonst gar nichts am Hut haben.

Sie ist sogar noch älter als die Trommel: die Landfahne der Gebirgsschützen, die 1616/17 entstand und wohl in Sendling 1705 mitgeführt wurde. Heute wird das wertvolle Stück im Tölzer Stadtmuseum aufbewahrt.

Und was sagt die Tölzer Museumsleiterin zu dem Vorschlag der GSK Gotzing? Elisabeth Hinterstocker lebt selbst in Valley, einem wichtigen Zentrum der damaligen Aufstandsbewegung. Und, ja, sie kann sich persönlich so eine Leihgabe nach Tölz vorstellen. Nach der Neukonzeption des Tölzer Stadtmuseums gebe es ja sogar einen eigenen Raum für die Zeit der Erbfolgekriege und ihrer Konsequenzen hierzulande.

Im Tölzer Museum ist auch die zweite wichtige „Reliquie“ von 1705: die Landfahne

Dort ist auch die zweite „Reliquie“ des Volksaufstands von 1705 zu sehen: die restaurierte weiß-blaue Landfahne mit Patrona Bavariae der Gebirgsschützen von 1616/17. Sie wurde wohl von Tölzer Schützen bei dem in einem Blutbad endenden Aufstand der Bayern gegen die österreichischen Besatzer mitgetragen. In Tölz sei die Erinnerung an die Sendlinger Mordweihnacht noch vielfach lebendig, sagt Hinterstocker und verweist auf die Fresken am Marienstift (Schmied von Kochel) und die Leonhardikapelle, die von Überlebenden des Aufstands gestiftet wurde.

Antrag für Museumsdiskussion im Miesbacher Stadtrat ist schon gestellt

Die öffentliche Diskussion um die Gotzinger Trommel haben inzwischen die Politik erreicht, was wohl auch im Sinne der Gebirgsschützen war. Sie hatte ihren Vorschlag der Leihgabe an ein Museum in Tölz, Tegernsee und Schliersee mit dem Zusatz versehen, man könne die Trommel ja wieder zurückbeordern, wenn die Stadt Miesbach wieder ein Heimatmuseum eröffne. Wie da die Chancen stehen, wird man in einer der nächsten Stadtratssitzungen in Miesbach erfahren. Die FWG-Fraktion hat einen Antrag über die Realisierungsmöglichkeiten eines Heimatmuseums gestellt.