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Größtes On-demand-Angebot im Nahverkehr: Mit Emil elektrisch ans Ziel

Der Bedeutung von „Emil“ angemessen, hatten die Verkehrsminister von Bund und Land aus Berlin und Wiesbaden jeweils eine Videobotschaft geschickt. Andreas Scheuer (CSU) lobte die „Mobilität von morgen“ und sprach davon, dass das Smartphone als persönlicher Mobilitätsmanager nun noch wichtiger werde. Und Tarek Al-Wazir (Die Grünen) sprach von einem „hör- und riechbaren“ Fortschritt für den öffentlichen Personennahverkehr im Land. Eigentlich ist es ein nicht hörbarer und nicht riechbarer Fortschritt, denn die gelb, weiß und grün lackierten Kleinbusse schnurren abgasfrei und elektrisch über die Taunussteiner Straßen. Für den Namen „Emil“ hatten sich die Taunussteiner in einer Befragung entschieden.

Oliver Bock

Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

Für den Prototyp gab es am Freitag gegenüber der zentralen Taunussteiner Bushaltestelle einen großen Bahnhof mit viel Prominenz. Am Montag soll dann der Alltag für die Kleinbusse beginnen. Über eine App für das Smartphone, die in wenigen Wochen in die dann neu gestaltete RMV-App integriert wird, kann das Taunussteiner On-demand-Shuttle bestellt werden.

In der App sind im Stadtgebiet rund 1000 virtuelle Haltestellen für den Kleinbus vorgegeben, die er auf Wunsch ansteuert. Virtuell, weil es dort keine Wartebank und keine Haltestellenschilder gibt Es ist vielmehr der Treffpunkt, wo der Passagier in den Bus einsteigen kann. Die App nennt auch die voraussichtliche Ankunftszeit des Busses. Gegebenenfalls werden auf der Route zum gewünschten Ziel weitere Passagiere an Bord genommen. Bis zu sechs Passagiere dürfen zusteigen. Während der Pandemie ist ihre Zahl allerdings auf vier beschränkt. Egal wo ein Bürger in Taunusstein wohnt: Weiter als 150 Meter von seinem Haus soll der nächstgelegene Haltepunkt nicht entfernt sein. Und länger als 15 Minuten soll die Wartezeit nicht dauern.

Ein „intelligenter Algorithmus“ soll die jeweils ideale Strecke bei mehreren Personen und unterschiedlichen Zielen berechnen und dem Fahrer die Route vorgeben. Die App wurde von der Bahn-Tochtergesellschaft IOKI entwickelt. Bezahlt werden kann bargeldlos via die App oder beim Fahrer mit Kredit- und EC-Karte.

Die zunächst fünf Busse, von denen einer auch barrierefrei ist, sollen von Montag bis Donnerstag zwischen 5.30 Uhr und 22.30 Uhr in den zehn Taunussteiner Stadtteilen unterwegs sein. Am Freitag und Samstag endet der Service erst um 0.30 Uhr, am Sonntag wird zwischen 8.30 und 22.30 Uhr gefahren. Wer nicht ohnehin eine gültige Wochen-, Monats- oder Jahreskarte für Taunusstein hat, zahlt 1,50 Euro als Grundpreis, weitere 1,50 Euro als Komfortzuschlag und 15 Cent je Kilometer. Eine vier Kilometer lange Strecke soll nach einer Beispielrechnung des RMV 3,45 Euro kosten.

Emil löst den Komfortbus ab

Das soll attraktiv genug sein, um mehr Autofahrer zu bewegen, bisweilen Emil zu nutzen. Geladen werden die Fahrzeuge über eine von der Stadt Taunusstein eigens errichtete Ladeinfrastruktur auf der neuen Park-and-ride-Anlage in Bleidenstadt. Emil löst den seit 2003 in Taunusstein fahrenden Komfortbus ab.

RMV-Geschäftsführer: Knut Ringat vor dem ebenfalls elektrischen Easy-Shuttle

RMV-Geschäftsführer: Knut Ringat vor dem ebenfalls elektrischen Easy-Shuttle : Bild: Lakuntza, Nerea

RMV-Geschäftsführer Knut Ringat sieht in dem Shuttle eine Ergänzung, keine Konkurrenz zum bestehenden ÖPNV-Angebot, auch wenn der Kleinbus sogar für Strecken gebucht werden kann, auf denen ohnehin ein regulärer Omnibus unterwegs ist. Ringat will mit dem komfortablen Angebot „neue Fahrgastgruppen“ ansprechen. Insgesamt werden zehn hessische Kreise und Kommunen an das On-demand-System angeschlossen. Darmstadt („HeinerLiner“) und der Kreis Offenbach („Hopper“) waren schon vorgeprescht, Frankfurt soll mit „Knut“ im Oktober folgen. Der Bund unterstützt den RMV dabei bis ins Jahr 2024 mit 27 Millionen Euro. Bis zum Jahresende sollen 1,8 Millionen Bürger im Einzugsgebiet der Shuttlebusse wohnen, deren Zahl zunächst auf 100 steigen soll. 2022 könnten weitere 50 hinzukommen.

Thomas Brunke, der Geschäftsführer der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft, hofft ebenfalls, dass mehr Bürger ihr Auto stehen lassen und in den mit Strom aus regenerativen Quellen geladenen Kleinbus steigen. Der für den Nahverkehr zuständige Dezernent im Kreis, Günter Döring (SPD), sieht in dem Taunussteiner Projekt eine „Blaupause für den gesamten Landkreis“. Auch Ringat hält ein flächendeckendes Angebot in einem Kreis für möglich. Abrufbar soll Emil auch für jene sein, die kein Smartphone zur Verfügung haben. Die Bestellung, so wurde versichert, sei auch über das gute alte Telefon möglich.

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