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Grenze zwischen Demenz und Schusseligkeit: Ärzte und Angehörige diskutieren über Krankheit

Wo liegt die Grenze zwischen Demenz und Schusseligkeit? Was gilt für Diagnose und Betreuung? Bei einer Podiumsdiskussion haben sich Experten darüber unterhalten.

Miesbach – Es ist ein beklemmendes Szenario. Landrat Olaf von Löwis spaziert durch den Ort. Ihm kommt ein naher Bekannter entgegen. Barfuß. Verwirrt. „Er erkennt mich nicht.“ Löwis schluckt – und schließt: „Ein furchtbares Gefühl.“ Der Bekannte war an Demenz erkrankt.

Seine Geschichte hat Löwis am Mittwochabend erzählt – zur Eröffnung der Podiumsdiskussion „Was geht? – Was bleibt?“ im Waitzinger Keller. Rund 40 Gäste waren der Einladung von Landkreis-Seniorenbeauftragter Christine Dietl anlässlich der Bayerischen Demenzwoche gefolgt. Stephen Hank, Redaktionsleiter der Heimatzeitung, führte Experten und Angehörige durch die Diskussion. Das Ziel: Aufklärung über die Krankheit und die Unterstützungsmöglichkeiten.

Demenz: Erkrankung und Diagnose - Experte nimmt Medikamente ins Visier

Löwis gestand mit Blick auf die eigene Schusseligkeit: „Ich frage mich: Sind das erste Demenz-Anzeichen?“ Moderator Hank reichte die Frage an Prof. Dr. Stefan Lorenzl weiter. Der Chefarzt für Neurologie am Krankenhaus Agatharied sagte: „Ab dem 50. Lebensjahr ist es normal, bei Namen und Gesichtern zu überlegen.“ Anders bei Orientierungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten: „Das sind ernste Anzeichen.“ Steckt dann wirklich Demenz dahinter? Klarheit schafften ein Screeningtest, Röhren-Untersuchungen oder die Untersuchung des Hirnwassers, sagte Lorenzl.

Zur Entstehung der Krankheit ergänzte Prof. Dr. Michael Riedel, Ärztlicher Direktor des Marion von Tessin Memory Zentrums: „Es gibt die erbliche Komponente.“ Aber: Sie spiele eine untergeordnete Rolle. Auch organische, reversible Ursachen seien entscheidend. Ähnlich die Ernährung, in hohem Alter oft von Medikamenten beeinflusst. Riedel warf die Frage auf: „Wenn ich 15 Tabletten schlucke: Habe ich dann noch Hunger?“

Versuche an Impfstoffen gibt es laut Dr. Hans Brunner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Schön Klinik Bad Aibling, viele. „Die Krux ist, dass es kein menschenähnliches Modell zum Testen gibt.“ Bisher scheiterten Versuche an Nebenwirkungen. Andere Präventionsmöglichkeiten sieht Lorenzl darin, das Hirn aktiv zu halten. Auch der soziale Einschnitt der Pandemie könne Folgen haben, warnte er.

Belastung für Angehörige - „Auszeiten sind wichtig“

Brigitte Schütz kennt das sehr gut. Die Angehörige erzählte, ihr erkrankter Ehemann habe früher mit vielen Freunden Geburtstag gefeiert. Übrig geblieben sind eine Handvoll. Eine Dame kommt zum Kreuzworträtseln. Ein Mann hilft beim Baden. Unter den Helfern teilt Schütz das Pflegekassengeld auf. „Ich bin angebunden, überrede meinen Mann zum Spaziergehen, versuche, ihn einmal am Tag zum Lachen zu bringen.“ Zweimal pro Woche nutze sie eine Tagespflege. „Auszeiten sind wichtig, um Kraft zu schöpfen.“ Ihr größter Wunsch? „Dass mein Mann länger zuhause bleiben kann. Er fühlt sich wohl – und ich bin froh, dass er da ist.“

Beim Ehemann von Gabriele Koch-Neubauer hat sich die Krankheit ebenfalls eingeschlichen. „Er fragte oft: Wer bist du denn?“ Freunde hielten das für Ironie und fanden es lustig, erzählte Koch-Neubauer. Bis die Diagnose stand. „Das war eine Erleichterung.“ Ihr Mann werde mittlerweile in einem Pflegeheim betreut. „Es war die richtige Entscheidung“, sagte sie.

Angela Schattenhofer, beim Hospizkreis Leiterin eier Selbsthilfegruppe für Angehörige, schätzt den Rollentausch in der Partnerschaft als größte Belastung ein. „Angehörige vereinsamen, sind überfordert, Kontakte brechen ab.“ Das Leben wandle sich um 180 Grad.

Darf man Demente in diesem Wandel belügen? Lorenzl verneinte diese Publikumsfrage. Zur Konfliktvermeidung könne man jedoch eine „alternative Realität“ schaffen – so lange sie dem Betroffenen nicht schadet und es nicht um existenzielle Fragen geht. Auch Riedel riet mit Blick auf die Aggressivität mancher Erkrankter: „Dann war eben gestern der Himmel grün.“

Betreuung und Unterstützung: „Kein Patient wird zugeben: Ich hab‘ das“

Hat man den Verdacht, dass ein Angehöriger erkrankt sein könnte, helfe irgendwann nur sanfter Druck auf die Betroffenen, ärztlichen Rat einzuholen. „Kein Patient wird zugeben: Ich hab’ das“, sagte Riedel. Im Bedarfsfall finde auch ein Arztbesuch zu Hause statt. Ob das Betreuungs- und Pflegeangebot im Landkreis reiche, wollte Hank schließlich wissen. Der Landrat gestand: „Da sind wir nicht sehr gut.“ Er wolle sich des Themas mehr annehmen. Riedel schlug Wohn-WG’s mit Therapieplätzen vor, Nachtkliniken oder Kriseninterventionsteams. „Kein Staat schafft es, Demenzbetreuung zu institutionalisieren“, gab Lorenzl zu bedenken. WG’s seien aber ein Anfang.

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