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„Guckt euch um, es sterben Leute“ – Berliner Mediziner fordern dritte Impfung

Berliner Mediziner haben dazu aufgerufen, angesichts der steigenden Zahl von Corona-Fällen die Möglichkeiten für eine Auffrischungsimpfung zu nutzen. Es müsse eine Diskussion losgehen über die Drittimpfung, sagte der Allgemeinmediziner Malik Böttcher am Mittwoch in der RBB-„Abendschau“.

Das sieht auch der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid so: „Grundsätzlich muss man sagen, guckt euch um: Es werden Leute krank, es sterben Leute. Es ist real, es ist nicht eingebildet. Und je weniger ihr geimpft seid, desto größer wird das Problem für euch.“

Auch der Virologe Klaus Stöhr rief dazu auf, sich die sogenannte Booster-Impfung zu überlegen. „Impfstoff ist da, es gibt genügend Betriebsärzte, es gibt Hausärzte, es gibt Impfzentren, da braucht man sich nicht anstellen.“ Die Ständige Impfkommission empfiehlt Auffrischungsimpfungen unter anderem für Menschen ab 70 Jahre und solche mit geschwächtem Immunsystem. Angeraten werden sie auch für Pflege- und medizinisches Personal mit direktem Kontakt zu Patienten sowie Menschen, die den Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen haben.

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Der Vatikan hat damit begonnen, Personen über 60 Jahren oder mit angeschlagenen Immunsystemen eine dritte Impfdosis gegen das Coronavirus zu verabreichen. Das teilte der Heilige Stuhl am Mittwoch als Reaktion auf Anfragen mit, ob Papst Franziskus schon zum dritten Mal geimpft sei. Vatikan-Sprecher Matteo Bruni bestätigte das zwar nicht direkt. Dem Vernehmen nach ist aber davon auszugehen, dass der 84 Jahre alte Argentinier die dritte Dosis des Vakzins erhalten hat. Der Mitteilung zufolge wurde im Kirchenstaat „in der zweiten Hälfte des Oktobers“ mit der dritten Impfrunde gegen Covid-19 begonnen.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek und die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim erhalten den Hessischen Kulturpreis 2021. Die Laudatio auf die beiden Preisträgerinnen wird Cieseks Berliner Kollege Christian Drosten halten, wie die Landesregierung am Mittwoch in Hessen bekanntgab. Drosten und Ciesek gestalten gemeinsam den vielfach ausgezeichneten NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“.

Der Preis wird am kommenden Freitag (5. November) von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Audimax des Frankfurter Universitätsklinikums überreicht. Die Auszeichnung ist mit 45 000 Euro dotiert und laut Land Hessen der höchstdotierte Kulturpreis der Bundesrepublik Deutschland.

Die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt wird wie Nguyen-Kim „für ihre Verdienste in der Corona-Pandemie“ ausgezeichnet. Ciesek wurde vom Land Hessen im Oktober bereits mit einer „Loewe“-Spitzen-Professur geehrt. Damit erhält die Wissenschaftlerin fünf Jahre lang Fördergelder in Höhe von 1,4 Millionen Euro.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich besorgt über deutlich steigende Corona-Zahlen gezeigt und mahnt zu weiter nötigen Schutzvorgaben. „Wir wissen, dass sich regional in Krankenhäusern wieder schwierige Zustände ankündigen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin.

Für die Kanzlerin stelle sich die Frage, ab welchem Warnwert etwa bei der Krankenhausbelegung auch über zusätzliche Maßnahmen zu beraten wäre. Auch die nun noch geschäftsführende Bundesregierung wäre in einem solchen Fall einer weiteren Zuspitzung der Lage jederzeit bereit, darüber mit den Ländern zu sprechen.

Aus Sicht Merkels sei es richtig und notwendig, dass nach Plänen der möglichen künftigen Regierungspartner SPD, FDP und Grünen viele Schutzmaßnahmen als Möglichkeit erhalten bleiben sollten, sagte Seibert. Die drei Fraktionen wollen die vom Bundestag festgestellte „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ als bisherige Grundlage für Corona-Vorgaben zum 25. November auslaufen lassen. Für eine Übergangszeit bis 20. März 2022 soll aber eine neue Rechtsbasis geschaffen werden.

Damit sollen die Länder weiterhin „weniger eingriffsintensive“ Maßnahmen anordnen können – unter anderem zu Masken oder Zugangsregeln nur für Geimpfte, Genesene und Getestete.

Seibert machte deutlich, dass aus Merkels Sicht die bisherige Verbindung zwischen der festgestellten Sonderlage und den Maßnahmen in der Pandemie bewährt und sinnvoll ist. Über Neuregelungen hätten nun aber der neue Bundestag und der Bundesrat zu entscheiden.

Das Gesundheitsministerium verwies auf die eigene Einschätzung, dass der Status der Sonderlage angesichts der erreichten Impfquote auslaufen könne. Für den Herbst und Winter seien aber weiterhin Schutzmaßnahmen nötig. Das Ressort werde SPD, Grünen und FDP Unterstützung beim Formulieren eines konkreten Gesetzentwurfs leisten.

In den baltischen Staaten breitet sich das Coronavirus weiter rasant aus: Trotz neuer Einschränkungen erreichte in Lettland und Estland die Zahl an Neuinfektionen mit 3206 und 2025 Fällen binnen 24 Stunden am Mittwoch den jeweils höchsten Wert seit Beginn der Pandemie. Auch in Litauen gehen die Infektionszahlen weiter nach oben. Nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörden wurden in Lettland in den vergangenen 14 Tagen rund 1737 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner registriert, in Estland waren es 1408 und in Litauen 1365. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC weist für die drei Ostseestaaten aktuell die höchsten Infektionsraten in Europa aus.

Das milliardenschwere Corona-Sondervermögen des Landes Hessen ist verfassungswidrig. Das hat der hessische Staatsgerichtshof in Wiesbaden entschieden. Die haushaltsrechtlichen Kompetenzen seien überschritten worden, begründete das Gericht am Mittwoch seine Entscheidung. Es hätte andere Formen der Krisenbewältigung gegeben. Das Gesetz zum Sondervermögen sei mit der Landesverfassung unvereinbar.

Das kreditfinanzierte Sondervermögen des Landes hat ein Volumen von insgesamt zwölf Milliarden Euro. Mit dem Sondervermögen sollen die Folgen der Corona-Krise abgemildert werden. Bis Ende 2023 dürfen die Kredite aufgenommen werden, beispielsweise um Steuerverluste des Landes und der Kommunen auszugleichen.

Die Aussetzung von Patenten auf Corona-Impfstoffe hätte nach Auffassung von Bill Gates nicht zu einer weltweit gerechteren Verteilung geführt. „Das ist das Dümmste, was ich je gehört habe“, sagte der Milliardär und Gründer der Bill- und Melinda-Gates-Stiftung, die weltweit Milliarden in Gesundheitsprogramme und Impfkampagnen investiert, im Interview mit „Zeit Online“.

Weiter betonte er: „Wir werden Mitte 2022 in Impfstoff schwimmen.“ Ironisch fügte er hinzu: „Aber wenn man den Erfindergeist in der Pharmabranche abwürgen will, dann ist das Aussetzen von Patenten brillant. Man sollte immer damit drohen, dass die Firmen keinen Patentschutz haben werden.“

Dass der Corona-Impfstoff weltweit nicht fair verteilt wurde, liegt nach Gates‘ Einschätzung unter anderem daran, dass die USA ihrer Führungsrolle nicht gerecht geworden sind. „Die USA nahmen an keiner Diskussion dazu teil, wie die Welt die Pandemie gemeinsam bewältigen könnte“, sagte er. Deutschland hingegen sei zu einem der wichtigsten Geberländer für die globale Gesundheit geworden. „Ich wünschte, mehr Deutsche wüssten davon und könnten nach Afrika reisen und dort den Nutzen sehen“, sagte Gates.

Dennoch sieht der Stiftungsgründer die weltweite Impfstoffverteilung nicht unkritisch. „Keine junge Person hätte den Impfstoff bekommen sollen, bevor ältere Menschen in Brasilien, Südafrika oder im Rest von Afrika geimpft wurden“, sagte er. Dass es dem Impfprogramm Covax bis heute nicht gelungen ist, genügend Impfstoff an ärmere Länder zu liefern, liege an der Auswahl der Impfstoffe, aber auch an einem indischen Exportstopp für das Präparat von AstraZeneca, erklärte er. Die von der Gates-Stiftung vorangetriebene und bei der Weltgesundheitsorganisation WHO angesiedelte Covax-Initiative setzt sich für eine gerechte globale Verteilung der Impfstoffe ein.

In der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen für Kinder und Jugendliche einer Erhebung zufolge gestiegen. Sie erhöhte sich im ersten Halbjahr dieses Jahres um acht Prozent gegenüber der vorpandemischen Vergleichsperiode der ersten sechs Monate 2019, wie das Zentralinstitut (Zi) für die kassenärztliche Versorgung am Mittwoch in Berlin mitteilte.

„Die starke Zunahme bei der kinder- und jugendpsychotherapeutischen Versorgung gibt Anlass zur Besorgnis“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. 

Die Ampel-Parteien wollen die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ Ende November auslaufen lassen und zugleich eine Übergangsregelung für künftige Corona-Maßnahmen schaffen. „Wir legen den Ländern einen Instrumentenkasten auf den Tisch, damit sie je nach Infektionslage handeln können“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPD und FDP.

Angesichts steigender Corona-Zahlen bei Kindern und Jugendlichen und eines fehlenden Impfstoffs für Kinder unter zwölf Jahren fordert der Deutsche Lehrerverband (DL) bundesweit die Wiedereinführung der Maskenpflicht an Schulen.

„Wir befinden uns bei den Infektionszahlen in der Altersgruppe der Schülerinnen und Schüler derzeit bereits auf einem Niveau, das deutlich höher liegt als vor einem Jahr, wo wir bekanntlich dann ab Mitte Dezember die Schulen wieder schließen mussten“, sagt der DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ („RND“).

Dies gelte es „unter allen Umständen zu vermeiden“. Die Maskenpflicht müsse vor allem an Grundschulen wieder eingeführt werden. Grund sei ein fehlender Impfstoff für Kinder zwischen fünf und elf Jahren.

In Tschechien steigen die Corona-Zahlen weiter kräftig an. Die Behörden verzeichnen am Mittwoch mit 6274 Neuinfektionen den höchsten Wert seit dem 7. April. Damit haben sich die Zahlen in dem Land mit 10,7 Millionen Einwohnern binnen einer Woche fast verdoppelt. Auch Tschechien kämpft mit einer neuen Corona-Welle. Die Zahl der Covid-19-Patienten war bis Dienstag auf 1146 gestiegen von 249 Anfang des Monats, 166 Patienten davon befinden sich auf der Intensivstation, wie aus Daten des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Allerdings liegen die Zahlen noch deutlich unter den Höchstständen des vergangenen Winters. Die Impfkampagne nahm zuletzt Fahrt auf: Fast 6,1 Millionen Menschen in Tschechien sind inzwischen vollständig geimpft.

Der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Stefan Kluge, warnt vor deutlich steigenden Corona-Zahlen in den kommenden Wochen. Als Grund für den Anstieg nannte er in einem Interview der „Bild“ Reiserückkehrer und die kältere Witterung. „Das wird schon deswegen eine Herausforderung, weil das Pflegepersonal immer knapper wird. Für die Versorgung von zwei Covid-Patienten brauchen wir pro Tag allein drei Pflegekräfte“, sagte Kluge der Zeitung.

Hinzu komme, dass viele Menschen sich in scheinbarer Sicherheit wiegen. „Doch anders als letztes Jahr, wo die Maskenpflicht streng eingehalten wurde, wird es mehr Grippe-Patienten geben.“

Noch sei die Lage entspannt, „doch die Zahlen steigen langsam, aber kontinuierlich“. Derzeit werden Kluges Angaben zufolge am UKE neun Patienten im Alter von Ende 20 bis 70 Jahren auf der Intensivstation behandelt. Sechs davon müssen beatmet werden. Fast 90 Prozent seiner Patienten seien ungeimpft. „Gerade bei den älteren Menschen und Risiko-Patienten ist das für mich unbegreiflich.“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hadert angesichts der bevorstehenden feuchten und kalten Monate mit den Impfzahlen im Land. „Ich finde es wirklich frustrierend, dass wir bei einer Impfquote von knapp unter 70 Prozent herumdümpeln“, sagte der Regierungschef der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Man könne viel weiter sein, wenn mehr Menschen den einfachsten Weg aus der Pandemie mitgehen würden, indem sie sich impfen ließen.

Zur Steigerung der Quote hofft der SPD-Politiker, in absehbarer Zeit über einen zuverlässigen Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren zu verfügen. „Das wäre noch einmal eine große Gruppe und würde vor allem viel Sicherheit in die Schulen bringen“, sagte Weil.

Das Leben in Australien wird für Ungeimpfte immer komplizierter. In der Metropole Melbourne und dem Rest des Bundesstaats Victoria gilt künftig: Sobald dort 90 Prozent der Bürger vollständig geimpft sind, dürfen Ungeimpfte nur noch Geschäfte betreten, die unverzichtbar fürs tägliche Leben sind – also etwa Supermärkte und Drogerien. Der Covid-19-Beauftragte der Region, Jeroen Weimar, erklärte am Mittwoch, es werde aber noch einige Wochen dauern, bis diese Regel in Kraft trete. Den Plänen der Regierung zufolge soll am 24. November die 90-Prozent-Marke erreicht sein.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist erneut gestiegen. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am frühen Mittwochmorgen unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte, erhöhte sich der Wert auf 118,0. Am Vortag hatte er bei 113,0 gelegen, vor einer Woche bei 80,4.

Laut den jüngsten Angaben des RKI wurden binnen 24 Stunden 23.212 Neuinfektionen sowie 114 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet.

In der von Joshua Kimmichs Zweifeln ausgelösten Debatte lehnen mehrere Fußball-Bundesligisten eine Impfpflicht für ihre Profis ab. „Es ist nicht unsere Aufgabe, eine Impfpflicht durchzusetzen. Wenn, dann muss das regulatorisch sein“, sagte Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln, der „Bild“-Zeitung.

Auch andere Clubspitzen setzen darauf, noch ungeimpfte Spieler ohne Zwang von einer Impfung gegen das Coronavirus zu überzeugen. „Unsere Quote der geimpften Profis ist sehr hoch. Die wenigen, die noch ungeimpft sind, werden von uns zeitnah noch einmal ein Angebot und Aufklärung zu einer Impfung bekommen“, sagte der Bochumer Sportchef Sebastian Schindzielorz.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, steht Corona-Impfungen für Kinder ab fünf Jahren zurückhaltend gegenüber. „Je geringer die Krankheitslast in einer Gruppe, umso sicherer muss die Impfung sein“, sagt Mertens der Zeitung „Rheinische Post“ (Mittwochausgabe). Für eine abwägende Entscheidung zu einer Empfehlung müssten erwartbare positive Effekte – klinisch oder psychosozial – für die Kinder und mögliche Restrisiken bei im Wachstum befindlichen Kindern „möglichst einigermaßen quantitativ fassbar“ sein. In den USA könnten die Impfungen für Kinder ab fünf Jahren bereits Anfang November beginnen. „Die Krankheitslast bei Kindern in den USA ist offenbar höher als in Deutschland.“