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Hausärzte fühlen sich ausgebremst: In den Praxen kommt zu wenig Impfstoff an

Impfen bei Hausärzten

Auffrischung oder Erstimpfung: Bei den Hausärzten im Werra-Meißner-Kreis ist die Nachfrage groß. Gleichzeitig an der Basis nicht genug Impfstoff an.

Eschwege/Frankershausen - Während deutschlandweit über eine Impfpflicht diskutiert wird, kommt gleichzeitig an der Basis nicht genug Impfstoff an. „Wir Hausärzte werden von der Politik ausgebremst. Wir fühlen uns verhöhnt“, sagt Martina Hossbach von der Arztpraxis Hossbach in Frankershausen.

Zwischen 80 und 90 Impfwillige wollen sich beispielsweise heute in der Hausarztpraxis impfen lassen. Auch für die kommende Woche seien die Termine voll vergeben. Damit alle Termine stattfinden können, müssen sie mit den Impfstoffen jonglieren, weil Arztpraxen ihrem Eindruck nach nicht priorisiert mit Impfstoff beliefert werden. Sie wünschen sich eine bessere Organisation und sinnvollere Verteilung der Impfstoffe.

Ähnlich sieht es Dr. Stephan Sundheim, Hausarzt in Eschwege. Für seinen Impf-Marathon am Samstag haben sich 160 Patienten angemeldet – zu 80 Prozent Auffrischungen übrigens. „Die Patienten haben sich natürlich über die Impfstoffe informiert, aber ständig gibt es neue Empfehlungen – das verunsichert.“ Grundsätzlich rät er dazu, bei den Impfstoffen zu bleiben, die man schon bei den ersten beiden Immunisierungen bekommen hat. Nicht immer sei das aber möglich.

Hausarzt Dr. Stephan Sundheim

Vom Moderna-Impfstoff hat die Hausarztpraxis Hossbach beispielsweise genug vorrätig, Biontech könnte dagegen knapp werden. Für heute haben sich in Frankershausen zahlreiche junge Menschen unter 30 Jahren auch zur Grundimmunisierung angemeldet. Unter anderem für diese Altersgruppe empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) vorrangig Biontech-Impfstoff, darüber hinaus möchten viele andere Patienten ebenfalls damit aufgefrischt werden, weil sie den Impfstoff auch das letzte Mal erhalten haben. Ob die Biontech-Dosen für alle reichen, wird sich am Freitag entscheiden.

In der Hausarztpraxis Hossbach in Frankershausen wird neben Biontech auch Moderna angeboten. „Moderna ist ein genauso guter Impfstoff“, sagt der Facharzt für Allgemeinmedizin, Edgar Hossbach. Er sei wegen der Dosierung für Arztpraxen jedoch schwieriger zu handhaben. Denn aus einem Vial erhält man gleich zehn Dosen bei Erst- und Zweitimpfungen und bei Booster-Impfungen sogar 20 Dosen.

Einmal angebrochen müssen die Dosen binnen weniger Stunden verbraucht werden – wie es auch bei Biontech der Fall ist. Aus einem Biontech-Vial bekomme man dagegen sechs Impfdosen, was für Hausärzte praktischer zu handhaben sei. Sinnvoll sei es Hossbachs Meinung nach, in Impfzentren eher Moderna zu verimpfen und Biontech in Arztpraxen zu verabreichen. So würde möglichst wenig Impfstoff weggeworfen.

Auch der Hausärzteverband Hessen zeigt sich „stinksauer“ auf die Politik in Berlin. Dass ausgerechnet jetzt nicht genug Corona-Impfstoff in den Praxen ankomme, sei „eine vollständige Katastrophe“, sagte der Vorsitzende Armin Beck. Hessen sollte indes gestern laut des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) und Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) 100 000 zusätzliche Impfdosen bekommen – alle von Moderna. Foto: thorsten eschstruth

Von Jessica Sippel Und Tobias Stück