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Hochwasser im Landkreis Ahrweiler: Warnungen missachtet? Vorwürfe gegen Verantwortliche

Der rheinland-pfälzische Innenminister will die Vorgänge rund um die Hochwassertage exakt aufarbeiten. Es gibt Anschuldigungen gegen einen Landrat.

Ahrweiler - Die Katastrophenbilder aus den überfluteten Orten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen Mitte Juli lösten bundesweit eine große Hilfsbereitschaft aus. Über 180 Tote wurden bereits gemeldet. Tausende verloren ihr Hab und Gut. Als das Ausmaß nach und nach klarer wurde, rückte hoher politischer Besuch an. Die Ministerpräsidenten Malu Dreyer (SPD) und Armin Laschet (CDU) sowie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen ihr Mitgefühl aus und sicherten Unterstützung zu. Schnell kam auch die Frage auf: Hätten die Anwohner früher gewarnt werden können?

Häufig waren Sätze zu hören wie: „Dieses Ausmaß konnte keiner vorhersehen.“ Die britische Hochwasser-Expertin Hannah Cloke hingegen erhob Vorwürfe. „Schon mehrere Tage vorher konnte man sehen, was bevorsteht“, hieß es.

Vorwürfe gegen Landrat von Ahrweiler: Präzise Warnungen missachtet?

Nun gibt es neue Anschuldigen, die sich vor allem gegen den Landrat des rheinland-pfälzischen Landkreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), richten. In einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heißt es, die Verantwortung für die Einsatzleitung sei abhängig von der Warnstufe. Ab dem Vormittag des 14. Juli habe im Kreis die Warnstufe vier gegolten - wodurch die Verantwortung dann bei der Kreisverwaltung, damit bei Pföhler läge.

Der Landkreis Ahrweiler ist laut dem Bericht vor der Flutkatastrophe in der Nacht auf den 15. Juli präzise gewarnt worden, habe jedoch nicht rechtzeitig reagiert. Es seien bei der Kreisverwaltung mehrere automatisierte E-Mails des rheinland-pfälzischen Landesumweltamts eingegangen, berichtete die FAZ unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde. Auch Warnungen über das Katwarn-System und Veröffentlichungen im Internet habe es gegeben, heißt es im Bericht.

Prognosen steigen schon am Nachmittag des 14. Juli - bis auf eine Ausnahme

Bereits am Nachmittag des 14. Juli veröffentlichte das Landesumweltamt demnach Prognosen, die einen Pegelstand der Ahr von deutlich mehr als dem vorherigen Höchststand von 3,7 Meter vorhersagten. Pföhler wies vor einigen Tagen gegenüber der Rhein-Zeitung darauf hin, dass es am Abend des 14. Juli auch eine Prognose gegeben habe, die niedriger war als zuvor. Doch danach ging die Prognose wieder nach oben.

Nach der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz: Ein verwüsteter Friedhof in Ahrweiler vor wenigen Tagen.

In den E-Mails an die Kreisverwaltung sei gegen 21.30 Uhr ein erwarteter Pegelstand von fast sieben Metern genannt worden. Dennoch habe der Landkreis erst gegen 23 Uhr den Katastrophenfall ausgerufen und Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet. Zu dieser Zeit erging laut FAZ und Rhein-Zeitung auch die Meldung, die Gebäude 50 Meter rechts und links der Ahr zu evakuieren. Als Pföhler zu dieser Zeit an die Bevölkerung appelliert habe, sich in höher gelegene Stockwerke zu begeben, seien bereits Häuser von den Wassermassen mitgerissen worden.

Innenminister von Rheinland-Pfalz kündigt exakte Aufarbeitung an

Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) verwies gegenüber der FAZ auf die Zuständigkeit der Kreisverwaltung. Er kündigte an, die Abläufe an dem Abend würden „exakt aufgearbeitet“ werden. Pföhler reagiert auf Anfragen der FAZ dem Bericht zufolge nicht.

Auch der Krisenforscher Frank Roselieb erhob in der in Koblenz erscheinenden Rhein-Zeitung schwere Vorwürfe gegen den Landrat. Das Katastrophenschutzmanagement gehöre zur Kernfunktion jedes Kreischefs und jedes Oberbürgermeisters, sagte der Kieler Wissenschaftler. Dass im Kreis Ahrweiler kein Voralarm ausgelöst worden sei, halte er für unerklärlich. Die Auslösung eines Voralarms hätte laut Roselieb bereits am frühen Abend des 14. Juli erfolgen können, „um Notmaßnahmen einleiten zu können“. Er glaubt: „Viele menschliche Opfer hätten verhindert werden können.“

Nach verheerendem Hochwasser: Deutsche Feuerwehrverband fordert Konsequenzen

Konsequenzen aus der Flutkatastrophe forderte unterdessen auch der Deutsche Feuerwehrverband. „Wir werden uns mit Einsatzleitern, Vertretern der Feuerwehr-Landesverbänden, aber auch mit Landkreisen und Kommunen zusammensetzen und darüber reden, welche Lehren wir aus dieser Katastrophe ziehen können“, sagte Verbandspräsident Karl-Heinz Banse der Heilbronner Stimme. Auch der Einsatz spontaner Helfer müsse besser koordiniert werden.

Die Grünen stellten sich hinter die Forderung der FDP nach einer Bundestags-Sondersitzung Anfang August, um über die Lage nach der Flutkatastrophe sowie notwendige Konsequenzen zu sprechen. „Auch wir setzen uns dafür ein, dass das Parlament zu einer Sondersitzung des Bundestages zu den Auswirkungen der Flutkatastrophe zusammenkommt“, sagte Parlamentsgeschäftsführerin Britta Haßelmann den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. (cibo/AFP)

Rubriklistenbild: © Thomas Frey/dpa

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