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Heimweh: „Großstadt war einfach nicht mehr schön“

Wie viel sie doch gemeinsam haben und wie wenig sie einander bisher kennenlernen konnten! Obwohl sie unter demselben Dach arbeiten – jedoch die meiste Zeit in verschiedenen Teams, die aus Infektionsschutzgründen nicht miteinander in Berührung kommen. Solch außergewöhnliche Umstände der Corona-Zeit übermalen ein wenig, was der neue Job in der alten Heimat für Josephine Förster und Maxi Grubert bedeutet. Beide sind in den vergangenen Monaten nach Studien- und Berufsjahren in anderen, größeren Städten in den Nordosten heimgekehrt. „Hier bin ich richtig“, stellen die Uckermärkerin und die Neubrandenburgerin jeweils für sich fest.

In der Neubrandenburger Regionalbibliothek sind beide im Abstand weniger Monate in eine neue berufliche Zukunft gestartet. Mitten im ersten Lockdown trat Josephine Förster ihren Dienst an, arbeitete sich von zu Hause aus mit viel E-Mail-Kontakt ein. „Aber ich habe mich schon da nicht weniger gut aufgenommen gefühlt als später, als die Bibliothek wieder öffnen konnte“, erzählt die 30-Jährige.

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Kinder sollen nicht in der Großstadt aufwachsen

Dass ihr Berufsweg in eine Bibliothek führen würde, stand schon früh außer Frage. Bei den Praktika in der Stadtbibliothek Prenzlau hatte sie gern mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Das war ein wichtiges Auswahlkriterium, als sie sich über Studienmöglichkeiten informierte: „In Leipzig gibt es eine starke Kinder- und Jugendsparte und viel Praxisbezug“, erklärt sie ihre Entscheidung für die sächsische Messestadt. Nach dem Studium ergab sich die Möglichkeit, in Halle zu arbeiten, wo sie die Jugendmediathek aufbaute, sich an Projekten erprobte, sechs Jahre zur Arbeit pendelte.

Beim Gedanken an eigene Kinder indessen wuchs der Wunsch, dass der Nachwuchs nicht in der Großstadt aufwachsen sollte. „Großstadtleben war einfach nicht mehr schön.“ Da war sie sich einig mit ihrem Mann, der ebenfalls aus der Uckermark stammt und für seine Leipziger Marketing-Agentur von zu Hause aus arbeitet. Auf dem Hof seiner Eltern in Gramzow, wo mehrere Generationen heimisch sind, wollte das junge Paar sesshaft werden.

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Corona ist in der Seenplatte einfacher zu ertragen

Was in Corona-Zeiten gar nicht so einfach war: „Als im März 2020 in Halle die Schließung der Schulen beschlossen wurde, wussten wir, dass es eng wird“, erinnert sich Josephine Förster. Immer die jeweiligen Landesverordnungen von Sachsen, Brandenburg und MV im Blick, stemmte die Familie den Umzug. Aus der Uckermark nach Neubrandenburg zur Arbeit zu pendeln, wie zuvor von Leipzig nach Halle, macht der jungen Frau nichts aus: „Da kann ich unterwegs gut das, was ich am einen Ort beschäftigt, hinter mir lassen.“

Einen kurzen Weg zur Arbeit genießt hingegen Maxi Grubert, die im Herbst in ihre Neubrandenburger Heimat zurückkam – just als der zweite Lockdown beschlossen war. Nach dem Abitur hatte es die 29-Jährige nach Berlin gezogen. Das Studienfach war da noch nicht klar: Mit Germanistik sollte es zu tun haben – und die Entscheidung für Bibliothekswissenschaften erwies sich als Volltreffer. So wohl sich die junge Frau in Berlin auch fühlte, ertappte sie sich aber doch auch dabei, jedes Wochenende nach Neubrandenburg zu fahren. „Du bist einfach kein Großstadtmensch“, lautete ihre Schlussfolgerung, die sie zurück nach MV lockte: erst mal zum Masterstudium nach Greifswald, zu Praktika in Greifswald und Stralsund, dann zu einer Anstellung in Rostock. Dorthin zog nach jahrelanger Fernbeziehung auch ihr Freund nach, den sie an einem der Heimat-Wochenenden in Neubrandenburg kennengelernt hatte, wo er Soziale Arbeit studierte.

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Nichts, was sie vermissen müssen

Letztlich stellten beide fest, dass es sie zurück in die Seenplatte zog. Zum Erstaunen der Rostocker Kollegen, die befanden, da sei doch nichts. „Wenn ich fragte, wann sie denn zuletzt hier waren, lag das Jahre zurück“, erzählt Maxi Grubert. Für sie ist Neubrandenburg nicht nur eine Stadt, die sich ganz gut herausgemacht hat, sondern „eine Stadt zum Leben“. Mit einer Super-Umgebung, wie die einstige Leichtathletin betont: Sie weiß die kurzen Wege zu schönen Laufstrecken am See und im Wald zu schätzen, genießt im Sommer die nicht so übervölkerten Rückzugsorte an einem der vielen Seen, freut sich zudem auf die geplante Boulderhalle in der Stadt.

Nichts, was man vermissen müsste, da sind sich die beiden jungen Frauen einig. Dass derzeit doch einiges zum Glücklichsein fehlt, liegt an Corona. Josephine Förster liebt es, Konzerte zu besuchen, oder abends mal auszugehen, was dank der Berlin-Nähe nicht so aufwendig ist. Sehr vermisst hat sie es während der monatelangen Schließung der Geschäfte auch, in der Mittagspause in der Buchhandlung zu stöbern. Umso wichtiger ist das soziale Netz in der Heimat, das die Kontaktbeschränkungen leichter ertragen lässt, als es in Leipzig, Rostock, Berlin der Fall wäre.

Kaum erwarten konnten beide, dass endlich wieder Nutzer in die Bibliothek dürfen. „Seit Jahren wird versucht, den Charakter als Aufenthaltsort zu stärken, und nun mussten wir gerade das herunterfahren“, bedauert Josephine Förster, die sich auch hier speziell um den Jugendbereich kümmert. Ihre Kollegin Maxi Grubert wiederum ist verantwortlich für die Regionalsammlung. Beide brennen nun darauf, die wiedergewonnene Heimat auch beruflich in voller Schönheit wieder richtig erleben zu können.

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